Erneut 63 Flüchtlinge in Waidhaus und Pfrentsch aufgegriffen - Jugendliche monatelang unterwegs
"Schlimmer kann es nicht werden"

Lokales
Waidhaus
27.07.2015
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"Ich will nach Deutschland in die Freiheit", sagt der zehn-jährige Mohammad. Er ist allein mit seinem 17-jährigen Cousin auf der Flucht und einer von 17 allein reisenden Heranwachsenden aus Afghanistan und Pakistan, die am Samstagmorgen in Waidhaus strandeten.

Schleuser-Lkw weg

Insgesamt stellte die Bundespolizeiinspektion Waidhaus nach Hinweisen mehrerer Bürger 56 Flüchtlinge fest, die aus einem unbekannten Lastwagen vermutlich bei Ödkührieth (Markt Waidhaus) ihrem Schicksal überlassen worden waren. Bei den Fremden handelt es sich um 35 Pakistani und 21 Afghanen. Eine afghanische Familie - Mutter, Vater und die drei Söhne im Alter von 4, 5, und 7 Jahren - musste für die Schleusung ab Zentralafghanistan 24 000 US-Dollar an die Schleuser-Organisation zahlen. Sie war zwei Monate unterwegs.

In dem verschwundenen Lkw waren die Menschen laut eigenen Angaben elf Stunden von Budapest aus unterwegs. Viele der jungen Flüchtlinge waren im Iran von ihren Familien getrennt worden. Entweder hatten sie für die Schleusung für die ganze Familie kein Geld oder sie wurden durch die langen Fußmärsche getrennt.

Alleinreisende Mädchen waren nicht dabei, da sie besonderen Gefahren ausgesetzt sind und ihre Familien deshalb einer absichtlichen Trennung nicht zugestimmt hatten. Eventuelle Schleusungen von allein reisenden Mädchen kosten wegen besonderer Aufsicht mehr Geld.

"Schlimmer als in Afghanistan kann es nicht werden", sagte der 15-jährige Walid auf die Frage, ob er denn keine Angst vor seiner fast dreimonatigen Odyssee hatte. Wieviel er für den Transport nach Deutschland bezahlen musste, wollte er nicht sagen. Auffällig war in der Waidhauser Dienststelle, wie sich die Jugendlichen, die sich bisher nicht kannten, gegenseitig freundlich unterstützten.

Familie aus Eritrea

Die Versorgung der Großgruppe übernahm die Betreuungsgruppe Vohenstrauß des Roten Kreuzes. Die ehrenamtlichen verpflegten die Flüchtlinge mit Getränken, Suppe und Brot. Die Jugendlichen werden dem Jugendamt übergeben, die übrigen Flüchtlinge einer Aufnahmeeinrichtung zugeführt.

Eine weitere Gruppe mit sieben Eritreern (eine Familie mit zwei Kindern, zwei Frauen und ein Mann) wurde in Pfrentsch aufgegriffen.
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