BMWs natürliche WAA-Kühlung

Der Landrat als Luftschrauber an der Gedenktafel: Thomas Ebeling (CSU) vermittelte den Kompromiss zwischen den Kreistagsparteien. Bilder: Herda/Götz
Archiv
Wackersdorf
12.11.2015
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Der Mann, der für den Widerstand gegen die WAA steht wie keine Gedenktafel, ist verhindert. Alt-Landrat Hans Schuierer (SPD) ist bei der Enthüllung des "Zeitdokuments" am ehemaligen Bauzaun nicht dabei - wegen Urlaubs.

Dass hier einmal bürgerkriegsähnliche Zustände tobten, ist dem Standort nicht zu anzusehen. Die etwa 150 mal 100 Zentimeter große Schautafel zwischen zwei Holzpfosten würde man auf den ersten Blick für eine Ankündigung halten: "Hier baut für Sie ...". Dabei handelt es sich um das Gegenteil. Hier baute der Freistaat keine WAA, weil die Bevölkerung etwas dagegen hatte. Bemüht neutral steht darüber "Das Projekt Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (WAA)" und darunter eine Chronologie mit den wichtigsten Etappen des Bauvorhabens und dem Widerstand dagegen.

Das Infostandbild ist der kleinste gemeinsame Nenner der Parteien im Kreistag. Ein Gedenkpark war schon einmal im Gespräch, SPD, ÖDP und Junge Wähler hatte einen Gedenkpfad favorisiert. CSU und Freie Wähler waren dagegen und auch die betroffenen Unternehmen wenig begeistert von einem Bauzaun-Tourismus am Werksgelände. Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) vermittelte den Kompromiss. Deshalb darf er das flache Denkmal jetzt auch enthüllen - eine Aufgabe, bei der ihm der Wind zuvorkommt.

Vom Winde verweht

Kein Problem, Ebeling hat einen Plan B parat: "Als Notprogramm habe ich einen Akkuschrauber", den er für das Pressefoto gegen die Inbusschraube hält. "Der Kreistagsbeschluss war einstimmig", freut er sich über den Beschluss, "dass wir eine Gedenktafel an der Stelle anbringen, wo man auch noch die zwei Gebäude der WAA sehen kann." Der Inhalt orientiere sich an einer zweiten Tafel in der Bodenwöhrer Senke und ein ähnlicher Text könne auch im Museum Wackersdorf nachgelesen werden.

"Die Gemeinde Wackersdorf hat einiges getan, um dieses Zeitdokument sichtbar zu machen", philosophiert Bürgermeister Thomas Falter (CSU). In enger Kooperation mit den Firmen habe man den sehr gut geeigneten Standort vor dem BMW-Gelände in der Karl-Rapp-Straße 16 gewählt. "Das ist hier auch für Busreisen geeignet, weil man hier gut halten kann. Die Tafel im Gewerbegebiet als WAA-Tourismus-Magnet?

"Die Geschichte der WAA ist noch immer präsent", blendet Thomas Dose, BMW-Standortleiter im Innovationspark Wackersdorf nur kurz zurück, ehe er die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens skizziert - ein kleines Wirtschaftswunder, das es ohne Baustopp nicht gegeben hätte. "Im Dezember 1989 hat die BMW AG das Gelände übernommen, 1991 wurden bereits erste Cabrios produziert mit 250 Mitarbeitern." Danach sei es rasant aufwärts gegangen. 1998 eröffnete man den Innovationspark mit den drei Säulen Auswärtsversorgung, Cockpit- und Carbonfertigung. Heute böte der Standort über 3000 Arbeitsplätze, der Konzern habe hier 250 Millionen Euro investiert.

Der Vorschlag für den Gedenk-Standort "zwischen den WAA-Stahlkolossen, den Hallen 80 und 20", kommt nicht von ungefähr von BMW: "Das ehemalige Brennelementeeingangslager beherbergt unsere Carbon-Fasern", sagt Dose, "unsere neueste Technologie." Die Kohlefasern dürften nicht zu warm werden. So liefert die alte WAA-Technologie unfreiwillig doch noch einen Beitrag zur nachhaltigen Produktion: "Durch die natürliche Kühlung sparen wir Energie." Und das Carbongelege, das im i3, dem i8 auch im neuen 7er eingesetzt werde, reduziere das Gewicht um 130 Kilogramm. "Das kommt der Energieeffizienz zugute."

Wäre heute Zwischenlager

Was wäre wenn, die WAA, Franz Josef Strauß' atomare Vision, doch wahr geworden wäre - vor allem nach dem Atomausstieg und der Suche nach einem Endlager? "Wackersdorf wäre ein Zwischenlager geworden", sagt Hans Schuierer unserer Zeitung. "Das hätte eine Verödung der mittleren, heute kann ich sagen der ganzen Oberpfalz bedeutet."

Nach Einschätzung des Altlandrats hätte die Region massiv an Einwohnern verloren. Damals im WAA-Untersuchungsausschuss sei Schuierer gefragt worden, wie er dazu komme, so etwas zu behaupten. Seine Antwort: "Ich behaupte gar nichts, die Zahlen stehen im Statistischen Jahrbuch." Mehr als 5000 Einwohner seien damals aus dem Landkreis Schwandorf weggezogen. Nach dem Baustopp sei der Zuzug sprunghaft angestiegen. "Heute ist Schwandorf der Landkreis mit dem höchsten Freizeit-, Erholungs- und Wohnwert in ganz Bayern."
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