Landwirte im östlichen Landkreis Neustadt kommen noch gut davon
Ernte besser als erwartet

Georg Kick war am Freitag bei seinem letzten Einsatz heuer mit seinem Mähdrescher auf dem Feld von Erika Sauer aus Burgtreswitz beschäftigt. Die Qualität des Gemenges aus Gerste und Hafer ist recht gut. Bild: ck
Wirtschaft
Vohenstrauß
26.08.2016
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Wie oft werden die Landwirte in den vergangenen Monaten den Blick in den verregneten Himmel gerichtet und um besseres Wetter gebetet haben? Denn all der Fleiß wird am Ende nur belohnt, wenn auch das Wetter mitspielt. Die Ernte-Erträge fallen heuer sehr unterschiedlich aus.

BBV-Geschäftsführer Hans Winter rechnete nach dem verregneten Sommer mit einer sehr negativen Bilanz. Ganz so schlimm ist es jedoch seiner Meinung nach nicht: "Man kann sagen, dass die Ernte heuer durchschnittlich ausfallen wird. Der neueste Sachstandsbericht zeigt, dass einige Landwirte im östlichen Landkreis sogar sehr zufrieden sind mit den Erträgen, andere kalkulieren mit 10 bis 15 Prozent Einbußen im Vergleich zum vergangenen Jahr."

Besonders den Sandböden hätten die Niederschläge gut getan: "Hier haben die Landwirte wirklich gute Erträge." Enorm wichtig sei der richtige Zeitpunkt der Ernte gewesen: "Wenn der Drescher zu spät kam, konnte es sein, dass etliche Ähren bereits eingebrochen waren." Das sei bei seiner eigenen Wintergerste zum Beispiel der Fall gewesen, sagt der BBV-Geschäftsführer. Starkregen und Hagel seien in manchen Bereichen der Grund für den Ertragsrückgang. "Liegt das Getreide erst mal durch den Regen am Boden, wächst Gras durch, und es ist nicht mehr zu retten", erklärt Winter.

Keine guten Prognosen hat er in Sachen Preisentwicklung beim Getreide. "Die Preise sind völlig am Boden. Wir haben das Ende der Fahnenstange erreicht."

Raps hinter Erwartungen


Landwirt Georg Kick aus Burgtreswitz kann diese Aussagen bestätigen: "Beim Wintergetreide haben wir heuer gute Erträge eingefahren. Beim Sommergetreide wie Braugerste und Sommergerste gibt es aber Einbußen zwischen 20 und 25 Prozent." Habe er im vergangenen Jahr noch bis zu 65 Doppelzentner pro Hektar Sommergerste einfahren können, sind es heuer unter 50. Auch der Raps werde die Erwartungen wohl nicht erfüllen, schätzt Kick. Durch den vielen Regen hätten die Pflanzen vermehrt mit Pilzbefall zu kämpfen gehabt. Kick, der mit seinem Mähdrescher auch die Felder anderer Landwirte aberntet, sieht den östlichen Landkreis heuer etwas im Vorteil: "Wir haben Glück gehabt, dass wir am Ende in eine Schönwetterperiode gerutscht sind. Weil unsere Vegetation etwas später dran ist, haben uns die letzten vier, fünf schönen Tage sehr gut getan. Das Getreide ist absolut trocken und die Qualität gut. In anderen Regionen, wo das Getreide früher reif war, sah es nicht so gut aus."

Markus Schön, Fachbereichsleiter Agrar im Raiffeisenmarkt Albersrieth, gibt zu bedenken, dass man die diesjährige Ernte kaum mit den Rekord-jahren 2014 und 2015 vergleichen könne. Tatsächlich seien die Hektarerträge beim Raps heuer 20 Prozent unter denen des Vorjahrs. Der Preis sei dabei fast identisch geblieben. "Beim übrigen Getreide, also Braugerste, Wintergerste, Triticale, Weizen und Roggen, liegen die Erträge zwischen gleichbleibend bis zu minus 15 Prozent." Schön weist auf eine Besonderheit hin: "Wichtig waren heuer die Fungizidmaßnahmen. Wer das nicht gemacht hat, hat bis zu 30 Prozent Minus."

Preise unter Vorjahr


Bei den Preisen liege die Wintergerste 20 Prozent oder 25 Euro pro Tonne unter dem Vorjahreswert. "Dagegen sind die Preise für Braugerste und Roggen teilweise sogar leicht über Vorjahr", erklärt der Fachbereichsleiter. Bei Weizen und Triticale sind die Preise etwa 10 Prozent unter Vorjahr. Auch die Hektolitergewichte, die einen Hinweis auf die Qualität des Getreides geben, fallen laut Schön niedriger aus als 2015.

BBV-Präsident zur Ernte 2016Bauernpräsident Walter Heidl erklärte kürzlich zur Ernte: "Die Getreideernte 2016 lässt sich nicht mit einem Wort beschreiben, dafür war das Wetter regional einfach zu unterschiedlich. In der Folge fallen die Erträge auch sehr unterschiedlich aus - die einen ziehen ein durchschnittliches Resümee, die anderen fahren deutlich weniger ein. Manchmal liegen keine zehn Kilometer dazwischen. Solche Wetterkapriolen sind aber für die Landwirte nichts Neues, wir müssen im Großen und Ganzen mit den Unwägbarkeiten zurechtkommen. Was noch schwerer wiegt, sind die stark gesunkenen Preise. Bei diesem Preisniveau können wir in vielen Bereichen nicht kostendeckend arbeiten. Ackerbauern erzielen mit den jetzigen Preisen keine Gewinne. Auf Dauer kann das kein Betrieb durchhalten." (ck)
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