Zentrale des Wahnsinns

Gut gefüllt war der Vorbacher Gemeindesaal beim Gastspiel des Kabarettisten Michael Altinger. Bilder: myd
Lokales
Vorbach
27.10.2015
2
0

Umwege scheint er nicht zu mögen. Kabarettist Michael Altinger stand plötzlich auf der Bühne des gut gefüllten Gemeindesaals. Ebenso plötzlich war er drin in seinem Programm "Ich sag's lieber direkt".

Darin fand er sich mitten in Strunzenöd, dem Zentrum des alltäglichen Wahnsinns. Der Träger des Passauer Scharfrichterbeils und des Bayerischen und Deutschen Kulturpreises beleuchtete akribisch die kleinen Dinge des Alltags, zerlegte selbstverständlich hingenommene Verhaltensweisen in Einzelteile, wechselte fast sekündlich zwischen Gefühlslagen wie Freude, Entsetzen, Selbstzufriedenheit, Erstaunen, Furcht und einer lausbubenhaften Spitzbübigkeit, sowie zwischen süffisantem Gesäusel, überzeugend lautem Gepolter und poetisch anmutendem Erzählstil.

Gestenreich und mit ausdrucksstarker Mimik untermalte er die - oft nicht sehr ergiebigen - Pointen, und hatte so doch die Lacher auf seiner Seite. Sein Kollege Martin Julius Faber begleitete ihn bei seinen sporadischen Gesangseinlagen an E-Gitarre und Keyboard. Zusätzlich musste der als Teil des Programms unter anderem als Kinderbuchautor, "leidender Angestellder" einer Brauerei ("da wennst zwei bis drei Halbe hast, fangst an zu halluzinieren") oder als Altglasbläser herhalten. Er ertrug dies mit stoischer Gelassenheit.

Es passiert nichts besonderes in Strunzenöd. Altinger gibt Erläuterungen zum großen Hunger seiner pubertierenden Söhne ("Nahrung wird ja degradiert zum reinen Verbrennungsmaterial") oder verteidigt seine Playboy-Sammlung, die er wohlweislich auf dem Klo in der Plattenhülle versteckt. Er zweifelt an der Sinnhaftigkeit der aktuellen deutschen Popmusik und rechnet mit den seiner Meinung nach drei schlimmsten Kinderbüchern ab.

Zu "Die kleine Raupe Nimmersatt" sagt er: "Bei mir ist angekommen - du wirst mal ein wunderschöner Schmetterling, aber vorher musst du fressen, was dir in den Weg kommt!" Wie erwähnt: In Strunzenöd passiert halt der alltägliche Wahnsinn, den jeder von uns auf die ein oder andere Weise kennt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.