Zimmerermeister Josef Hauer übergibt Nachbau des Dachstuhls der Friedrichsburg an die Stadt
Rathauschef bestellt mehr Türme

Zimmerermeister Josef Hauer aus Parkstein sieht seine handwerkliche Berufung darin, auch im Ruhestand alte Handwerkskunst aufleben zu lassen. Jetzt übergab er den Original-Nachbau des Friedrichsburg-Dachstuhls an die Stadt als Dauerleihgabe. Bild: dob
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Vohenstrauß
20.07.2016
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Viel Leidenschaft hat Zimmerermeister Josef Hauer aus Parkstein in das Friedrichsburg-Dachstuhlbauwerk-Modell im Maßstab 1:15 investiert. Am Montagabend reicht er es als Dauerleihgabe an die Stadt weiter.

Tausende von Besucher des Bauernmarkts und der autofreien Spielstadt bestaunten das Werk schon vor einigen Wochen auf dem Marktplatz. "Ich bin der, der die unendliche Geduld hat, diese Werke zu bauen", stellte sich der 79-Jährige vor.

Die Initialzündung, den Dachstuhl des Schlosses Friedrichsburg nachzubauen, kam von Ernst Gallersdörfer und Manfred Kraus aus Roggenstein. Bei Hauer stießen sie mit diesem Wunsch auf offene Ohren. Originalgetreu baute der Handwerksmeister den Dachstuhl nach. Seit er seinen Betrieb 2005 aufgab, widmet er sich den Nachbauten historischer Gebäude oder Kirchen in der Region, aber auch darüber hinaus wie ein Heustadl aus Südtirol beweist. Werk Nummer 25 ist nun der Dachstuhl der Friedrichsburg.

"Ein Wunderwerk"


Bürgermeister Andreas Wutzlhofer bezeichnete das Bauwerk als "ein Wunderwerk der Handwerkskunst". Das Dachstuhlmodell rege an, sich mit der Vergangenheit rund um Schloss Friedrichsburg zu beschäftigen. Durch dieses Bauwerk werde deutlich, welch überragende Leistung vor über 400 Jahren vollbracht wurde.

Nachdem Hauer nach einem halben Jahr Bauzeit nur einen Turm am Modell vorgesehen hatte, tauchte plötzlich Bürgermeister Wutzlhofer in dessen Werkstatt auf und meinte: "Wir können doch die Friedrichsburg nicht mit einem Turm ausstellen." Deswegen habe sich der Zimmerer noch einmal gut und gerne vier Wochen dem Objekt gewidmet und auch die fehlenden vier Türme nachgebaut.

Alle Hölzer sind mit selbsthergestellten elastischen Eschenholznägeln verbunden. Knapp 1800 Stück hat Hauer bei diesem aufwendigen Dachstuhl verbaut. Er gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er angesichts der langen Transportwege, der Unmengen an abgelagertem Holzmaterial und der handbehauenen Balken von der früheren Handwerkskunst und der unglaublichen Leistung dieser Menschen erzählt. "Da kann man nur den Kopf schütteln."

Einer, der diese Leistungen ebenfalls gut einschätzen kann, ist Kreisheimatpfleger Peter Staniczek. Ihm ist der Dachstuhl in seiner Zeit als Vorsitzender des Kuratoriums Friedrichsburg regelrecht ans Herz gewachsen. Wenn er im Winterhalbjahr bei Wind oder Schneestürmen zum Dachstuhl hinaufstieg, konnte er das Ächzen und Stöhnen des Dachstuhls vernehmen. "Der Dachstuhl lebt förmlich", erzählte er.

Bauherr war Friedrich, Pfalzgraf von Vohenstrauß und Parkstein. Noch im Jahr 1585 ließ er sich vom Burglengenfelder Baumeister Leonhardt Greineisen einen Entwurf für sein Schloss anfertigen. Am 7. November 1585 beauftragte er Richter Hanns Glaz in Vohenstrauß mit der Vorbereitung des Baus. Die Bautätigkeit dürfte sich lediglich bis 1593 hingezogen haben, sagte Staniczek.

Während der jahrelangen Bautätigkeit musste die Bevölkerung des gesamten Pflegeamts Flossenbürg viele Opfer bringen, schon allein durch die pflichtmäßigen Hand- und Spanndienste. Die Granitbruchsteine wurden aus Flossenbürg herangeschafft, ebenso das Bauholz aus den reichen Waldbeständen des Flosser Amts bis hinauf zur Silberhütte. 370 Kubikmeter Holz wurden für den Dachstuhl verbaut.

1660 wurde die Friedrichsburg einer Visitation unterzogen, um etwaige Baumängel festzustellen, wie Unterlagen beweisen. Veränderungen des Dachstuhls werden aber darin nicht erwähnt. Trotzdem glauben Staniczek und Hauer, dass es sich beim jetzigen Dachstuhl nicht mehr komplett um das Original handelt. 1716 wurden Reparaturen an den Nebengebäuden vorgenommen, denn 2000 Schindeln sollen von Flossenbürg nach Vohenstrauß gefahren werden, so steht es in den Aufzeichnungen. Möglicherweise geschah eine Änderung des Dachstuhls nach dem Dreißigjährigen Krieg,

Der Bürgermeister übergab an Hauer schließlich als kleines Dankeschön eine silberne Pfalzgraf-Friedrich-Medaille, ein Geldgeschenk und einen Blumenstrauß für Hauers Ehefrau Maria.

Details zum GebäudeDas Schloss Friedrichsburg ist ein rechteckiger dreigeschossiger Kastenbau im Stil der deutschen Renaissance mit hohem und steilem Satteldach. "Das Gebäude ist 126 Schuh lang, 60 Schuh weit und 39 Schuh hoch."

An den vier Ecken sitzen runde in vier Absätzen aufsteigende Türme mit Spitzhelm. In der Mitte der nördlichen Hauptfront ist ein um ein Geschoß höher sich erhebender fünfter Rundturm. Kreisheimatpfleger Peter Staniczek übersetzte die Zahlen in die heute gebräuchlichen Maße im Dezimalsystem. So ergeben sich eine Gebäudelänge von 40,84 Metern und eine Gebäudebreite von 18,57 Metern. Die Traufhöhe liegt bei 12,50 Meter und die Firsthöhe bei 27,50 Meter. Daraus errechnete sich eine Dachhöhe von 15 Metern. Die Dachfläche beträgt ohne die Türme 1425 Quadratmeter und die Nettogrundrissfläche 2226 Quadratmeter.

"Jedenfalls ergeben die Maße verbunden mit der Menge des verbauten Holzes ein grandioses Gewicht, das spätere Bauschäden nicht ausschloss. Die Dachneigung beträgt annähernd 60 Grad." (dob)


Ich bin der, der die unendliche Geduld hat, diese Werke zu bauen.Zimmerermeister Josef Hauer
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