Eine Mass und starke Sprüche

Walter Buttler kehrte am Samstag auf die Wackersdorfer Starkbierbühne zurück.
Lokales
Wackersdorf
09.03.2015
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Er ist zurück auf dem "Wackersdorfer Nockherberg". Walter Buttler hatte zuletzt der Geistlichkeit den Vortritt gelassen. Nach dem Wegzug von Pfarrer Hubert Bartel holte ihn die Interessensgemeinschaft der Vereine zurück auf die Bühne. Das "Derblecken" hat er nicht verlernt.

Beim traditionellen Starkbierfest am Samstag in der ausverkauften Sporthalle "derbleckte" der Kulturreferent der Gemeinde nicht nur die zahlreich erschienene Politprominenz, sondern nahm auch die Vereinsvertreter in und um Wackersdorf aufs Korn.

Ein Erdrutsch

Mit Starkbier, Musik der "Hofdorfer Buam" und Gstanzln vom "Waldler Hermann" waren die 650 Gäste "vorgeglüht" , als der Starkbierredner unter großem Beifall die Bühne betrat. Walter Butler gönnte sich zuerst einen kräftigen Schluck aus dem Masskrug, ehe er zu seiner 90-minütigen Fastenpredigt ansetzte. 2014 hat er als "wechselvolles Jahr" in Erinnerung: Der Pfarrer, der Kaplan, der Rektor, der Hottner Sepp und der Dobler Schorsch sind nicht mehr da. Nicht zu vergessen der politische Erdrutsch im Landkreis, in Schwandorf, Steinberg und im Städtedreieck. Den Bürgermeister der Nachbargemeinde Steinberg am See kennt Walter Butler mittlerweile. Aber zuvor: "Da war der Scharf Jackl öfter in Rom als der Bemmerl in Wackersdorf". Und zum Campingplatz am Steinberger See hat der Starkbierredner seine eigene Meinung: "Den werden wir alle, die wir hier sitzen, nicht mehr erleben". Buttler schlägt die Änderung des Ortsnamens vor, von "Steinberg am See" zu "Steinberg am Erdaushubhaufen".

Der Redner lästert über die neuen Autokennzeichen der Altlandkreise, fordert aber gleichzeitig ein eigenes für Wackersdorf: "Da wär' ich sofort dabei". Dem Jäger Alfred würde er den Ehrentitel Altbürgermeister gönnen und dem Dobler Schorsch dem des Altwasserwartes. Walter Buttler mahnt die Gemeinderäte zur "Kleiderordnung", nach dem Vorbild der drei Bürgermeister: "Die tragen immer eine Krawatte". An der Eintracht im Wackersdorfer Gemeinderat sollten sich die anderen Kommunen ein Beispiel nehmen: "16 Tagesordnungspunkte in einer Stunde abgearbeitet, das ist Weltrekord".

Immer wieder sucht der Redner das Zwiegespräch mit dem Pfarrer, "der schlank, sportlich und bunt am Altar steht, wenn ihn der Weihrauch gerade nicht verdeckt". Als Nachfolger von Hubert Bartel auf der Starkbierbühne kann er sich den "Vegetarier" allerdings nicht vorstellen. Ein paar Stühle weiter sitzt der Landrat, dem Walter Buttler bewusst macht: "Als Richter hatten Sie das letzte Wort, als Landrat treten sie die Diskussion erst los".

Dorf-Charakter bewahren

"Wackersdorf ist spitze", ruft Walter Buttler in den Saal. "Auch beim schnellen Internet". Er hat sich jetzt auch an die Datenautobahn anbinden lassen und gleich einen neuen Computer gebraucht. Zum Schluss wird der Kulturbeauftragte der Gemeinde ernst und mahnt die Räte, den Bogen nicht zu überspannen, nicht alles zuzubetonieren, den "dörflichen Charakter von Wackersdorf" zu bewahren und darauf zu achten, "dass der Bäcker, der Metzger und der Edeka-Markt hierbleiben". Stehende Ovationen der Zuhörer bestätigten den Redner: Er hatte seine Sache gut gemacht.
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