Außergewöhnlicher Theaterabend bei "Ach, Hus"
Im Sturzflug durch Jahrhunderte

Ausgiebig diskutierten Kirchenmaler Johann Michael Wild (Franz Grundler) und Kurfürst Ludwig (Patrick Weise) den Entwurf des Deckenfreskos für die Wallfahrtskirche Trautmannshof. Bild: fjo
Lokales
Waidhaus
01.10.2014
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Aus dem Altlandkreis Vohenstrauß und aus Bärnau waren die Besucher zu einem außergewöhnlichen Theaterabend gekommen. "Ach, Hus" lautete das geschichtsträchtige Stück mit abwechslungsreichem Szenario.

Mit nur vier Darstellern und einer simplen Bühne gelang eine famose Inszenierung, die viel Lob und ausgiebigen Beifall erntete. Christina Götz, Theresa Schichtl, Patrick Weise und der Autor selbst, zogen die fast 50 Zuschauer über zwei Stunden in ihren Bann. Bürgermeisterin Margit Kirzinger übernahm die Schirmherrschaft; der Markt Waidhaus war Veranstalter. Damit bewies die Kommune einmal mehr, dass sie großen Wert auf die Geschichte legt. "Für Kultur und Kunst sind wir in Waidhaus immer offen", sagte Kirzinger.

Zwar zog Jan Hus auf seiner letzten Reise nachweislich nicht über Waidhaus, sondern durch Bärnau nach Konstanz, doch jährt sich dieser Zug in der nächsten Woche zum 600. Mal. Das thematische Bühnenspiel wandelte in kurzen Augenblicken durch all die seitdem vergangenen Jahrhunderte und ging vor allem der Frage nach, warum die Verbrennung des böhmischen Reformators immer wieder - und noch immer - die Geister berührt.

Und so machte das Theaterprojekt in einer neuen Form Hintergründe und Folgen dieses so lange zurückliegenden Ereignisses bewusst. Es entstand beim Nabburger Bühnenautor Franz Grundler als dessen mittlerweile achtes Theaterstück. Um fachlich und vor allem historisch aufgestellt zu sein, holte er sich hierfür Fachleute, Historiker, Theologen und Theatermacher an die Seite. Prof. Dr. Franz Machilek aus Erlangen und der Direktor des Hussitenmuseums in Tábor, Dr. Jakub Smrcka, etwa, übernahmen das Lektorat. Der bekannte Stückeschreiber Gerd Lohmeyer aus München förderte obendrein die Produktion.

In kurzen Szenen führte das Stück durch fünf Jahrhunderte und spürte dabei unterschiedlichen Erinnerungen wie in einem Sturzflug nach. Es schilderte ohne Pathos, aber mit beherztem Sprachwitz, Musik und erhellenden Bildern die frühen und späten Nachwirkungen der "Untat von Konstanz". Mit Siebenmeilenstiefeln querte die Aufführungen, begleitet von teils deftigen Kommentaren, durch die Geschichte: Vom Sommer 1415, als auf der Prager Burg die Botschaft von Husens Hinrichtung eintraf ging es zu Martin Luther, der um 1530 die Hus-Briefe übersetzte und herausgab.

Die nächste Station war schon im späten Barock angesiedelt, als Kirchenmaler Johann Michael Wild - ganz im Oberpfälzer Dialekt daherkommend - seinen Entwurf für das Hussitenfresko in der neu gebauten Wallfahrtskirche von Trautmannshof dem kurfürstlichen Hof präsentierte. Aus dem Jahr 1950 stammt die Episode, wie die Prager Kommunisten Jan Hus und die Hussiten als direkte eigene Vorläufer entdecken. Die letzte Szene: Eine bayerische Theatergruppe probt ein Hussiten-Stück.

Vier Akteure in dreizehn wechselnden Rollen schufen diesen kurzweiligen Bilderbogen. Ein modernes Bühnenbild mit Beamer, eine schlichte Requisite und betont einfache Lichtgestaltung begleiteten das Stück.
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