"Wackersdorf-Treff" thematisiert Gambia
Armes, kleines Land am Rand

Sabine Läufer ist nach einem langen Aufenthalt Expertin für das afrikanische Land Gambia. Beim evangelischen "Wackersdorf-Treff" mit Vikar Johannes Amberg gab sie ihre Erfahrungen weiter. Bilder: hfz (2)
Vermischtes
Wackersdorf
28.03.2016
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Das kleine afrikanische Land Gambia stand im Mittelpunkt des "Wackersdorf-Treff" im Saal der evangelischen Friedenskirche. Referentin Sabine Läufer stellte dabei eine Gesellschaft in Agonie vor. Danach gab es eine intensive Diskussion über Sinn und Unsinn von Entwicklungshilfe.

Gambia ist eine Republik in Westafrika, die an den Ufern des Flusses Gambia liegt. Es wird vollständig vom Staat Senegal umschlossen. Mit einer Fläche von ungefähr 11 000 Quadratkilometern ist das Land der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes. Gambia hat rund 1,7 Millionen Einwohner, die Bevölkerung ist zu 90 Prozent muslimisch und zu neun Prozent christlich. Gambia verstand sich bis 2015 als ein weltlicher Staat, der den Respekt vor allen kulturellen und traditionellen Werten fördert. Es war in Gambia traditionell üblich, offizielle Veranstaltungen mit Gebeten eines muslimischen Imams und eines christlichen Geistlichen zu eröffnen. Am 11. Dezember 2015 erklärte Staatspräsident Yahya Jammeh jedoch Gambia zu einer "islamischen Republik".

"Dort herrscht wirklicher Friede, was mit der traditionellen Religionsfreiheit des Landes zu tun hat," erklärte Läufer. Grund sei aber nicht die Liberalität des Präsidenten, der zwischenzeitlich eher als Diktator zu gelten habe, sondern dessen taktisches Lavieren zwischen den rivalisierenden Kräften des Kontinents. Das Land produziert nichts außer Erdnüssen, ist extrem arm und die Menschen leben "wie unter einer Käseglocke" - abgeschieden von den internationalen Informationsströmen. So gebe es dort auch keine Opposition oder fortschrittliche Ideen.

Sabine Läufer kennt Gambia aus eigener Anschauung. Sie war dort ein halbes Jahr als Lehrerin an einer vergleichsweise modernen Schule beschäftigt, die von Deutschland aus vom Verein "Socialis for Gambia" finanziert wird. "Wir haben gedacht, die gambische Gesellschaft würde diese Schule eines Tages in die eigene Verantwortung übernehmen", sagte Läufer. Aber nichts dergleichen geschehe. Sie hat dort eher das Gegenteil festgestellt: Untätigkeit und Warten auf die Hilfe aus dem entwickelten Norden. "So verändert sich nie etwas zum Besseren", bedauerte die Referentin. Zwischenzeitlich gebe es auch immer mehr Stimmen afrikanischer Wissenschaftler, die den finanziellen und materiellen Hilfeleistungen aus dem Ausland sehr skeptisch gegenüberstehen. Ihr bitteres Fazit: "Entwicklungshilfe im herkömmlichen Sinn ist gescheitert, nicht nur in Gambia."
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