Fahrradfahrer kollidiert mit Fußgänger
Albträume nach Todesfahrt

Vermischtes
Wackersdorf
02.06.2016
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Eine Heimfahrt mit tragischen Folgen: Als im April vergangenen Jahres ein damals 19-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, kollidierte er in Wackersdorf mit einem 55-jährigen Fußgänger. Die Folgen waren fatal.

Schwandorf. Der junge Mann musste sich am Dienstagvormittag vor dem Amtsgericht verantworten. Laut Gutachter Professor Hans Bäumler war der heute 20-Jährige nicht schneller als mit 13 Stundenkilometer unterwegs. Der Angeklagte, der von einer Feier bei Freunden kam - der Unfall ereignete sich an einem Samstag gegen 1.20 Uhr - war völlig nüchtern. Das hatte ein Alkoholtest ergeben. Der Angeklagte hat sein Fahrrad die bergab verlaufende Strecke, einem Fuß- und Radweg, der zwischen der Wackersdorfer Industrie- und Friedhofstraße verläuft, wie einen Tretroller genutzt. Während er mit dem einen Fuß auf dem Pedal stand, schob er mit dem anderen an.

Verletzungen erlegen


Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten, dass am Fahrrad kein Licht angebracht war und die Strecke wegen fehlender Beleuchtung "stockfinster" gewesen sei, wie der Gutachter erklärte. Der Schüler erzählte, dass er den 55-jährigen Fußgänger nicht gesehen habe. Es sei alles sehr schnell gegangen. Die beiden stießen auf Höhe einer Gärtnerei mit dem Kopf zusammen, aber wohl nur leicht, sonst hätte der Angeklagte nach Einschätzung des Gutachters mehr als nur leichte Kopfverletzungen davongetragen. Der Fußgänger stürzte allerdings rücklings und zog sich ein Schädel-Hirn-Trauma sowie einen Schädelbasisbruch zu.

"Ich habe ihn (den Fußgänger, Anm. d. Red.) in stabile Seitenlage gebracht, dann ist Blut aus dem Mund gelaufen", berichtete der Schüler mit sehr leiser Stimme. Daraufhin habe er den Notarzt gerufen. Weil es ihm bis zum Eintreffen der Rettungskräfte wie eine Ewigkeit vorgekommen sei, habe er ein zweites Mal nachtelefoniert. Ein Rettungshubschrauber brachte den Familienvater in die Regensburger Uniklinik, wo er schließlich an den Folgen der Verletzungen starb.

Ein Bluttest bei dem Toten ergab einen Promillewert von 2,6. Der Gutachter informierte vor Gericht zudem, dass der Lenker am Fahrrad umgebaut worden war, so dass er um 180 Grad gedreht angebracht gewesen sei. Außerdem habe die Hinterradbremse gar nicht und die Vorderradbremse nur sehr mäßig funktioniert. "Ein richtiges Fahren war nahezu unmöglich", sagte Professor Bäumler.

50 Arbeitsstunden als Strafe


Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Johann-Peter Weiß verurteilte den 20-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung zu 50 gemeinnützigen Arbeitsstunden; der Staatsanwalt hatte 120 gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig, da alle Beteiligten einen Rechtsmittelverzicht erklärten. Dem Schüler hielt das Gericht zugute, dass er voll geständig war, dem Gutachter bei der Rekonstruktion des Unfalls half und er unter den psychischen Folgen zu leiden hat. Der 20-Jährige sprach von Albträumen, die ihn nun plagen.
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