Pfarrer Joachim von Kölichen spricht beim Wackersdorf-Treff über Indien
"Nur sehr Reiche und Arme"

Pfarrer Joachim von Kölichen (rechts) informierte beim "Wackersdorf-Treff" der evangelischen Kirchengemeinde auf Einladung seines Kollegen Arne Langbein (links) über seine Zeit in Indien. Bild: doa
Lokales
Wackersdorf
08.11.2014
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"Wir lebten dort in einer Blase." So zumindest hat Pfarrer Joachim von Kölichen seine Zeit in Indien empfunden. Mit "wir" meinte er die Deutschen, die er dort geistlich betreute - typische Mittelschichtfamilien. "Aber in Indien gibt es keine Mittelschicht, nur sehr Reiche und Arme." Was an dem Subkontinent noch ungewöhnlich ist, erläuterte der Pfarrer beim "Wackersdorf-Treff" der evangelischen Kirchengemeinde.

Heute ist Joachim von Kölichen in der Pfarrei der Paulanerkirche in Amberg tätig. Die sechs Jahre davor aber, von 2007 bis 2013, war er Auslandspfarrer für die deutschsprachige protestantische Kirchengemeinde in Nordindien mit Sitz in Neu Dehli. "Aber die Gemeinde war über das ganze Land verstreut." Was immer wieder lange Inlandsflüge notwendig machte, um die wenigen Protestanten zu erreichen. "Ungefähr 800 deutsche Protestanten" würden in Indien leben und arbeiten, so von Kölichen - Ingenieure, Diplomaten, Angestellte.

"Rassismus ist ein Riesenthema in Indien", hat der Pfarrer festgestellt. Nicht, dass die Deutschen davon betroffen wären, aber die indische Gesellschaft sei ins sich sehr rassistisch. "Das einzige Land, wo Inder wirklich verfolgt werden, ist Indien", brachte er es auf den Punkt. Die dort lebenden Europäer hingegen würden zwar unterwürfig behandelt, "aber sie verachten uns abgrundtief". Betroffen davon seien oft die Frauen der Ausländer, die sich im täglichen Leben nur schwer gegen indische Männer durchsetzen könnten.

Nicht nur der indische Rassismus verunsicherte von Kölichen, auch der Umgang der Inder mit ihren Frauen. "Gegen sie findet ein Krieg statt", hat er beobachtet und er schilderte den Zuhörern Beispiele grausamer, aber alltäglicher Attacken auf Frauen und Mädchen.

Wegweisende Projekte

Natürlich hatte der Pfarrer auch mutmachende und wegweisende Projekte parat, auf die er hinweisen konnte - zum Beispiel das "Sunshine Project", das von der Lufthansa finanziell unterstützt werde, die "Shanti-Leprahilfe" oder auch die Stiftung "Acid Survivors" für Menschen, die Säure-Attentate ihrer Familie oder Nachbarschaft überlebt haben. Alles Einrichtungen, die mit wenig Verwaltung viel Gutes erreichen würden.
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