40 Jahre MCO
Männer in Lederjacken

Echte Männer mit Bärten: Zur gepflegten 15-Jahr-Feier im Jahr 1991 wurden die Rasierer von den Mitgliedern des Motorradclubs Oberbibrach geschont.
Vermischtes
Vorbach
01.07.2016
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Mächtig Eindruck machten die Biker - hier Gründungsmitglied Heiner Schatz - mit ihren heißen Öfen auch bei der Damenwelt. Repros: edo (3)

40 Jahre Motorradclub Oberbibrach. Beim internationalen Motorradtreffen am Wochenende feiern die MCOler rund ums Clubheim. Gesprächsthema wird sicherlich auch die bewegte Geschichte des Vereins sein.

Oberbibrach. Heute mag es nicht nachvollziehbar sein, wenn junge Burschen einen Motorradclub gründen. Ist dieses Hobby mittlerweile doch sehr kostspielig geworden. Damals aber galt das Krad noch als günstige Alternative zum Pkw. Außerdem war die kleine Gruppe der motorradbegeisterten Männer, die damals ausschlaggebend für die Vereinsgründung war, auch handwerklich begabt. Seit Anfang der 1970er trafen sie sich in der Werkstatt des Schmieds Herbert Utner und schraubten dort mehrmals in der Woche an ihren DKW- und Rabeneick-Motorrädern. Weiher- und Oktoberfeste ließen die Gruppe immer größer werden und so traf man sich regelmäßig im Oberbibracher Tanzlokal "Quietsch".

Auf der Kegelbahn


Nach dessen Schließung avancierte die alte Kegelbahn zum neuen Treffpunkt. Die Eigentümer, Familie Wiesent, unterstützten das Vorhaben und nach der Renovierung fand am 20. Juli 1976 die offizielle Eröffnung statt. Gleichzeitig wurde der Verein offiziell aus der Taufe gehoben. Heute hat er 143 Mitglieder. Dabei legen sie auch großen Wert auf die Nachwuchsarbeit.

Die Initiative dazu ging von Josef Busch, Hans Stock und Ludwig Utner nach dem Besuch eines Motorradtreffens aus. Im November 1976 wählten die 30 ausschließlich männlichen Mitglieder Josef Busch als ersten Vorsitzenden. Zudem gehörten dem Gründungsvorstand Heinrich Schatz, Hubert Sendetzky, Reinhard Stöckl und Ludwig Utner an. Bereits im Januar 1977 bei der ersten Generalversammlung endete die kurze Zeit der reinen Männerwirtschaft. Auf Initiative von Hubert Sendetzky durften auch Frauen offiziell dem Verein beitreten.

Durch den benachbarten Truppenübungsplatz in Grafenwöhr kamen bald auch vier amerikanische Motorradfahrer hinzu. 1978 erhielt einer der Vier, Sergeant Jeffrey A. Loy, den Marschbefehl zum Standort Wildflecken. Kurz entschlossen initiierte die Vorstandschaft zusammen mit Bürgermeister Hans Hübner eine Petition mit dem Titel "Jeff soll in Grafenwöhr bleiben" und legten sie dem Kommandeur vor. Die Freude über das Gelingen der Unterschriftenaktion war riesig.
Im Sommer 1978 machten sich zehn MCOler zu einer Tour nach England und Schottland auf. In 14 Tagen legten sie 4500 Kilometer zurück.

"Die meiste Zeit hat es geregnet, wir saßen auf unseren Motorrädern und wurden nie richtig trocken", erinnert sich Ludwig Utner. Und weiter: "In Schottland bei einem der großen Seen fanden wir einmal Pilze, die Vorstand Josef Busch daraufhin am Lagerfeuer zusammen mit Eiern zubereitete. Ausgeschaut haben sie wie Eierschwammerl, als aber einige von uns in der darauffolgenden Nacht von schlimmen Bauchschmerzen geplagt wurden, wussten wir, dass es doch keine waren."

1979 organisierte der Verein zum ersten Mal ein eigenes Motorradtreffen. Ein Teil der Bevölkerung hatte jedoch eine Abneigung gegen die Lederjacken tragenden Biker, die zu Hunderten in das beschauliche Dorf kamen und dort für mehrere Tage ihre Zelte aufschlugen.

Auch für Kinder da


"Manche fühlten sich dabei an den Einfall der Hunnen in Europa erinnert", erzählt ein Clubmitglied. Immer wieder organisierte der Verein auch Kinderfeste und engagierte sich für Behindertenheime, Krebsinitiativen und den Naturschutz. 1994 stellte der MCO einen Hilfstransport mit Kleidung, Medikamenten und Nahrung zusammen, den Max Fraunholz und Rudi Huber nach Kroatien fuhren.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts geriet der Verein dann in eine Krise. Die meisten Mitglieder befanden sich im gesetzten Alter und der Nachwuchs fehlte. Zudem lief der Pachtvertrag für das Clubheim aus. "Wir standen also in zweifacher Hinsicht ohne Zukunft da", erinnert sich ein Zeitzeuge. Auf der Jahreshauptversammlung im Januar 2000 entschieden sich die Mitglieder schließlich für den Bau eines eigenen Clubheims in den Bach-Auen am Ortsrand. Außerdem schlossen sich einige Jugendliche an, die zahlreiche Feste organisierten und den Verein wieder für die jüngere Generation attraktiv machten.

Wichtige Entscheidungen


Unter der Regie des damaligen Vorsitzenden Hubert Keck und durch den Einsatz vieler Freiwilliger errichteten die Clubmitglieder das neue Domizil in Eigenleistung - 2003 war Einweihung. Zudem gewährten die erfahrenen Mitglieder der jungen Generation fortan viele Freiheiten bei der Gestaltung des Vereinslebens. "Die damaligen Entscheidungen waren wegweisend", stellt der aktuelle Vorsitzende Gerald Ackerschewski fest: "Wer weiß, ob es den Verein heute noch geben würde."

Das ProgrammSein 40-jähriges Bestehen feiert der MCO an diesem Wochenende im Rahmen des internationalen Motorradtreffens rund ums Vereinsheim. Los geht es Freitag um 19 Uhr mit einem Motorradgottesdienst mit Pfarrer Hartmut Klausfelder aus Neustadt.

Im Anschluss sorgen die drei lustigen Musikanten vom Horrido-Express für Stimmung im "MCO-Stodl". Unter die Haut geht es ab Samstagvormittag, wenn Tätowierer "Schwede" von der "Painfactory" aus Tirschenreuth bis zum Abend Einblicke in seine Handwerkskunst gibt. Einige MCOler haben bereits angekündigt, sich das Vereinswappen auf dem Körper stechen zu lassen.

Ab 16 Uhr wird dann gekartelt. Beim großen Preisschafkopf warten 300 Euro auf den Sieger, sowie weitere Geld und Sachpreise auf alle Teilnehmer. Live-Rock gibt es dann ab 20 Uhr mit der Band "Strange Days". Gegen 22.30 Uhr werden die Gründungsmitglieder geehrt und anschließend die Pokale für die angereisten Motorradclubs vergeben.

Der Sonntag beginnt mit einem Frühschoppen um 10 Uhr, ab 13 Uhr wird der Sieger beim Fußballturnier ermittelt. Fürs leibliche Wohl ist rund um die Uhr gesorgt. "Clubmetzger" Werner Künneth hat sogar eigens eine spezielle Jubiläumswurst kreiert. Zudem gibt es frische Drinks an der Cocktailbar. Der Eintritt ist an allen Tagen frei. (edo)
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