Bürgerversammlung: Werner Roder erläutert finanzielle Lage der Kommune und Gemeindepolitik
Lieber iInvestieren als tilgen

Steigende Geburten und sinkende Schulden: Bürgermeister Werner Roder sieht die Gemeinde Vorbach aufgrund dessen gut gerüstet für die Zukunft. Bild: edo
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Vorbach
29.11.2016
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Der Schuldenstand im Freistaat Bayern ist mit ungefähr 2500 Euro je Einwohner (Mitte 2016) einer der niedrigeren in der Bundesrepublik. In der Gemeinde Vorbach beträgt er sogar weniger als 17 Euro pro Kopf. Dabei lag die Höhe der kommunalen Verbindlichkeiten im Jahr 1998 noch knapp bei einer Million Euro.

Dank "vernünftigen und verantwortlichen Wirtschaftens ist es gelungen, das Defizit auf heute 17 400 Euro zu senken", bilanzierte Bürgermeister Werner Roder in der Bürgerversammlung im Gemeindezentrum. "Darauf können wir gemeinsam stolz sein", wandte er sich an die Zuhörer, darunter auch Gemeinderatskollegen. Sparen dürfe aber nicht zum Selbstzweck werden. "Gemeinden können zwar de facto nicht bankrottgehen, aber durch hohe Schulden handlungsunfähig werden", betonte Roder. Das Geld, das für die Tilgung von Krediten aufgebracht werden müsste, könne stattdessen sinnvoll investiert werden.

In Vorbach wurden allein 2016 knapp 600 000 Euro vor allem zur Verbesserung der Infrastruktur in die Hand genommen, teilte Roder mit. Die größten Posten waren dabei der Radwegebau zwischen Oberbibrach und Münchsreuth sowie die Neugestaltung der Dorfmitte in Vorbach inklusive Dorfladen. Gemeindliche Mittel flossen auch an die Grundschule, den Kindergarten und die örtlichen Vereine, zum Beispiel für den Umbau des Feuerwehrhauses in Oberbibrach und die Anschaffung eines neuen Kippers für den Bauhof.

Zum Bauen und Wohnen


Bereits im Haushalt 2016 wurden weitere 700 000 Euro für den Breitbandausbau - die Bauarbeiten beginnen im nächsten Jahr - ausgewiesen. Für 2017 stellte der Bürgermeister außerdem den Erwerb neuer Baugrundstücke in Oberbibrach (Eisweiher) und Vorbach (Dornäcker) in Aussicht. Neuen Wohnraum in Form von vier bis sechs Wohnungen wolle die Gemeinde auch durch den Abbruch einer leerstehenden Althofstelle in Vorbach schaffen. Zudem sei sie am Kauf des früheren Bahnhofgebäudes interessiert.

Vorerst Abstand nehme die Kommune dagegen vom Bau einer Ringleitung zur Sicherstellung der Wasserversorgung, informierte Roder. Aufgrund der geschätzten Kosten von 2,5 Mio. Euro sei das Projekt den Bürgern nicht darstellbar. Denn auch das mittlerweile 55 Jahre alte Rohrnetz bedürfe einer Erneuerung. "Wir sollten uns in erster Linie darauf konzentrieren", riet Willi Hofmann, der bis 2014 18 Jahre lang dem Wasserzweckverband vorstand. Zudem soll der Tiefbrunnen II saniert werden, weshalb die Gemeinde ein "Nitrat-Monitoring" betreibt, um mögliche Verunreinigungsherde ausfindig zu machen. Planmäßig entwickelten sich die Rücklagen. Ende 2016 betragen diese etwa 1,3 Millionen Euro betragen, merkte der Bürgermeister an - und warnte zugleich vor zu großer Euphorie. Denn aufgrund hoher Gewerbesteuer-Einnahmen im Jahr 2015 falle die Kreisumlage, die die Gemeinde 2017 zu leisten habe, wieder sehr üppig aus. Zudem erhalte sie im nächsten Jahr keine Schlüsselzuweisungen. Des Weiteren sei mittelfristig auch mit einem Ende der derzeit investitionsfreundlichen wirtschaftlichen Lage zu rechnen: "Wir werden daher wie bisher sparsam wirtschaften und dabei stets nach intelligenten Finanzierungsmöglichkeiten suchen."

Jugendbeauftragte gesucht


Im Gemeinderat, betonte der Bürgermeister dann, herrsche ein gutes Einvernehmen: 80 Prozent der Beschlüsse seien einstimmig gefasst worden. Besonderen Dank richtete er an seine Stellvertreter Angelika Thurn und Gerd Retzer.

Auch den beiden ehrenamtlichen Jugendbeauftragten, Magdalena Lautner und Bettina Stickling, dankte er für ihr Engagement und bedauerte, dass beide zum Jahresende aufhören. Die Gemeinde sucht daher Nachfolger. Interessenten sollen sich beim Bürgermeister oder bei den beiden scheidenden Jugendbeauftragten melden. ( Weiterer Bericht folgt )

Mehr Weg- als ZuzügeDie Einwohnerzahl der Gemeinde Vorbach ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Allerdings steht 2016 bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung unter dem Strich ein Plus: Sieben Sterbefälle stehen elf Neugeborenen gegenüber. Der Bevölkerungsrückgang um weniger als ein Prozent von 1041 Einwohner 2015 auf 1031 in diesem Jahr ist folglich durch ein negatives Wanderungssaldo bedingt (31 Zu-, 45 Wegzüge).

Das Landesamt für Statistik prognostiziert bis 2034 für den Landkreis Neustadt/WN einen Bevölkerungsrückgang um bis zu sieben Prozent. Aufgabe der Gemeinde müsse es daher sein, neben Wohnraum auch attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, damit besonders junge Familien hier bleiben oder sich ansiedeln, erklärte Bürgermeister Werner Roder. Arbeitsplätze, Grundschule, offene Ganztagesschule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und ein vielfältiges kulturelles Angebot seien dabei wichtige Faktoren. (edo)


"Wichtigste und verlässlichste Einnahmequelle"Die Einnahmen der Gemeinde liegen im Haushalt 2016 mit circa 3,3 Millionen Euro über den Ausgaben, die etwa 3,2 Millionen Euro betragen. Auf der Einnahmenseite entfiel im Verwaltungshaushalt (gesamt 1,7 Millionen Euro) das Gros mit ungefähr 600 000 Euro auf den Anteil an der Einkommensteuer. Bürgermeister Werner Roder bezeichnete diese "als wichtigste und verlässlichste Einnahmequelle": "Abhängig Beschäftigte - also Angestellte, Arbeiter und Beamte - tragen am meisten zur Finanzierung unserer Gemeinde bei."

Auch Schlüsselzuweisungen und Gewerbesteuer stellen mit jeweils etwa 240 000 Euro große Posten dar. Allerdings sind diese mit Vorsicht zu genießen, da hohe Gewerbesteuer-Rückzahlungen in den nächsten Jahren möglich sind - wie 2011 mit 1,25 Millionen Euro. Ferner erhielt die Kommune knapp 300 000 Euro aus Grundsteuer, Gebühren und Abgaben sowie 70 000 Euro aus Miet- und Pachteinnahmen.

Roder erläuterte nicht zuletzt den ungefähr 1,6 Millionen Euro umfassenden Vermögenshaushalt mit den Umlagen an die Zweckverbände (etwa 330 000 Euro) und die Kreisumlage (294 000 Euro) als größte Ausgaben. Die Personalkosten betrugen 196 500 Euro. (edo)
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