Vohenstraußer geben über 100 Körbe aus
Tafel hilft über 220 Personen

Hedwig Reger ist die Hauptverantwortliche für die Abwicklung und Logistik der Tafel in Vohenstrauß. Sie listete beeindruckende Zahlen auf. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
20.04.2016
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Nach zweimaligem Umzug hat die Tafel - eines der Projekte, die der Verein "Lebenswert" unterstützt - im ehemaligen Seltmann-Gebäude eine adäquate Unterkunft gefunden. Probleme hinsichtlich der Konkurrenz zwischen einheimischen Kunden und Asylbewerbern kennen die Helfer um die Verantwortliche Hedwig Reger nicht.

In Vohenstrauß wurde die Tafel-Ausgabestelle im Februar 2015 auf Bemühen von AWO-Vorsitzender Karin Gesierich gegründet. Eines der großen Anliegen Gesierichs war, die richtige Person für die Organisation und Abwicklung zu finden. "Hedwig Reger hat uns der Himmel geschickt", versicherte Gesierich in der Jahreshauptversammlung des Vereins "Lebenswert" in der AWO-Sozialstation. "Sie hat großes Durchsetzungsvermögen, viel Kraft und Energie."

Bis zu 104 Körbe


Anfangs wurden 22 Warenkörben ausgegeben. Die rasante Steigerung kam postwendend. Aktuell sind es bis zu 104 Körbe, die ehrenamtliche Helfer jede Woche packen - Tendenz steigend. In der jetzigen Ausgabestelle haben die Mitstreiter optimale logistische Bedingungen, selbst wenn der Absatz weiter ansteigen würde, informierte Reger.

Dankenswerterweise trage die Stadt die Miet- und Nebenkosten. Mit privaten Fahrzeugen holen die Helfer jeden Dienstag die Lebensmittel von fünf Vohenstraußer Geschäften ab. Auch der Netto-Markt Pleystein und der Gänsbürger-Laden Waldthurn unterstützen die Einrichtung regelmäßig. Mit diesen Lebensmitteln decke man ein Drittel des Gesamtbedarfs. Zusätzlich werde die Tafel von Weiden aus beliefert. Sogar aus Tschechien kommen Lebensmittel für die Verteilung nach Weiden, da es bisher dort noch keine derartigen Einrichtungen gebe.

25 Helfer aktiv


Unter den Tafeln finde ein reger Austausch statt, lobte Reger. Brot sei meist in großen Mengen vorhanden, genauso wie Leberkäse oder andere Wurstwaren. Beim Gemüse gelte Ähnliches wie bei Obst. Die Helfer sortieren die abgepackten Gebinde auf Frische durch und legen sie lose in die Abgabekörbe. Joghurt werde oft wegen Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums aus den Regalen genommen, sei aber dennoch ohne Probleme verzehrbar.

Insgesamt 25 Helfer - viele sind wie Bürgermeister Andreas Wutzlhofer von der ersten Stunde an dabei - kümmern sich vor Ort um die logistische Abwicklung. In der Zwischenzeit arbeite die Tafel auch eng mit dem Arche-Noah-Hof in Moosbach zusammen. Welke Salatblätter, aussortiertes Obst oder hartes Brot gehen an die Tierfütterung.

Um den Bedürftigen auch haltbare Lebensmittel zu geben, organisieren die Tafel-Helfer zweimal pro Jahr eine Sammelaktion in den hiesigen Geschäften, bei der die Kunden gebeten werden, entweder Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Mehl und ähnliches oder Geld zu erübrigen. Im vergangenen Jahr spendeten auch die Grundschule und der Kindergarten aus Waldthurn sowie der Kindergarten Neukirchen zu St. Christoph haltbare Lebensmittel an die Tafel.

Die Ausgabestelle in Vohenstrauß hilft etwa 230 Personen mit durchschnittlich 90 Warenkörben. An einzelnen Tagen würden bis zu 104 Körbe ausgegeben, informierte Reger. 35 Prozent der unterstützten Personen sind Kinder und von den 90 Warenkörben gehen 10 an Rentner. 50 Prozent sind Asylsuchende. 35 Körbe gehen an Bedürftige in Vohenstrauß (darunter 15 Asylbewerber), 20 Körbe fallen auf Moosbach (10 Migranten), 14 Körbe auf Waidhaus (8 Flüchtlinge) und 12 Körbe auf Eslarn (5 Asylbewerber).

Angebot annehmen


Vor allem ältere Menschen genierten sich, das Angebot zu akzeptieren, warf Gesierich ein. Doch für seine Armut bräuchte sich niemand zu schämen. Sie appellierte nachdrücklich an Bedürftige, die Dienste der Tafel anzunehmen.

Ein Korb, der für ein bis zwei Personen gepackt wird, kostet in Vohenstrauß 2,50 Euro, für drei bis vier Personen 3 Euro und für fünf und mehr Personen 3,50 Euro. Den Wert des Inhalts schätzte Reger "auf das zehnfache und mehr". Berechtigt, von der Tafel Lebensmittel zu beziehen, sind alle Hartz-IV-Empfänger, Arbeitslosengeld-Empfänger, jene die Aufstocker sind, die Grundsicherung im Alter bekommen oder zum Beispiel Wohngeld und Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen und alle Asylbewerber.

Die Tafel orientiere sich an der staatlichen Grundsicherung von momentan 404 Euro für Alleinstehende. Rechne man dazu 300 Euro für Miete und Heizung, liege das grenzwertige Einkommen bei 700 Euro, wusste Reger. Die Weidener Tafel schlage einen Toleranzzuschlag von zehn Prozent auf diese Summe, so dass die Berechtigung für einen Essensbezug bei der Tafel bei weniger als 770 Euro monatliches Einkommen für Alleinstehende gegeben ist. Für zwei Personen liege der Grenzwert bei 1130 Euro. (Im Blickpunkt)
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