Vorbacher pilgern seit 130 Jahren alljährlich zur Heiligsten Dreifaltigkeit nach Gößweinstein
Sogar nachts betend in der Kirche

Auf dem Weg der Pilger nach Gößweinstein wird ein Wallfahrtsbild vorangetragen. Auf dessen Vorderseite ist die Krönung Mariens im Himmel durch die Heiligste Dreifaltigkeit zu sehen: Gottvater hält die Weltkugel in der Hand, Christus ist mit dem Kreuz und der Heilige Geist als Taube dargestellt. Die Rückseite zeigt die heilige Anna, wie sie der Gottesmutter Maria das Lesen beibringt. Bilder: flk (2)
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Vorbach
15.09.2016
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Auf dem Weg der Pilger nach Gößweinstein wird ein Wallfahrtsbild vorangetragen. Auf dessen Vorderseite ist die Krönung Mariens im Himmel durch die Heiligste Dreifaltigkeit zu sehen: Gottvater hält die Weltkugel in der Hand, Christus ist mit dem Kreuz und der Heilige Geist als Taube dargestellt. Die Rückseite zeigt die heilige Anna, wie sie der Gottesmutter Maria das Lesen beibringt. Bilder: flk (2)

Der verheerende Dorfbrand vom 4. November 1880, bei dem innerhalb von drei Stunden 20 Wohn- und ebenso viele Nebengebäude vernichtet und 25 Familien obdachlos wurden, dürfte der Ursprung gewesen sein: Wohl auf dieses Ereignis hin gelobten die Vorbacher jedes Jahr eine Wallfahrt nach Gößweinstein. Seit 1886, also seit 130 Jahren, machen sie sich nun auf den Weg zur Heiligsten Dreifaltigkeit.

Für den Termin der Wallfahrt gibt es eine etwas ungewöhnliche Regelung: Gepilgert wird immer am Samstag vor dem dritten Sonntag im September. Zusammen mit den Vorbachern machen sich stets auch viele Oberbibracher auf den Weg.

Anfangs wurde die erste Strecke von Vorbach bis Pegnitz mit dem Zug zurückgelegt. Dort begann die Fußwallfahrt und führte, wie heute noch, über Pottenstein nach Gößweinstein. Bis in die 1960er Jahre blieben die Pilger bis zum Sonntagmorgen dort. Einige verbrachten sogar die Nacht in der Kirche, beteten und schliefen manchmal auch auf den harten Kirchenbänken ein. Die meisten Wallfahrer übernachteten aber in Wirtshäusern oder Privatquartieren. Dass es an diesen Abenden auch zünftig zuging, liegt auf der Hand.

Angst vor Gendarm


Am Sonntagfrüh feierten die Vorbacher das Wallfahrtsamt, ehe sie sich auf den Weg zurück nach Pegnitz machten. Seit den 1960er Jahren wird bereits am Samstagabend das Wallfahrtsamt gefeiert, anschließend kehrt die Gruppe mit Bussen zurück.

Während des Zweiten Weltkrieges waren zwar Wallfahrten verboten, aber die Vorbacher hielten an ihrer Tradition fest: Trotz Verbots pilgerten sie nach Gößweinstein. Alfons Wiesend aus Oberbibrach weiß über diese Zeit folgendes zu berichten: "Ich war zusammen mit dem Scharf-Sepp am Samstagfrüh zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof nach Vorbach. Plötzlich brauste von hinten ein Motorrad heran. Wir fürchteten, dass es ein Gendarm ist - was sich auch bestätigte. So warfen wir uns in den Straßengraben, um nicht entdeckt zu werden. Als wir weitergingen, fürchteten wir, dass der Gendarm die Wallfahrt verbieten würde. Am Bahnhof stand dann tatsächlich der Polizist, doch er ließ uns Wallfahrer zu unserer aller Erleichterung unbehelligt."

Bereits Mitte der 1960er Jahre übernahm Adolf Meier die Wallfahrtsleitung von seinem Vater Andreas. Dessen Vorgänger wiederum war Johann Baptist Biersack. Seit 1987 macht sich ein Teil der Wallfahrer bereits kurz nach Mitternacht auf den Weg, um auch die 20 Kilometer von Vorbach bis Pegnitz zu Fuß zu gehen.

Heute AnmeldeschlussDie Wallfahrt nach Gößweinstein findet heuer am Samstag, 17. September, statt. Anmeldungen nimmt nur noch heute, Donnerstag, Wallfahrtsleiter Adolf Meier, Telefon 09205/1500, entgegen. Auf dem Weg wird eine junge Bläsergruppe aus Vorbach die Pilger begleiten. Das Wallfahrtsamt zum Jubiläum beginnt um 17 Uhr und wird von Abt Hermann Josef Kugler zelebriert. Musikalisch wird der Gottesdienst vom Kirchenchor Vorbach und einer Bläsergruppe der Eschenbacher Stadtkapelle umrahmt. (flk)


140 Gruppen jährlichWallfahrten nach Gößweinstein reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert waren die Pilger so zahlreich geworden, dass der Grundstein für ein neues Gotteshaus gelegt wurde. Die Kirche wurde von Balthasar Neumann geplant und gebaut.

Gößweinstein ist heute der größte Dreifaltigkeitswallfahrtsort Deutschlands und geistliche Mitte der Fränkischen Schweiz. Jährlich kommen rund 140 Wallfahrergruppen. Das Einzugsgebiet reicht im Westen bis Großlangheim, im Osten bis in die Oberpfalz und in Nord-Südrichtung von der Linie Bad Kissingen, Kronach und Coburg bis in den Raum südlich von Nürnberg und Neumarkt in der Oberpfalz. (flk)
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