"Das ist aber nah"

Die Demonstranten am Grenzübergang Waidhauser Landstraße trotzten der Kälte in ihrem Willen, die tschechischen Nachbarn zur Abkehr von der Atomkraft zu bewegen. Bild: fjo
Lokales
Waidhaus
06.04.2015
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Der Grenzmarkt wir allmählich festes Ziel von Ostermarschierern. Im dritten Jahr in Folge trommelten dort Kernkraftgegner gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin.

Die Teilnehmerzahl blieb mit rund 100 knapp unter Vorjahresniveau. Der Grünen-Kreisverband Weiden-Neustadt zeigte sich als Veranstalter sehr zufrieden. Die Forderung zum Abschalten des tschechischen Atomkraftwerks in Temelin stoße längst auch auf Aufmerksamkeit im Nachbarland sind die Demonstranten am alten Grenzübergang Waidhauser Landstraße überzeugt.

Mitorganisatorin Beate Schneider brachte die Motivation der Teilnehmer, die sich von eiskalten Temperaturen und dem "Böhmischen" nicht abhalten ließen, auf den Punkt: "Wenn es in Temelin zum Supergau kommt - und diese Gefahr ist immer akut - sind wir hier unmittelbar betroffen." Durch die rund zweistündige Demonstration führte ihr Ehemann Stephan als Kundgebungsleiter. Er berichtete von seinem jüngsten Besuch auf dem Dreisesselberg: "Vom Gipfel habe ich bis Temelin schauen können und festgestellt: Das ist aber nah."

Ihre Teilnahme an der Kundgebung sah die Waidhauser Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin, Margit Kirzinger, "keineswegs als Pflicht, sondern als Selbstverständlichkeit" an. "Mit Blick auf meine Enkelkinder, die noch viele Jahre auf dieser Erde leben sollen." Eine eher unangenehme Frage stellte Stadträtin Brigitte Artmann aus Marktredwitz an den Beginn ihres Referats: "Was, wenn deutsche Selbstmordattentäter in Flugzeugen auf marode Reaktorkessel in Atomkraftwerken treffen?"

"Feiertag" am 31. Mai

In allen Beschwichtigungen der Lobbyisten sah sie eine Art "Massenverblödung". Mit dem Auflegen eines Rechtshilfefonds solle dagegen in einem gemeinsamen Netzwerk endlich angegangen werden. Fest im Blick ("mit einem Glas Champagner in der Hand") habe sie den 31. Mai - als Tag an dem das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet würde: "Dann sind wir eines von diesen verrückten Dingern los." Der Vorsitzende der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, dankte allen Aktivisten: "Ohne uns und ohne euch, die ihr heute hier steht, gäbe es den Atomausstieg nicht. Ein Ergebnis, auf das wir alle stolz sein können." Kabarettistische Auflockerung brachte Wolfgang Müller aus Bad Steben, der dazu in die Rolle der britischen Queen geschlüpft war. Als abschließende Rednerin trat Hilde Lindner-Hausner mit dem Thema Fracking vor die Demonstranten: "Bayern erteilte ohne jede Öffentlichkeitsbeteiligung eine Lizenz für weite Teile der Oberpfalz, obwohl die Gefahren für das Trinkwasser längst bekannt sind." Unter Hinweis auf den neuen Rechtshilfefonds bat sie um finanzielle Unterstützung: "Jeder noch so kleine Beitrag ist willkommen." Kirzinger hatte die Thematik bereits vorher angeschnitten: "Plötzlich sind wir durch die Gesetzgebung wieder mitten drin." Im Kreistag habe es bereits einen einstimmigen Beschluss gegen Fracking gegeben.
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