Wegen Fachkräftemangel: Fußpflegepraxis in Vohenstrauß wird aufgegeben
Podologen händeringend gesucht

Dorothea Oppelt (links) und ihre Tochter Ines Schegerer finden keine Fachkräfte mehr. Daher müssen sie ihre Fußpflegepraxis aufgeben. Bild: tss
Wirtschaft
Vohenstrauß
13.04.2015
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Tausende von Füßen wanderten schon durch ihre Hände. Nach 40 Jahren müssen Dorothea Oppelt und ihre Tochter Ines Schegerer ihre Fußpflegepraxis an der Langen Gasse schweren Herzens aufgeben. Grund: Fachkräftemangel.

"Es gibt so viele Arbeitslose, aber wir finden niemanden", klagt Ines Schegerer. Sie und eine Mitarbeiterin sind beide schwanger, eine Kollegin hat sich zu allem Überfluss die Hand gebrochen und fällt bis auf weiteres aus. Daher muss die Fußpflegepraxis an der Langen Gasse nach vier Jahrzehnten am Freitag, 29. Mai, schließen. Zuletzt kümmerten sich Schegerer, ihre Mutter Dorothea Oppelt sowie das Team um rund 800 Patienten, die regelmäßig kamen. Ohne Personal ist dieser Aufwand nicht zu schaffen.

Steigender Bedarf

Vor 20 Jahren hat Schegerer als Podologin begonnen. "Ich hätte damals nicht gedacht, dass sich unsere Praxis mit vier Mitarbeiterinnen so entwickelt. Vor allem hätte ich aber nicht gedacht, dass sich die jetzige Situation in der Branche so entwickelt." Mit ein Grund dafür ist der seit 13 Jahren steigende Bedarf. Denn seit 2002 bezahlen die Krankenkassen die Behandlung für Diabetiker, weil sie sehr amputationsgefährdet sind.

Am meisten bedauert die Juniorchefin, dass ihre Mitarbeiterinnen dann auf der Straße stehen. Die Vohenstraußerin hat deutschlandweit nach Arbeitskräften gesucht und war auch schon in der Agentur für Arbeit. Gerade dort habe sie auf die Frage, dass sie Podologen suche, oft nur Achselzucken oder verwunderte Blicke geerntet. Daher vermutet Schegerer "ein berufspolitisches Problem" hinter der Misere. "Der Beruf wird nicht recht als solcher wahrgenommen. Viele wissen nicht, was ein Podologe macht, nicht mal im Arbeitsamt."

Ein weiteres Problem sieht Schegerer in der teueren Ausbildung, die zwei bis drei Jahre dauert. Schulen in Bayern verlangen 360 Euro pro Monat, hinzu kommt in den meisten Fällen noch Miete. "Das schreckt viele ab. Als Lehrling will man schließlich etwas verdienen und nicht zahlen." Wer sich dennoch für den Beruf entscheidet und vor die Wahl gestellt ist, in Oberbayern oder in der Oberpfalz zu arbeiten, bevorzugt meistens den Süden, fügt die Vohenstraußerin hinzu.

Drastische Situation

Sie hat sich auch schon mit Kollegen aus der Region ausgetauscht, der Missstand trifft die ganze Branche. Das bestätigten auch Sprecher der Interessenvertreter. "Viel zu wenige begeben sich in die Ausbildung, weil sie selber zu bezahlen ist", sagt Manuela Henseler-Benz, Landesverbands-Vorsitzende des Verbands Deutscher Podologen (VDP). "Die Situation ist tatsächlich so drastisch, weil es immer mehr Diabetiker gibt", ergänzt eine Sprecherin des Zentralverbands der Podologen und Fußpfleger Deutschlands (ZFD).



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Weitere Informationen im Internet:

http://www.verband-deutscher-podologen.de
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