Der Standortleiter des BMW-Innovationsparks stammt aus dem hohen Norden und ist ein Fan der ...
"Eine echte Aufsteigerregion"

Lokales
Wackersdorf
19.12.2014
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Drei Schwerpunkte machen den BMW-Innovationspark heute unverzichtbar innerhalb der BMW-Group. Das erläutert Standortleiter Thomas Dose im Interview - und warum er ein Fan der Oberpfalz ist.

Herr Dose, im neuen Standortfilm heißt es, Wackersdorf sei für BMW der Nabel, ja sogar das Herz der Welt. Was macht den Innovationspark so besonders, wo liegen die Kernkompetenzen?

Thomas Dose: Der Innovationspark Wackersdorf hat drei Schwerpunkte, die für die BMW Group von großer Bedeutung sind: Im Bereich der Interieurkomponenten versorgt Wackersdorf mehrere BMW-Werke mit Sitzen und Cockpits. Würde Wackersdorf nicht liefern, müsste andernorts die Produktion stoppen. Im Bereich Carbon ist Wackersdorf wichtiges Bindeglied in der Prozesskette. Das Ausgangsmaterial kommt aus den USA, wird in Wackersdorf verarbeitet, und die Carbon-Stacks werden dann in Landshut und Leipzig zu Karosserieteilen für die BMW i Modelle weiterverarbeitet.

Und nicht zuletzt ist Wackersdorf die logistische Drehscheibe für die BMW Auslandswerke. Einerseits wird von hier aus die Teileversorgung von zehn BMW Standorten auf fünf Kontinenten koordiniert, und andererseits verschicken wir hier täglich an die 60 Container mit Fahrzeugteilen für die Montagewerke in Übersee.

Der BMW-Standort Wackersdorf hat sich in den vergangenen 25 Jahren immer wieder neu erfunden. Wo sehen Sie den Innovationspark in den kommenden Jahren?

Die Automobilindustrie hat sich zuletzt massiv verändert, denken wir nur an neue Materialien, effizientere Produktionsprozesse und auch im Hinblick auf neue Absatzmärkte oder die Verlagerung von Produktionsstätten. Dies wird vermutlich auch in Zukunft so bleiben - und sicher auch den Standort Wackersdorf betreffen. Ich bin aber überzeugt, dass wir jede Veränderung aktiv annehmen und immer die passende Lösung für den Standort finden werden.

Standorte stehen innerhalb der BMW-Group auch in Konkurrenz zueinander. Was hat Wackersdorf, was andere BMW-Standorte nicht haben?

Wackersdorf hat einen großen Vorteil: seine Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Weil nie final festgelegt wurde, was am Standort produziert werden sollte, wurde immer flexibel reagiert: Von der Karosseriefertigung über den Lieferantenpark bis hin zur Carbonverarbeitung oder dem Schwerpunkt auf Logistik - Wackersdorf kann vieles! Und diese Fähigkeit, neue Dinge positiv zu sehen und aktiv zu gestalten, ist eine wichtige Kompetenz.

Sie betonen bei vielen Gelegenheiten die gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus und Bürgermeister Thomas Falter. Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

In der Tat hat die Gemeinde Wackersdorf immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen, das ist ein echtes Plus des Standorts. Beispielsweise haben wir in der ersten Jahreshälfte eine neue Halle errichtet, zwischen Spatenstich und Fertigstellung lagen gerade einmal 20 Wochen. Das gelingt nur, wenn auch bei den behördlichen Genehmigungen alles rasch klappt.

Wir sind gerade dabei, die Organisation der Feuerwehr-Versorgung im Innovationspark und im gesamten Industriegebiet zu verändern - auch hier arbeiten wir eng mit der Gemeinde zusammen. Und nicht zuletzt arbeiten wir mit der Gemeinde permanent an der Verbesserungen der Verkehrsanbindung des I-Parks.

Im Innovationspark produziert nicht nur BMW, sondern es fertigen auch viele Zulieferfirmen. Welche Bedeutung haben die Partner für den Standort?

Die Partnerfirmen sind sehr wichtig für den Standort und machen ihn erst zum Innovationspark. Sie bilden - gemeinsam mit dem jeweiligen BMW Fachbereich - ein erfolgreiches Tandem. Beispielsweise teilen sich BMW und Recticel die Halle zur Cockpit-Produktion. Recticel liefert die Cockpit-Formhäute, die von BMW eingearbeitet werden. Ähnlich ist es bei der Carbonverarbeitung. SGL ACF liefert die Gelege, die dann von BMW zu Stacks weiterbearbeitet werden. Und man darf nicht vergessen, dass bei den Partnerfirmen auch an die 1 500 Menschen beschäftigt sind, rund die Hälfte der I-Park-Belegschaft.

Herr Dose, Sie stammen aus dem hohen Norden, sind seit eineinhalb Jahren in Wackersdorf. Wie war der Empfang? Was schätzen Sie an den Oberpfälzern?

Ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden, die Oberpfälzer sind viel offener, als man vermutet. Und die Menschen haben einen guten Charakter: ehrlich, pragmatisch, lösungsorientiert, fleißig und innovativ.

Nicht umsonst sind hier eine Reihe von erfolgreichen Firmen entstanden, sogenannte hidden champions. Sie machen nicht viel Aufhebens um sich selbst, sind aber zu Weltmarktführern auf ihrem Gebiet aufgestiegen. Das liegt in erster Linie an den Menschen hier. Die Oberpfalz ist eine echte Aufsteigerregion, das ist schon beeindruckend.
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