Viele Betriebe gehen leer aus

Joachim Ossmann, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, BMW-Betriebsleiter Stephan Duscher und Landrat Thomas Ebeling (von links) sprachen über die Verwaltungsausschusssitzung. Bild. doz
Wirtschaft
Wackersdorf
07.10.2016
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Die Arbeitslosenquote im Landkreis Schwandorf liegt unter dem bayerischen Durchschnitt. Es drückt allerdings an einer anderer Stelle. Betriebe suchen händeringend Fachkräfte und Auszubildende. Die Flüchtlinge könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

Darüber waren sich die 16 Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Schwandorf einig, der am Donnerstag im Innovationspark bei BMW tagte. Das Gremium setzt sich aus Vertretern der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der Öffentlichkeit, wie Landrat Thomas Ebeling, zusammen und trifft sich vier Mal jährlich.

Im Anschluss an die Sitzung sprach Joachim Ossmann, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, über die Inhalte. Für die Mitglieder hatte er vor allem ein großes Infopaket dabei. Er erklärte, dass die Arbeitslosenquote im September in Bayern bei 3,4 Prozent lag, im Landkreis Schwandorf bei 3,2 und im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf bei 3,1 Prozent, also "deutlich unter dem Schnitt in Bayern, was mich sehr freut".

Viele offene Stellen


Zwar sei die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Allerdings gebe es auch viele Flüchtlinge, die es in den Arbeitsmarkt zu integrieren gelte: "Das hat nichts mit Konjunkturschwäche zu tun." Seine Aussage untermauerte Ossmann mit Zahlen. Seit 2010 gebe es 16 200 (11,7 Prozent) Beschäftigte mehr im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf. 9000 davon seien Deutsche, 7200 aus anderen Ländern. "Daran sieht man, wie wichtig Ausländer für die Deckung des Arbeitsbedarfs sind", erklärte Ossmann. Im Landkreis Cham sei der Wert besonders markant. Von 4000 Beschäftigten, die es seit 2010 mehr gibt, seien 3000 Ausländer.

Als Gegenpol zu diesen Zahlen sprach der Agentur-Leiter über den Ausbildungsmarkt in seinem Bezirk. Für noch 1300 offene Stellen gäbe es nur 200 Bewerber. "Viele Betriebe gehen wieder leer aus", erklärte Ossmann. Gerade deshalb lobte er den Landkreis Schwandorf, in dem die Betriebe heuer 30 Flüchtlingen eine Lehrlingsstelle boten. In unterschiedlichen Berufen: als Friseur, Lagerist und Koch oder etwa in der Altenpflege. "Damit ist der Landkreis Schwandorf in der Region führend", versicherte dazu Landrat Thomas Ebeling.

Prävention kostengünstiger


Außerdem verriet Ossmann, dass die Arbeit der Jugendberufsagentur intensiviert werden soll. Vorbild sind die Hamburger, die eine eigene Einrichtung ins Leben gerufen haben. In Schwandorf ist vor rund eineinhalb Jahren ein Vertrag zwischen dem Landkreis, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter geschlossen worden. Ziel der Jugendberufsagentur ist es, Heranwachsende frühzeitig zu unterstützen, wenn etwa Probleme im sozialen Umfeld oder der Familie auftreten. Agentur-Chef Ossmann sagte: "Prävention ist kostengünstiger, als wenn man die Probleme später wieder in den Griff bekommen muss." Eine Stelle werde für die Jugendberufsagentur allerdings nicht geschaffen.
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