Elke Falter betreut fünf Buben und Mädchen als Tagesmutter
Kinderreich im Bürgermeisterhaus

Jetzt sind alle da: Fünf Paar kleine Schuhe stehen bei den Falters vor der Tür.
Vermischtes
Wackersdorf
13.05.2016
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Elke Falter wickelt die kleine Laura - jedes Kind hat aus hygienischen Gründen seine eigene Auflage - dann geht es wieder ins Spieleparadies.

Den auf Kindergaumen abgeschmeckten Hähnchenschlegel muss Bürgermeister Thomas Falter etwas nachwürzen, doch das macht er gerne. "Dafür ist bei uns Leben im Haus", lacht Elke Falter inmitten von Felix, Laura, Lena, Eva und Jonas. Die Kleinen sind nicht ihre eigenen Kinder.

Im Hausflur stehen fünf paar Kinderschuhe, eine Schiefertafel zeigt den Eltern, was es heute zu essen gibt: Hähnchenschlegel mit Kartoffelbrei und danach Obst. Aber nicht nur dadurch wissen die Mamis, dass ihre Kinder gut versorgt sind, wenn sie arbeiten gehen. Der Luxus, mit einem Verdienst und Kind gut über die Runden zu kommen, ist in Familien selten geworden. Doch es gibt ja Tagesmutter Elke. Wie der Bürgermeister und seine Frau wohnen - man hätte es sich anders vorgestellt. Spielsachen, Wickelzimmer, ein Raum zum Schlafen und Träumen, eine Bastelstube. Aus dem Wintergarten der Falters ist ein Spiel- und Esszimmer geworden - mit Mini-Holzküche. Und der Garten kann mit einem Spielplatz konkurrieren: Schaukel, Trampolin, Sandkasten mit Veranda. Opa Fritz hält den Rasen kurz, bringt jede Woche die Windelsäcke weg. Fünf Kinder betreut Elke Falter. "Mein Mann steht voll hinter mir", erzählt sie. "Ich steh ja auch zu seinem Bürgermeisteramt". Die eigenen Kinder Patrick, Nicole und Anja sind schon erwachsen.

"Das Richtige gefunden"


Vor neun Jahren stieß die 46-Jährige auf das Thema "Tagesmutter". "Das wär doch was für mich", dachte sich die gelernte Krankenschwester. Das Haus wurde umgestaltet und seitdem ist die Wackersdorferin Tagesmutter. "Ich habe für mich das Richtige gefunden", erzählt sie glücklich. Von Montag bis Donnerstag "wuseln" die Kinder im Alter zwischen einem und vier Jahren von 7.30 bis 16.30 Uhr herum. Doch es gibt keine starren Öffnungszeiten. Da wird ein Kind auch schon mal um sechs gebracht oder um 20 Uhr geholt. Schichtpläne sind nicht familienfreundlich.

"Alle meine Kinder sind schon da" - es wird gesungen. Rituale, Strukturen sind wichtig. Elke Falter setzt sich jeden Tag einen anderen Schwerpunkt. Montag ist Geschichten- und Theatertag, am Dienstag geht es in die Höllohe oder auf den Bauernhof. Am Mittwoch wird gebastelt. Stolz zeigt der zweijährige Felix seinen roten Maikäfer. Am Donnerstag dreht sich alles um Riechen, Schmecken, Fühlen und Tasten. Mitmachlieder werden gesungen. Das macht Elke Falter besonders gerne. Sie singt im Kirchenchor, spielt Harfe. Und natürlich sind die Kinder im Gartenparadies viel an der frischen Luft.

Mittags helfen sie im Wintergarten beim Tischdecken. Jedes Kind hat seine eigene Tasse, seinen Teller. Das Mittagessen hat die Tages-Mami schon am Vorabend vorbereitet. Außer, es gibt Pizza. Da dürfen die Kinder den Teig belegen. Danach ist "Siesta" angesagt. Jedes Kind hat sein Lieblingskuscheltier von zu Hause mitgebracht. Mittags kommt Ehemann Thomas nach Hause, ebenso die sechsjährige Pflegetochter Johanna - mitsamt den Hausaufgaben.

"Es kommt so viel zurück"


Wenn die Kleinen ausgeschlafen haben, wird gewickelt und gespielt, bis die Eltern kommen. Elke Falter betreut viele Einzelkinder. Sie lernen Gemeinschaft und zu teilen. Oft entwickelt sich eine fast geschwisterliche Beziehung. Wenn die Vierjährigen die Tagesmutter endgültig verlassen, kommen immer noch Weihnachtsgrüße oder Geburtstagskarten: "Man gibt so viel, und es kommt so viel zurück", erzählt die fröhliche, ausgeglichene Frau. Sie legt großen Wert auf eine Eingewöhnungsphase mit den Eltern. Die Kinder müssen Vertrauen fassen, "damit sie sich bei mir glücklich und geborgen fühlen". Über all dem vergisst sie sich selbst nicht: Jetzt freut sie sich auf den Urlaub. Die Zeiten teilt sie den Eltern der Kinder schon zum Jahresbeginn mit, damit sie planen können und keine Versorgungslücken entstehen - bis es wieder in den "Kiga Falter" geht.

33 TagesmütterTrotz des Ausbaus an Kindergarten- und Krippenplätzen ist die Nachfrage nach Tagesmüttern groß, weiß Petra Preißler-Urbanek, die zusammen mit Bettina Böhm in der Geschäftsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Schwandorf für den Bereich "Tagesmütter" zuständig ist. Derzeit gibt es im Landkreis 33 Tagesmütter. Familiennähe, Geschwisterersatz, Öffnungszeiten - das bewegt Eltern zur Suche nach einer Tagesmutter. Sie stellen beim Landratsamt einen Antrag auf Förderung der Tagespflege. Hier wird je nach Betreuungsumfang der Eigenleistungsanteil berechnet.

Um alles andere kümmert sich die SkF-Geschäftsstelle - seit 20 Jahren. Sie ist für Beratung, Vermittlung, Begleitung und Fortbildung zuständig. Wer Tagesmutter werden will, muss 100 Schulstunden in einen Lehrgang investieren, außer man verfügt über erzieherische Vorbildung. Auch Fortbildungen sind zu absolvieren, sei es über Erste Hilfe am Kind oder über kindgerechte Essenszubereitung. Derzeit gibt es mehr Anfragen als Tagesmütter, weiß Petra Preißer-Urbanek. "Das ist vom Arbeitsmarkt abhängig". Wenn er gut läuft, profitieren auch die Frauen. Doch dann sinkt das Interesse, sich zur Tagesmutter ausbilden zu lassen. Aber gerade in den Zeiten guter Beschäftigungslage nimmt der Bedarf der Mütter, die arbeiten gehen und eine Tagesmutter brauchen, zu. (cv)
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