Vorstellung des neuen Chefs der Polizeiinspektion Vohenstrauß
Plädoyer für Eisernen Schutzmann

Die Polizeiinspektion Vohenstrauß hat mit Kriminalhauptkommissar Andreas Schieder (Zweiter von links) für sechs Monate einen neuen Chef. Er löst vorübergehend Ersten Polizeihauptkommissar Martin Zehent (Dritter von links) ab. Die Gründe dafür erläuterten Polizeivizepräsident Michael Liegl (links) und Personalrat Franz Eichenseher. Bild: rti
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Vohenstrauß
03.11.2016
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Seit 1. November hat die Polizeiinspektion Vohenstrauß vorübergehend einen neuen Dienststellenleiter. Dessen Vorstellung nutzt Polizeivizepräsident Michael Liegl am Mittwoch, um die Gründe zu erläutern. Zudem macht er sich für den Eisernen Schutzmann stark.

Für die nächsten sechs Monate löst Kriminalhauptkommissar Andreas Schieder (Infokasten) Ersten Polizeihauptkommissar Martin Zehent als Chef der Polizeiinspektion (PI) Vohenstrauß ab. Diese Entscheidung hatte in den vergangenen Tagen einige Spekulationen ausgelöst (NT-Artikel "Abordnung, die Fragen aufwirft" vom 31. Oktober). "Das ist ein ganz normaler Vorgang. Schieder muss sich bewähren", erklärt Liegl.

"Glücklicher Zufall"


Damit der Kriminalhauptkommissar in die vierte Qualifikationsebene (ehemals Höherer Dienst) aufsteigen könne, müsse er vorher eine Dienststelle leiten. "Für die Kollegen aus dem Raum München kommen daher immer wieder Anfragen für solche Stellen an uns", macht der Polizeivizepräsident klar. Dies komme zukünftig wieder öfter vor. Als es noch die Polizeidirektionen gegeben habe, sei dieses Vorgehen gang und gäbe gewesen. Dass Schieder in Vohenstrauß wohne, sei ein "glücklicher Zufall". Und auch die halbjährige Abordnung von Zehent an das Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg sei mit dem Betroffenen abgesprochen. Zudem betont Liegl, dass es für Schieder keinen Auftrag gebe, den Eisernen Schutzmann in Vohenstrauß einzuführen. Durch dieses technische Hilfsmittel müsse die Dienststelle in der Nacht nicht besetzt sein. Ein Telefon im Eingangsbereich verbindet die hilfesuchenden Bürger im Notfall mit der Einsatzzentrale in Regensburg.

Der Polizeivizepräsident macht deutlich, dass er ein absoluter Befürworter des Eisernen Schutzmanns ist: "Das wäre eine gute Lösung." Weiterhin wäre in den Nachtstunden eine Streife mit zwei Beamten unterwegs, aber es müsste kein dritter in der Dienststelle sitzen. Dies sei nämlich ohne dieses technische Gerät Pflicht. Der dritte Polizist könnte dadurch falls nötig mit ausrücken. Zudem bestehe die Möglichkeit, mit zwei Beamten Dienst zu verrichten. Dies teile die jeweilige Dienststelle nach Lagebeurteilung und Sicherheit ein. "Der Einschnitt für die Bevölkerung ist marginal." Die Polizei sei weiterhin rund um die Uhr präsent.

Nicht weniger Personal


Allerdings stellt Liegl auch klar: "Herr Zehent und die PI Vohenstrauß bewerten dies anders als wir. Und grundsätzlich machen wir nichts gegen den Willen der PI. Aber natürlich versuchen wir, die Dienststelle zu überzeugen." Einen Eisernen Schutzmann gibt es schon in Oberviechtach, Auerbach, Kemnath, Neunburg vorm Wald und Waldmünchen. "Die Kollegen dort haben sich für dieses Gerät eingesetzt." Ein solches technisches Hilfsmittel bedeutet laut Personalrat Franz Eichenseher nicht weniger Personal. "Darauf achten wir schon." Dazu ergänzt Liegl, dass die momentane Ist-Zahl von 25 Beamten bei der PI Vohenstrauß gehalten werden soll. "Ich glaube schon, dass wir die Leute, die in den Ruhestand gehen, ersetzten können. Versprechen kann ich das zwar nicht, aber ich bin zuversichtlich."

Mehr Einsatzkräfte würden sich nicht realisieren lassen. Denn es müssten immer die aktuellen Brennpunkte berücksichtigt werden. Als Beispiel nennt der Polizeivizepräsident den islamistischen Terror. Hier gebe es auch im Bereich Weiden eine aktive Szene. "Das kostet auch Personal."

Neuer Dienststellenleiter der Polizeiinspektion VohenstraußBis Ende April 2017 steht Kriminalhauptkommissar Andreas Schieder an der Spitze der Polizeiinspektion Vohenstrauß. Der 31-Jährige startete seine Laufbahn bei der Polizei 2006 mit dem Studium für Ämter ab der Dritten Qualifikationsebene (vormals Gehobener Dienst), das er 2009 mit "einem hervorragenden Ergebnis" abschloss. Anschließend sammelte Schieder in München bei der Schutz- und Kriminalpolizei als Dienstgruppenleiter und Sachbearbeiter für Wohnungseinbruchsdiebstahl Erfahrungen. Im Innenministerium war er später drei Jahre unter anderem im Lagezentrum der Bayerischen Polizei, Sachbereich Verbrechensbekämpfung und Koordinierungsstab Asyl/Sicherheit, eingesetzt. Zuletzt war der Beamte im Dezernat 13 des Landeskriminalamts im Bereich "Interne Ermittlungen" tätig.

Der gebürtige Windischeschenbacher kehrt erstmals dienstlich in die Heimat zurück. Seit diesem Jahr ist er mit einer Vohenstraußerin verheiratet und wohnt auch in der Pfalzgrafenstadt. "Dass mein Wohn- und Berufsort gleich sind, ist natürlich ein absoluter Glücksfall", freut sich der 31-Jährige bei seiner Vorstellung. Er übernehme eine sehr geordnete Dienststelle. Wichtig sei für ihn, ständig für die Bürger ansprechbar zu sein sowie einen regen Kontakt zu den verschiedenen Behörden und Institutionen zu halten. "Es kommt auf die Vernetzung an." Es sei gut möglich, dass ihn die Bürger öfter beim Fahrradfahren oder beim Laufen antreffen. (rti)


Eine Streife ist zu wenigAngemerkt von Martin Maier

Die Diskussion um den Einsatz des Eisernen Schutzmanns bei der Polizeiinspektion Vohenstrauß ist wieder entfacht. War das Thema in den vergangenen Monaten etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten, rückt es nach der Einsetzung des neuen PI-Chefs und den Aussagen von Polizeivizepräsident Michael Liegl wieder in den Vordergrund. Dessen Argumentationskette ist logisch und verständlich.

Fakt ist aber auch, dass sich die Bevölkerung mit Tausenden Unterschriften gegen die Einführung des Eisernen Schutzmanns ausgesprochen hat. Die Bürger sehen dadurch eine Verschlechterung ihrer (gefühlten) Sicherheit. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass schon heute während der Nacht in dem 450 Quadratkilometer großen Zuständigkeitsbereich nur ein Streifenfahrzeug unterwegs ist. Mehr kann die PI Vohenstrauß aufgrund ihrer Personallage überhaupt nicht leisten. Das ist das eigentliche Problem und nicht der Eiserne Schutzmann, der eine Hilfe für die Statistik ist (Stichwort Überstundenabbau). In der Fläche bräuchte es mehr Polizisten, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Allerdings sollte man darauf nicht hoffen. Auch das hat der Polizeivizepräsident klargemacht.

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