Von Kohle zu Carbon

Lokales
Wackersdorf
06.12.2014
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Braunkohle, Wiederaufarbeitungsanlage, BMW-Ansiedlung: Die drei Eckpunkte setzt Bürgermeister Thomas Falter für die Entwicklung Wackersdorfs zum "Spitzenstandort". Es ist auch die Geschichte des erfolgreichen Strukturwandels in der Region.

Nur einen Steinwurf weit entfernt von der Halle, in der heute Gelege aus Kohlefaser produziert werden, spannte Falter am Donnerstag beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des BMW-Standorts (wir berichteten) einen weiten Bogen. Vom ersten Braunkohle-Fund im Jahr 1800 über die Gründung der Bayerischen Braunkohlenindustrie (BBI) 1906 bis hin zum "Wunder von Wackersdorf".

Drei Buchstaben

Die Wackersdorfer verlegten sogar ihr ganzes Dorf, um die Tagebaue zu erweitern. Gut 75 Jahre lang sorgte der Braunkohleabbau für Arbeit und Brot. Bis die BBI 1982 ihre Tore schloss - und die Region in eine Krise stürzte. Für Falter beginnt anschließend die zweite Ära, die den Ort prägen sollte: "Die Buchstaben WAA machten den Namen Wackersdorf weltweit berühmt."

Viele Bürger hätten das Projekt mit Hoffnungen auf neue Jobs verbunden. "Es war aber auch ein Projekt, das von Anfang an umstritten war und das in unserem Ort, im Landkreis und darüber hinaus tiefe Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern entstehen ließ", sagte Falter.

Das Ende der WAA sei der dritte Eckpunkt der Wackersdorfer Geschichte. "An diesem Eckpunkt, der auch als ,Wunder von Wackersdorf' beschrieben wurde, waren viele Menschen beteiligt, haben mitgeholfen", sagte Falter, "Befürworter und Gegner schreiben sich die Entwicklung auf Ihre Fahnen. Dies möchte ich nicht näher kommentieren." Fest stehe aber: "Ohne die Ausgleichsmaßnahmen für den Standort und den Landkreis wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen."

Der erste Antrag

Beim Stöbern in den Akten stieß Falter auf den ersten Bauantrag aus dem Hause BMW. Mit einem Beschluss änderte der Gemeinderat den Bebauungsplan - atomare Nutzung gestrichen, konventionelles Industriegebiet genehmigt. Die Karosserie-Fertigung lief mit den ersten Mitarbeitern 1990 an. So richtig "rund" lief es aber noch nicht. Mit einer Strategieänderung des BMW-Konzerns hin zu einem Kompetenzzentrum für Innenausstattung war der Innovationspark geboren (siehe Hintergrund).

Mindestens so schnell wie die Modellreihen bei BMW wechselten, stellten sich Veränderungen, manchmal auch Probleme ein: Zulieferbetriebe verließen den Standort, andere kamen neu hinzu. "Die Verlagerungen waren nicht einfach zu kompensieren", erinnerte sich Falter. Hier setze der intensive Dialog zwischen Gemeinde und BMW an. Dabei wisse er besonders Standortleiter Thomas Dose an der Seite der Gemeinde.

Einmaliges Verhältnis

Besonders stolz macht Falter, dass im Taxölderner Forst mit der Kohlefaser-Fertigung für die "i"-Reihe an der Zukunft des Automobilbaus gearbeitet wird. "Ein Stück Wackersdorf in einer innovativen Technologie umgesetzt zu wissen, erfüllt uns alle mit Stolz." Den Verantwortlichen der BMW-Group sagte Falter größtmögliche Unterstützung zu. Der Ausbau des Gleisanschlusses läuft, der neue Kreisverkehr an der Kartbahn ist beschlossen. Ein Großprojekt steht noch aus: Die neue Osttangente, die den Anschluss des I-Parks verbessern soll. "Gemeinsamer Einsatz zahlt sich aus," sagte Falter angesichts der 5300 Arbeitsplätze, die die Gemeinde mit bei 5100 Einwohnern bieten kann. Ein Verhältnis, dass weit und breit einmalig sein dürfte. (Angemerkt)
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