Bürgerläden gegen Strukturwandel
Zukunft im Sortiment

Bank ging, Laden kommt: In den nächsten Wochen stellen die Schwarzenbacher die ersten Weichen auf dem Weg zum Dorfladen. Bild: bjp
Wirtschaft
Vorbach
21.05.2016
157
0
 
Bank ging, Laden kommt: In den nächsten Wochen stellen die Schwarzenbacher die ersten Weichen auf dem Weg zum Dorfladen. Bild: bjp

Der Landkreis Neustadt liegt bayernweit an der Spitze, leider: Nirgendwo dünnt die Nahversorgung schneller aus. Zwei Gemeinden im Landkreis Westen gehen das Problem an - nicht nur wegen den Einkaufsmöglichkeiten.

/Schwarzenbach. Für Werner Roder steht die Ausschreibung an, bei seinem Schwarzenbacher Kollege Thorsten Hallmann geht es um Förderanträge für ihren Bürgerladen: Die Bürgermeister mussten nicht erst auf eine Anfrage im Landtag warten, um zu wissen, dass ihre Dörfer ein Problem haben in Sachen Nahversorgung. In der Gemeinde Vorbach schloss der letzte Lebensmittelmarkt 2014, in Schwarzenbach gibt es seit 2009 nichts mehr zu kaufen. Damals machte der Gemischtwarenladen dicht - nun soll er als kommunales Projekt auferstehen. "Ich glaub nicht an den großen Investor für Schwarzenbach", erklärt Hallmann. Auch Roder ist überzeugt, dass ein Bürger- oder Dorfladen der sinnvollste Weg ist, seinen Bürgern vor Ort eine Einkaufsmöglichkeit zu bieten. In Schwarzenbach soll der Laden Mitte 2017, in Vorbach schon Anfang des Jahres öffnen.

Beiden geht es dabei nicht nur ums Einkaufen. Roder möchte seinem Ort einen neuen Mittelpunkt geben. Deshalb sollen vor dem Markt in Vorbach Sitzmöglichkeiten entstehen. "Zudem planen wir einen kleinen Spielplatz", erklärt Roder. Auch Hallmann hofft auf neues Leben im Ort: "Wir haben in den letzten Jahren 1,5 Millionen ins Zentrum investiert", rechnet er vor. Aber mit neuen Straßen komme das Leben nicht zurück. "Dafür brauchen wir Geschäfte."

Beide Kommunen lassen sich die dörfliche Wiederbelebungsmaßnahme eine Menge kosten. In Vorbach entsteht ein neues Gebäude, mit Einrichtung und der Gestaltung des Umfelds wird die Gemeinde 750 000 Euro bezahlen. Die Umsatzsteuer kann sich der Laden zurückholen. Dank Städtebaumitteln und Leader-Förderung bleibt deshalb wohl weniger als die Hälfte der Kosten bei der Gemeinde. In Schwarzenbach steht die frühere Raiffeisenbank leer. Für Umbau und Einrichtung rechnet Hallmann mit rund 100 000 Euro, der jährliche Umsatz soll bei 380 000 Euro liegen. "Damit könnten wir leben." Auch Roder macht sich ums Ökonomische keine Sorgen. "In Bayern sind in den letzten fünf Jahren gut 100 Bürgerläden entstanden. Die allermeisten funktionieren gut."

Beide Bürgermeister haben mehrere Jahre Arbeit investiert, beide bereuen es nicht und beide sehen eine Voraussetzung, die unbedingt erfüllt sein muss: "Die Bürger müssen den Laden wollen". Mit den Fördermöglichkeiten sind Roder und Hallmann zufrieden, auch wenn der Schwarzenbacher findet, ein eigenes Förderprogramm wäre sinnvoll. Bislang müsse man die Mittel aus verschiedenen Programmen zusammensuchen. "Allerdings bietet das Amt für Ländliche Entwicklung gute Unterstützung", sagt Roder. Ihn stört etwas anderes: Die Gemeinde würde gerne einen Verein als Träger sehen, in anderen Bundesländern geht das, in Bayern nicht. In Vorbach wird es deshalb einen Regiebetrieb unter Leitung der Kommune geben. In Schwarzenbach ist eine UG geplant, eine abgespeckte Form der GmbH, an der sich Bürger beteiligen können.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.