Wasserzweckverband Vorbach
Probleme mit dem Brunnen

"Die Auffälligkeiten haben wir im Griff", sagt Werner Roder zur Trinkwasserqualität in Vorbach. Archivbild: Hartl
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Vorbach
30.06.2016
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Der Wasserzweckverband Vorbacher Gruppe mit den Gemeinden Vorbach und Schlammersdorf hat ein Nitratproblem. Trotzdem besteht kein Grund zur Panik, sagt Verbandsvorsitzender Werner Roder. "Die Auffälligkeiten haben wir im Griff."

Vor allem die Nitratwerte im Tiefbrunnen II mit manchmal über 50 Milligramm pro Liter machen Sorgen. Nach der Trinkwasserverordnung beträgt der Grenzwert 50 Milligramm pro Liter. Die natürliche Belastung des Trinkwassers liegt unter 10 Milligramm. Mit einem Wassermix aus beiden Tiefbrunnen erreicht die Vorbacher Gruppe verträgliche Nitratkonzentrationen.

Freiwillige Vereinbarungen mit den Bauern zur nitratarmen Feldbewirtschaftung - kombiniert mit Ausgleichszahlungen - reduzierten bisher die Nitratwerte nicht nachhaltig, bedauerte Werner Roder in der Verbandsversammlung im Gemeindezentrum Vorbach. Besonders das Wasser des Tiefbrunnens II erweise sich jeweils zu Pumpbeginn als Sorgenkind. Bei längerem Pumpbetrieb werde ein verträglicher Wert erreicht.

Diese Entwicklung und das Auslaufen der wasserrechtlichen Erlaubnis zur Grundwasserförderung zum Jahresende veranlasste den Bürgermeister zu einem "runden Tisch" mit Vertretern der Abteilung Gesundheitswesen des Landratsamtes und des Wasserwirtschaftsamtes. Basierend auf Empfehlungen von Fachleuten schlug Roder ein Nitrat-Monitoring durch das Fachbüro Piewak aus Bayreuth vor. Geplant sind zunächst für ein Jahr monatliche Beprobungen beider Tiefbrunnen. Gleichzeitig sei von den Fachbehörden für diese Zeit ein Verzicht auf die Wasserförderung aus Brunnen II angeregt worden. Mit diesen Maßnahmen möchten die Fachleute Erkenntnisse zu den Grundwasserströmen gewinnen Gleichzeitig könnte die Erneuerung des Sperrrohres im Tiefbrunnen II das Einströmen nitratbelasteten Grundwassers verringern.

Weitere Überlegungen gibt es zur Erneuerung der tieferliegenden Rohrsysteme und des Brunnenkopfes mit geschätzten Kosten bis zu 400 000 Euro. Auch eine endgültige Stilllegung des Brunnens II würde Kosten verursachen, bemerkte Roder und verwies auf die Gefährdung der Versorgungssicherheit, wenn der Verband nur noch aus einem Tiefbrunnen Wasser fördern könne. Das dritte Standbein der Notversorgung durch die Creußener Gruppe könne nur kurzfristig beansprucht werden.

Die Verbandsmitglieder folgten dem Vorschlag zum Nitrat-Monitoring und zur Einholung eines Honorarangebotes für ein Gutachten zur Bewertung der künftigen Nutzung des Tiefbrunnens II einstimmig. Roder kündigte zudem eine Anpassung der bisherigen Schutzgebietsverordnung an. Diese enthalte derzeit kein Verbot für Gülleeinträge. Dies werde jedoch nicht sofort geschehen.

Roder stellte außerdem ein Alternativ-Konzept für einen neuen Brunnen vor. Dann müsste allerdings bei geschätzten Kosten bis zu 600 000 Euro ein neuer Standort gefunden und durch eine Schutzgebietsausweisung gesichert werden. Auch eine zusätzliche Wasserleitung zwischen Brunnen und Hochbehälter würde erhebliche Kosten verursachen. Unverzichtbar sind für Roder allerdings langfristig der Bau einer Ringleitung und die Erweiterung des Hochbehälters. Dafür gebe es jedoch keine Unterstützung von Seiten des Staats.

Zudem informierte Roder über den Zustand des Wasserwerkes: "Die Versorgungsanlage befindet sich in einem hygienisch einwandfreien Zustand." Zur Lagerung von Ersatzteilen im künftigen Lagergebäude der Gemeinde Vorbach kündigte Roder ein Pachtverhältnis mit einer monatlichen Miete von 50 Euro an. Die Kosten für die Erneuerung einer schadhaften Wasserleitung, zweier Hausanschlüsse und eines Hydranten am Kirchplatz in Vorbach bezifferte er auf circa 18 000 Euro.

Einverstanden war das Gremium mit der Bevollmächtigung des Verbandsvorsitzenden, nach der Submission die Baumaßnahmen an den wirtschaftlichsten Bieter zu vergeben. Die Versammlung genehmigte ferner eine Sondervereinbarung mit Lucia Rieger aus Menzlas für einen überlangen Wasseranschluss von der Hauptleitung zur Hofstelle. (Hintergrund)

Hintergrund"Ich trinke zu Hause stets nur das gute Vorbacher." Werner Roder, Bürgermeister und Vorsitzender des Wasserzweckverbandes Vorbacher Gruppe, schwärmt von seinem "Vorbacher". Das Tiefenwasser der Brunnen brauche keine Aufbereitung, das ist in der Region äußert selten, betont Roder.

Deshalb liege der Wasserpreis des Zweckverbandes seit Jahrzehnten konstant bei 1,12 Euro netto. Roder vergleicht diesen Preis mit dem von Mineralwasser: "Das kostet im Supermarkt bis zum 600fachen, aus unseren Wasserhähnen kostet der Liter 0,12 Cent." Dabei seien die hygienischen Anforderungen an "Mineralwasser" niedriger als an das Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorger.

Bemerkenswert nennt der Bürgermeister auch die sogenannte Schüttung der beiden Tiefbrunnen. Seit 1963 kann sich der Verband auf die konstant gute Förderung aus dem Brunnen I verlassen. Fast 90 000 Kubikmeter jährlich entnehmen die Wasserwarte und mischen es mit Trinkwasser des zehn Jahre jüngeren Brunnens II. Im Mischungsverhältnis von 2:1 bleibt die Nitratbelastung des "Vorbacher Tropfens" deutlich unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung, versichert Roder.

Dennoch müsse alles unternommen werden, die Nitratwerte der zweiten Trinkwasserquelle mittelfristig weiter zu reduzieren. Als Problem stelle sich dabei die Lage des Brunnens direkt neben landwirtschaftlichen Nutzflächen dar. Der Brunnenstandort I liege dagegen im "sicheren" Waldgebiet des "Katzenbuckel". (do)
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