Flüchtlinge als Chance sehen

Bürgermeisterin Margit Kirzinger, MdB Uli Grötsch und AWO-Geschäftsführerin Angelika Würner informierten die Bevölkerung zur aktuellen Flüchtlingswelle. Bild: fjo
Lokales
Waidhaus
21.09.2015
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Es gibt keine zuverlässigen Zahlen darüber, wie viele Flüchtlinge an den Grenzen stehen und nach Deutschland wollen. SPD-Ortsvorsitzende Monika Zeitler-Kals war es im Gasthaus "Weißes Kreuz" trotzdem ein großes Anliegen, über das Thema möglichst detailliert zu informieren.

Bürgermeisterin Margit Kirzinger nannte Zahlen aus dem Landkreis Neustadt: 584 Personen seien momentan in dezentralen Wohnungen untergebracht; weitere 113 in Gemeinschaftsunterkünften. Außerdem wusste sie von 93 unbegleiteten Minderjährigen und 36 sogenannten Kontigentflüchtlingen sowie zusätzlich 93 Personen in der Notunterkunft der Kreisstadt.

Mit einer "wahnsinnigen Energie" kümmere sich Andrea Grötsch um die Hilfen und Unterstützungen vor Ort, bestätigte die stellvertretende Landrätin: "Wenn sich noch mehrere Helfer finden könnten, würden wir uns sehr freuen." Zur Situation der Hilfesuchenden meinte sie: "Es wäre wichtig, dass sie sich mit einbringen können und wohlfühlen, um sich dadurch angenommen zu wissen." Beabsichtigt sei die Einbindung in die Arbeiten des Bauhofs, wie es in anderen Kommunen bereits funktioniere. Kirzinger erklärte: "Ich denke, wir könnten schon noch ein paar Familien in Waidhaus aufnehmen und vertragen."

"Ultrakomplexe Materie"

MdB Uli Grötsch beurteilte die aktuelle Flüchtlingswelle als "eine ultrakomplexe Materie, aber keine Krise". Ohne die Mitwirkung Russlands sei keine Lösung für Syrien möglich. Dazu schilderte er furchtbare Zustände im nahöstlichen Staat. Kein gutes Haar ließ er an der mangelnden Solidarität durch die osteuropäischen EU-Staaten, weshalb er sich im Bundestag dafür einsetzen werde, "die Milliarden in der mittelfristigen Finanzplanung der EU für diese Länder auf 'Null' zu setzen", was die Zuhörer mit Beifall bestätigten.

Aus ihrer täglichen Praxis im Umgang mit Flüchtlingen erzählte Geschäftsführerin Angelika Würner von der AWO Tirschenreuth. Sie gab Einblick in den Ablauf der Einrichtungen, dem "Bus-Screening" oder ihren alltäglichen Aufgaben: "Uns erfüllt diese Arbeit einfach mit Freude."

Kritik äußerte die Flüchtlingsbetreuerin am Umgang der Behörden oder Jobcenter mit den Asylsuchenden: "Der muss warten, der muss Zeit haben", heiße es lapidar, wenn sie selbst telefonisch nachfrage. Oder: "Ohne Ausweis gibt es kein Konto, ohne Konto kein Hartz IV, und ohne Hartz IV kann er den Ausweis, der 78 Euro kostet, nicht zahlen."

Würner: "Flucht ist für mich kein Verbrechen, sondern ein Zeichen, dass mit dem Herkunftsland irgendetwas nicht stimmt." Den Einwand eines Zuhörers, es würden in der Region Arbeitsplätze fehlen, ließ Würner nicht gelten. Die Meisten könnten im ersten Jahr auch nach der Anerkennung immer noch nicht arbeiten, weil dann der Migrationskurs anstehe. Die Angst um die eigene Zukunft bestätigte Würner jedoch: "Ich gebe ihnen Recht, auch wir haben unsere Probleme." Unterstützung erhielt sie von Kirzinger, die eine Chance für Orte wie Waidhaus herauskehrte: "Wir müssen uns schon bemühen, dass wir mehr Leute werden, das hilft uns allen." Sie gab zu bedenken: "Wenn ein Sohn bei der Feuerwehr ist und das Mädchen im Musikverein spielt, dann bleibt diese Familie vielleicht auch da." Würner meinte am Ende der zweistündigen Veranstaltung: "Gelingen kann diese Herausforderung nur, wenn wir uns um diese Menschen kümmern."

"Helferkreis Asyl"

Weiter geht es in Waidhaus mit einer ersten Zusammenkunft des "Helferkreises Asyl". Die ehrenamtlichen Helfer der Flüchtlinge und weitere Interessierte, die sich mit einbringen möchten, treffen sich am Freitag, 25. September, um 19 Uhr im Gasthof Biehler zwecks Koordinierung und Informationsaustausch nach der ersten Woche Deutschunterricht.
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