Stretchlimousine für Romantiker
Die Hochzeitscruiser-Kutsche

Barocke Hochzeitskutsche mit Chrysler-Antrieb: Im Cruiser mit Zarenkutsche kann eine kleine Hochzeitsgesellschaft auch einen Stehempfang abhalten. Bild: Herda
Vermischtes
Wackersdorf
06.03.2016
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Wir bekamen Anrufe aus ganz Europa - aus England und Frankreich, die den Prototyp kaufen wollten.

In der Welt der Limousinen gibt es wenig, das es nicht gibt: einen neun Meter langen Stretch-Hummer, einen verlängerten Ferrari, sogar einen Käfer-Lulatsch. Aber so was gab's noch nicht auf Deutschlands Straßen - Oberpfälzer Know-how mit russischem Herz.

Zugegeben, die Idee brachten Margarita Martyn und ihr Mann Sergej aus Sankt Petersburg mit: ein Chrysler PT Cruiser mit Zarenkutsche als Mittelteil. Quasi: Russische Seele trifft Hightech. "Wir dachten, das wäre doch auch eine Hochzeitskutsche für uns daheim", sagt die Wackersdorfer Russlanddeutsche. "Aber bevor wir so einen Aufwand treiben, wollten wir die Geschäftsidee testen", ergänzt ihr Bruder Roman. Der Erfolg machte den findigen Geschäftsleuten Mut: "Wir bekamen Anrufe aus ganz Europa - aus England und Frankreich, die den Prototyp kaufen wollten."

Das Trio ließ die Idee in der Stadt der weißen Nächte umsetzen: "Eine Spezialfirma schnitt den Chrysler in der Mitte auseinander, baute eine längere Kardanwelle, die Hochzeitskutsche mit Lichtorgel und Ornamenten ein - und lackierte alles", erzählt die 31-Jährige. Einziger Makel: Die Handbremse war nicht für das neue Gewicht gemacht. Der deutsche TÜV begutachtete das gute Stück vor Ort und gab den guten Rat: "Lassen Sie sich von Peter Gallersdörfer helfen, der hat Erfahrung mit Sonderfahrzeugen."

Weidener Tüftler hilft


Das Fantasiegefährt kam mit der Fähre nach Deutschland - und mit Ausnahmegenehmigung für die Fahrt zum Weidener Tüftler: "Der TÜV kannte mich vom Umbau des Transporters ,Frog', da baute ich auch eine Handbremse auf die Vorderachse - mit so einfachen Mitteln haben wir das hier auch gelöst", sagt Gallersdörfer. Hier, das ist in Sepp Häuslers Werkstatt in Luhe-Wildenau, der die technische Ausstattung und die personelle Kapazität für so einen Auftrag hat: "Für die Ersatzteilbeschaffung braucht man Fachwissen, da ist nichts von der Stange, alles handgemacht." Die kuriose Karosserie lockt Neugierige auf den Werkstatthof: "Ständig will einer fotografieren", sagt Häusler genervt.

Nervig ist auch das nasskalte Wetter, vor dem sich die stolzen Besitzer in die Hochzeitskabine retten. Die geschwungenen Linien setzen sich auf den weiß-bronzenen Polstern fort - über den Sitzen eine Krone. Je nach Stimmung taucht ein Beleuchtungsfilter die Insassen in vornehmes Blau oder verliebtes Rot. So soll es sein, bei der Traumvermählung.

Und wann kann's losgehen? "Wir stehen in den Startlöchern mit unserem Hochzeits-Limo-Service", sagt Marga Martyn. Und der Kutschenchrysler ist erst der Anfang: "Wir wollen ein paar Modelle verkaufen und uns aus dem Kapital einen Fuhrpark mit lauter originellen Modellen leisten."

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Weitere Informationen:

www.kutsche.limo

Integration auf Russisch"Leicht war es nicht", beschreibt Margarita Martyn ihre ersten Schritte in Bayern. "Ich war 14, ein Kind, und habe nicht verstanden, warum wir woanders hinfahren mussten. Das Leben in der kasachischen Kleinstadt Tekeli (rund 30 000 Einwohner) könne man mit hier nicht vergleichen: "Das sind, unterschiedliche Welten." Erst Recht für Sergej aus der Fünf-Millionen-Metrople Petersburg. Doch das findige Paar nutzte gerade die Stärken aus der deutsch-russischen Erfahrung: "Die Russen feiern viele Feste, bei denen man sich kostümiert - kennen aber den Fasching nicht."

Die Martyns waren die ersten, die deutsche Kostüme nach Russland lieferten. "Populär sind Piraten, Vampire und alles, was kürzlich im Kino war", sagt Bruder Roman. (jrh)
Wir bekamen Anrufe aus ganz Europa - aus England und Frankreich, die den Prototyp kaufen wollten.Roman und Margarita Martyn
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