Kollegen machen die Grätsche

Die Spieler der zehn Novem-Werke weltweit bewiesen auf dem Fußballplatz Ehrgeiz und Biss.
Lokales
Vorbach
30.07.2015
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Sein Gesicht spricht Bände: Von einem Ohr zum anderen zieht sich das Lächeln von Dr. Johannes Burtscher, wenn er von der Novem-WM spricht. Knapp zwei Wochen nach dem Fußball-Turnier ist der Muskelkater weg, die Euphorie ungebremst - bei der Geschäftsführung und den Mitarbeitern. Gibt es eine Wiederholung?

Hinter den Werbebanden auf dem Eschenbacher Sportplatz flattern Nationalflaggen von Honduras im Wind. Tröten dröhnen über das Spielfeld, blau-weiße Cheerleader-Puscheln wippen im Takt. Männer und Frauen in Trikots klopfen rhythmisch mit der flachen Hand auf die Werbeflächen. Das Blech der Banden scheppert. Mit Herzblut feuern die Fans ihr Team auf dem Fußballplatz an. "Sehr gut, Jungs" ertönt es immer wieder auf Spanisch aus der honduranischen Fankurve. Mitarbeiter aus zehn Novem-Werken aus der ganzen Welt tauschten vor rund zwei Wochen die Arbeitskluft gegen Stollenschuhe und Trikots und kickten mit den Kollegen auf der SC-Anlage in Eschenbach (wir berichteten). Die Stimmung bei der internen Fußball-Weltmeisterschaft der Firma war grandios und so schnell wird sie auch nicht vergehen, ist sich Johannes Burtscher sicher. Er ist mit Günter Brenner Geschäftsführer des Unternehmens.

Spontane Idee

Mit der Weltmeisterschaft wollen die beiden die Werke und Kulturen zusammenbringen, die Mitarbeiter sollen sich besser kennenlernen: Egal ob "Werker" oder Leiter und egal aus welchem Land. "Wenn man sich begegnet, dann meistens in der Arbeit", erklärt Burtscher. Durch die WM und das Spielen in Teams versprechen sich die Chefs positive Auswirkungen auf die Arbeit. Die Idee sei während der Fußball-Weltmeisterschaft im Juli 2014 entstanden - spontan beim "Novem-Leadership-Meeting".

Die WM wirkt nach: Die Geschäftsführung erreichen laufend E-Mails und Anrufe aus den Werken in Amerika, Slowenien, Italien, Tschechien und China. "Die Mitarbeiter erzählen, dass sie gut heimgekommen sind und schwärmen von der WM", berichtet Burtscher. Und auch in Vorbach ist das Fußball-Wochenende immer noch Thema. "Es war für uns historisch und ein tolles Event", sagt er. "Die Mitarbeiter und der SC Eschenbach haben sich bei der Organisation reingehängt."

Ein ganzes Jahr dauerte die Planung - schließlich kamen 200 Mitarbeiter von anderen Standorten. Sie mussten von den Flughäfen abgeholt, betreut und untergebracht werden. Die Novem-Verwaltung kümmerte sich um Visa, buchte Flüge, reservierte Hotels. Für die 40 Helfer und das 14-köpfige "Soccer Comittee" um Sabine Plößner und Manuela Geigenmüller bedeutete das neben ihrem Job: viel Arbeit in der Freizeit. "Wir mussten uns um Essen, Parkplätze, Gelände, Zelt, Pokale, DJ für den Abend kümmern", zählt Plößner auf. Am ersten Tag waren für die Feier am Abend 455 Mitarbeiter angemeldet, am zweiten bei den Fußballspielen mit Familienangehörigen 1330 und abends 1375 Gäste. "Im Umkreis von 20 Kilometer hatten wir jedes Bett gebucht", schätzt Burtscher - auf Kosten der Firma. "Alles war perfekt organisiert."

Aus jedem Werk durften 20 Kollegen anreisen. Die Leiter haben die Mitarbeiter ausgesucht. "Es ging natürlich darum, wer Fußball spielen kann, aber vor allem, wer hat sich verdient gemacht." Dabei durfte jeder mit, egal ob Arbeiter an der Maschine oder Gruppenleiter.

Eigene Trainingsanzüge

Mit viel Ehrgeiz trainierten die Spieler Monate vor dem Match. Die Amerikaner ließen sich sogar eigene Trainingsanzüge anfertigen. Es gab Kappen mit den Nationalflaggen der Länder und jede Mannschaft hatte ihr eigenes Trikot. Entsprechend ernst nahmen die Teams auch das Turnier: "Am Abend zuvor sind alle früh ins Bett und haben keinen Alkohol getrunken. Anstoß war um 9 Uhr, um 8 Uhr wärmten sich die Spieler schon auf."

Viele Kollegen - besonders aus China, Mexiko und Honduras - waren zum ersten Mal in Europa. Manche hätten erstmals einen Pass bekommen. Als Erinnerung gab es für jeden ein Mannschaftsfoto, die Trikots und viel Schokolade, die sie bei Trips durch die Oberpfalz kauften. "Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Teams sagen, sie wollen zusammen weiterspielen", meint Burtscher. Eine Wiederholung könne er sich vorstellen - zwar nicht gleich im nächsten Jahr - aber die richtige WM gibt es auch nur alle vier Jahre.
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