Neues Stück im Museum
Truhe selbst ein Schatz

Konrad Fehr (links) aus Leipzig brachte die 174 Jahre alte Hochzeitstruhe zurück nach Oberbibrach. Den Schlüssel übergab er an Heimatpfleger Sigurd Burucker. Bild: edo
Vermischtes
Vorbach
15.07.2016
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Nach 174 Jahren findet eine Hochzeitstruhe den Weg zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Das gut erhaltene Relikt ist der neue Star im Oberbibracher Dorfmuseum.

Oberbibrach. Als Sigurd Burucker vor einigen Tagen einen Anruf erhielt, konnte er nicht glauben, was ihm der Anrufer da erzählte. Der Grund für sein Erstaunen ist eineinhalb Meter lang, misst in der Breite und Höhe circa jeweils 50 Zentimeter und ist mindestens 174 Jahre alt. Konrad Fehr aus Leipzig bot dem Heimatpfleger eine Hochzeitstruhe, die einst aus Oberbibrach kam. Burucker lud den Leipziger ein und bei Kaffee und Kuchen erfolgte am Wochenende die Übergabe.

Fehr hatte neben der Hochzeitstruhe auch einen Brief seiner Mutter Anna im Gepäck, das Hinweise lieferte. Den ersten Anhaltspunkt gab die Jahreszahl 1842 auf der Truhe. Museumsleiter Burucker fand heraus, dass zwei Besitzerinnen infrage kommen. In dem Jahr heiratete eine Anna Eva Scharf aus Münchsreuth den Oberbibracher Landwirt Georg Schmidt. Vermutlich aber gehörte die Truhe Katharina Sticht aus Tremmersdorf, die 1842 den Schneider Georg Kastner aus Oberbibrach ehelichte. Genau könne man es aber nicht sagen, so der Heimatpfleger. Denn die Kinder aus den beiden Ehen, Kaspar Schmidt und Franziska Kastner, heirateten 1874. "Wahrscheinlich hat Franziska die Truhe von ihrer Mutter bekommen." Als Franziskas und Kaspars jüngster Sohn Joseph 1910 dann nach Greiz in Thüringen auswanderten, bekam er die Truhe von seiner Mutter mit auf den Weg. Im Jahre 1955 zog es Joseph Schmidt nach dem Tod der Ehefrau zurück nach Nürnberg. Die Truhe blieb in Thüringen bei Tochter Anna in Greiz. Als die zwölf Jahre später mit ihrem Mann nach Berching umsiedelte, ging die Truhe weiter an Sohn Konrad in Leipzig, der sie in fünfter Generation besitzt und sie nun an ihren Ursprungsort zurückgebracht hat.

HintergrundBis vor einigen Jahrzehnten zählte die Mitgift noch zum traditionellen Bestandteil einer Eheschließung. Verließ eine Frau das elterliche Haus, um zu ihrem Gatten zu ziehen, erhielt sie von ihrer Familie eine Grundausstattung für den eigenen Haushalt, wie Geschirr, Besteck und Textilien aller Art.

Verpackt und transportiert wurden diese sogenannte "Aussteuer" in einer meist prachtvoll geschmückten Hochzeitstruhe. "Dadurch war alles sicher verstaut, denn besonders in Zeiten, in denen ein Umzug noch mit Kutschen und Pferden bewältigt wurde, musste man sich schon genau überlegen, was man alles mitnimmt", so Sigurd Burucker. (do)

Öffnungszeiten

Eine gute Gelegenheit, das neue Ausstellungsstück im Oberbibracher Dorfmuseum zu bestaunen, ergibt sich am Wochenende. Am Backofenfest-Sonntag, 17. Juli, öffnet das Museum im zweiten Stock der alten Schule ab 15 Uhr seine Pforten. Der Eintritt ist frei. (edo)
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