Wallfahrtsziel lichtet sich
„Holzernte“ am Fahrenberg

Auf knapp 50 Hektar fällen die Staatsforsten am Fahrenberg 20 bis 25 Prozent des Baumbestands: zuerst auf der Ost- und dann auf der Westseite. Die Armierung mit Ästen und dünnen Stämmen in den Rückegassen soll den Waldboden vor Schäden durch den Harvester bewahren. Dies gelingt nicht immer. Bilder: cf (2)
Vermischtes
Vohenstrauß
14.04.2016
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Betriebsleiter Stefan Bösl und Revierförster Thomas Parton (von links) begutachten ein vor wenigen Jahren gepflanztes Tannenbäumchen. Sie sollen den Wald verjüngen und widerstandsfähiger machen.

Der Fahrenberg stellt für Tausende Menschen ein beliebtes Wallfahrtsziel dar. Eingriffe an diesem "heiligen" Berg stehen von jeher unter kritischer Beobachtung. Auf fast 50 Hektar Waldfläche an der Ost- und Westseite bringen die Staatsforsten derzeit die Holzernte ein. Der Fahrenberg lichtet sich.

Vohenstrauß/Flossenbürg. Vom "Schlachthaus-Syndrom" spricht selbstkritisch Stefan Bösl, Leiter des Forstbetriebs Flossenbürg. "Vor einigen Wochen schaute es in der Tat noch furchtbar aus. Es ist nicht alles optimal gelaufen", räumt der Vertreter der Bayerischen Staatsforsten ein. Sie haben sich "nachhaltiges Wirtschaften" auf die Fahne geschrieben und sehen sich im Dilemma zwischen "Naturschutz und Nutzung".

Dieser Konflikt zeigt sich aktuell auf annähernd 50 000 Quadratmetern an den Ost- und Westhängen des rund 800 Meter hohen Bergs. Weil nicht wie in früheren Jahrzehnten Waldarbeiter viele kleinere Hiebe durchführen, sondern sich - durch den berüchtigten Harvester - der Einschlag nun "örtlich auf größere Gebiete konzentriert", gleicht der Wald eher einem Gefechtsfeld als einer Idylle. Dazu kam noch der milde Winter mit nur einer Woche Dauerfrost und Alarmrufe aus den Sägewerken, denen das Holz für die Weiterverarbeitung fehlte. Bösl: "Wir standen unter Druck." Revierförster Thomas Parton formuliert die Zwänge so: "Wir konnten das Holz schlechterdings mit dem Hubschrauber herausholen." Inzwischen sind die tiefsten Harvester-Rinnen wieder rückgebaut, die gröbsten Rücke-Schäden und die Wege ausgebessert.

Die 60 bis 80 Jahre alten Fichtenstämme bringen als gutes Zimmermannsholz bis zu 100 Euro pro Festmeter in die Staatskasse. Seltene Baumarten wie 140 Jahre alte Lärchen bescherten jüngst bei einer Versteigerung 580 Euro je Festmeter. "Es wird nicht mehr eingeschlagen als nachwächst", versichert Forstbetriebsleiter Bösl: In seiner Zuständigkeit für 16 000 Hektar Staatswald im östlichen Landkreis Neustadt und im südlichen Landkreis Tirschenreuth werden im Jahresschnitt etwa 143 000 Festmeter (Kubikmeter) Holz geerntet. "Das war früher nicht anders."

"Wirtschaftliches Handeln"


Da die Staatsforsten gesetzlich zum "wirtschaftlichen Handeln" verpflichtet sind, kommt es etwa alle fünf Jahre zum "rationalisierten" Einschlag. Der Harvester sägt auf seinen 3 bis 4 Meter breiten Rückegassen im Abstand von 30 Metern etwa 100 Festmeter Holz pro Hektar heraus, also ein Fünftel bis ein Viertel des Bestands. Bösl: "Damit schaffen wir auch Licht für den Waldumbau." So pflanzte der Forstbetrieb vor vier Jahren am Fahrenberg rund 2000 Tannenbäumchen nach, "mehrere Hundert" sind es in diesen Wochen. Kunststoff-Clips ("Verhüterli" genannt) schützen die Spitzen gegen Verbiss. Das Ideal ist ein weitgehend klima- und schädlings-resistenter Mischwald aus Fichte, Buche und Tanne. "Wobei die Fichte als Brotbaum das Geld bringt", sagt Bösl.

"Biotopbäume" bleiben


Die wirtschaftliche Holzernte bewirkt nach Aussage von Bösl und Parton auch den Nebeneffekt, dass schwache, unterständige Bäume als potenzielles Totholz stehen bleiben und pro Hektar mindestens 10 "Biotopbäume" für Höhlenbrüter wie Fledermaus, Specht und Kauz reserviert sind. Dass Naturschutz und Nutzung im Einklang stehen, beweise auch die Rückkehr von Seeadler, Fischadler, Kranich und Luchs im östlichen Landkreis Neustadt. "Naturschutz muss man sich leisten können", betont Forstbetriebsleiter Bösl. Die nächste Holzernte am Fahrenberg soll erst in fünf bis sechs Jahren anstehen. Bis dahin darf der Wald gedeihen und wachsen. In aller Ruhe.
Naturschutz muss man sich leisten können.Stefan Bösl, Leiter Forstbetrieb Flossenbürg
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