Musikalische Liaison vor dem Altar

Eduard Sistek (Violoncello, links) und Tomás Karpísek (Kontrabass) musizieren an einem ungewöhnlichen Ort - vor dem Altar der Autobahnkapelle in Waidhaus. Bild: Donhauser
Kultur
Waidhaus
29.09.2015
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Lediglich zwei Instrumente bilden noch keine Kapelle in der Kapelle. Musikanten sind sie aber beide, die jungen tschechischen Künstler Eduard Sistek (Violoncello) und Tomás Karpísek (Kontrabass), und somit für das Motto der diesjährigen Regertage "Geborene Musikanten. Max Reger und die tschechische Musik" bestens geeignet.

Drei Stücke musizieren sie als perfekt zusammenspielendes Duo. Je einmal zeigt jeder als Solist, was er und sein Instrument können. Raffiniert arrangiert ist das Arioso aus Bachs Kantate BWV 156. Da lassen die Jungs mit souveräner Gelassenheit und kultiviertem Ton gleich mal ihre Qualitäten aufleuchten. Ihre musikalisch-böhmischen Seiten und Saiten bringen sie mit dem faszinierenden Duo di Basso (1987) von Zdenek Lukás (1928-2007), via Erwin Schulhoff - ein Urenkelschüler von Max Reger, zum Schwingen. Die schnellen Sätze strahlen den Impetus tschechischer Folklore aus, die langsamen expressive Melancholie.

Rasante Tonleitern

Bestens gelaunt, ein "bisserl" hintergründig-schelmisch, ein "bisserl" verspielt, auf jeden Fall aber mitreißend-virtuos das Duetto D-Dur von Gioachino Rossini (1792-1868). Es ist für den berühmten Kontrabassisten Domenico Dragonetti geschrieben. Der Bursche hatte es wirklich drauf - wenn man hört und sieht, welches Feuerwerk an rasanten Tonleitern, höchsten Lagen und Bogenfinessen da abgebrannt wird. Rossini wie Dragonetti hätten wohl ihre Freude gehabt an den beiden Böhmen: Alles greift ineinander wie Nut und Feder. Doppelgriffe, schwer? Man kann es kaum glauben, so perfekt gelingen sie.

Eduard Sistek hat die Ehre, sich mit der d-Moll-Suite op. 131c/2 von Max Reger solistisch zu präsentieren. Wie nicht anders zu erwarten, stellen Regers heiß geliebte Sexten- und Terzgänge keine hohen technischen Hürden für ihn dar. Die Intonation stimmt auf den Punkt. Sisteks musikalischer Vertrautheit mit Regers spezieller Tonsprache darf man aber noch einiges an Gar- und Reifezeit wünschen. Die einzelnen Motive und ihre harmonischen Finessen rufen nach genüsslicherem Auskosten. Die Verbindung der verschiedenen Themen lebt von geschmeidigeren Übergängen und Rubatos.

Eigene Komposition

Die Fortissimo-Ausbrüche fordern vorausschauendere Planung. Die Pianissimo-Passagen im allzu sportlich angepackten Largo sollten wirklich ans Nichts grenzen. Das Cello (auf der A-Saite etwas kehlig-eng) muss die Klangfarben einer romantischen Orgel nachempfinden.

Tomás Karpísek (*1991) stellt sich mit einer eigenen Komposition solistisch vor, der Suite Nr. 1 "Liturgical". Er traut seinem Bass viel zu: Läufe, Doppelgriffe, Flageoletts, Springbogen, Lagenwechsel so weit wie von Prag nach Waidhaus.

Er spielt seine Musik absolut authentisch und suggestiv-überzeugend. Wie bei den Duos streicht er den wolkig und voluminös, aber doch klar klingenden Bass mit einer seltenen Leichtigkeit und Mühelosigkeit. Karriere-Tendenz: Steigend.
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