Baumeister der FC-Zukunft

Stephan Meier gibt seine Erfahrung an die Jugend weiter, hier beim Training der D-Juniorinnen des FC Vorbach. Kabinenansprachen brauchen die Mädels nicht fürchten: "Das ist für mich Tabu-Zone." In den Halbzeiten schickt er Mütter zu den Mädchen. Bild: edo
Lokales
Vorbach
04.12.2015
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Seit 2008 ist Stephan Meier Jugendleiter beim FC Vorbach. Die Zahl der Nachwuchs-Fußballer hat sich seither mehr als verdoppelt. Dafür hat Meier viel Arbeit in den Verein gesteckt. Als Belastung hat der Bauunternehmer das aber noch nie gesehen.

Aktuell trainiert Meier die D-Juniorinnen, außerdem ist er als Schiedsrichter unterwegs. Für sein Engagement zeichnete der Bayerische Fußballverband den dreifachen Vater Anfang November in München aus. "Im Jahr 2000 spielte mein Sohn Marius in der F-Jugend und ich habe ihn oft zu den Spielen begleitet", erinnert sich Meier an die Anfänge. Eines Samstags war der Übungsleiter verhindert und Meier sprang ein. "Marius ist heute 22 Jahre, aber ich bin immer noch Nachwuchs-Coach", sagt der 50-Jährige. Bis zur C-Jugend betreute er damals das Team, einige von ihnen spielen inzwischen in der Ersten FC-Mannschaft.

Spaß vor Leistung

Meier wirkt streng, aber vom Leistungsprinzip bei den Kleinsten hält er wenig: "Am wichtigsten ist mir, dass sich die Kinder bewegen, Spaß haben und das Miteinander lernen." Eher Pädagoge als Fußballexperte: "Es ist wichtiger, zu trösten oder die Schuhe zu binden, als Taktik-Feinheiten zu schulen." Mit dieser Einstellung mache man sich nicht nur Freunde. "Manch ein zu ambitionierter Trainer musste bei uns schon aufhören", sagt Meier. Solange er am Ruder ist, werde sich daran nichts ändern.

Bei den Schützlingen kommt der Stil an. "Das Training bei Stephan macht Spaß, weil er uns alles erklärt", sagt Sophie von den D-Juniorinnen, bei denen auch Meiers Tochter Marika (11) spielt. 2014 hat er die Mannschaft übernommen. Sie ist eines von zwei FC-Mädchen-Teams. "Im Moment spielen 37 Mädchen bei uns", sagt einer stolzer Stephan Meier. Auch bei den Buben hat der Verein keine Nachwuchssorgen. "Trotz demografischen Wandels haben wir mit 137 Jugendlichen mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren", rechnet FC- Vorsitzender Hans Wiesnet vor. Der Dorfverein kommt völlig ohne Spielgemeinschaften aus, bei den meisten Nachbarn völlig undenkbar. In jeder Altersklasse ist mindestens ein Team vertreten, die B- und A-Jugend spielt im Frühjahr sogar um den Aufstieg in die Kreisliga. "Auch wenn eine Mannschaft mal nicht so stark ist, ist das nicht schlimm. Meine Devise ist, dass alle, die Lust auf Fußball haben, in Vorbach trainieren und spielen können", sagt Meier.

Meiers Erfolg ist im Verein nicht unbemerkt geblieben. Der Bauunternehmer und Gemeinderat wird als Fußball-Spartenleiter gehandelt. Der FC-Bayern-Fan kann sich das schon vorstellen, aber dafür müsste er aber das Jugendleiter-Amt aufgeben. "Daran hängt aber mein ganzes Herz und beides lässt sich zeitlich nicht vereinbaren."

Respekt ist wichtig

Denn Meier hat noch eine Aufgabe, natürlich im Fußball: Vor ein paar Jahren beendete ein Kreuzbandriss nach 39 Jahren die eigene Karriere. 2013 absolvierte er deshalb den Schiedsrichter-Lehrgang, seitdem pfeift er bis zur Kreisklasse in der Oberpfalz und in Oberfranken. Fragt man die Spieler, schätzen sie Meiers respektvollen Umgang. "Niemand ist fehlerlos", weiß er, "aber wenn man den Spielern mit Respekt begegnet, erleichtert es die Aufgabe für den Schiedsrichter." Als Belastung empfindet er seine Ehrenämter nicht. Die Arbeit als Jugendleiter erledigt er am Abend und zum Schiedsrichteramt meint er: "Ob ich als Spieler oder als Schiri unterwegs bin, macht keinen großen Unterschied". Zudem halte er sich so körperlich fit und auch der Geist werde beansprucht. "Seit meiner Verletzung kann ich sonst nicht mehr viel machen und Schwimmen oder Radfahren waren nie meins."

Den wichtigsten Vorteil im Ehrenamt sieht er jedoch als Trainer: "Es ist mir wichtig, Zeit mit Kindern zu verbringen." Dafür kommt er schon mal direkt von der Baustelle in Arbeitsmontur auf den Sportplatz. "Da haben manche schon blöde Sprüche geklopft", sagt er lachend. Dann entgegne er: "Einen guten Trainer macht nicht der Sportanzug aus, sondern dass er den Kindern was beibringt."
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