Geigerin Susanne Hofmann gastiert mit buntem Programm bei den Reger-Tagen
Reger, Tango und ein Heizstrahler

Lokales
Waidhaus
01.10.2014
3
0
Tänze bekommt man in einer Kirche ja nun auch nicht alle Tage zu hören - erotisch aufgeladene oder gar obszöne schon gleich gar nicht. Die Geigerin Susanne Hofmann hatte am Sonntag bei ihrem Solo-Rezital bei den Max-Reger-Tagen gleich eine ganze Reihe von Tänzen mit in die Autobahnkirche nach Waidhaus gebracht. Drei Norwegische Bauerntänze von Johan Halvorsen etwa. Zwei Tangos von Johan Carlos Cobian. Und ja, auch die berühmte Chaconne aus der "Partita für Violine solo in d-moll BWV 1004" von Johann Sebastian Bach hat ihre Wurzeln in einem Tanz.

Obszöner Bauerntanz

Bach überschrieb den Satz nicht umsonst mit "Ciaconna" und verwies damit auf jenen öbszönen Bauerntanz, der um 1600 von Spanien nach Italien gekommen war. Von Obszönität kann bei Bach natürlich keine Rede sein. Aus dem Tanzstück ist ein überaus subtiles Ausdrucksstück allererster Güte geworden. So ziemlich alles, was es an Phrasierungs- und Grifftechniken für die Geige gibt, ist darin zu finden. Kein Wunder also, dass die Chaconne mit ihren 256 Takten ein Prüfstein für jeden Geiger ist, ein Gipfel, den zu erklimmen so seine Tücken hat.

Großes Verständnis

Susanne Hofmann hat sich bei ihrem Gipfelsturm am Sonntag erstaunlich gut geschlagen. Was ihr an bezwingender Souveränität fehlte, machte sie mit einem wunderschönen Ton und einem großen Verständnis für den Bauplan dieser Musik wett. Frisch, lebendig und nicht unbedingt auf Sicherheit bedacht, lieferte sie eine durchaus ordentliche Chaconne ab.

Von Bach ist der Weg zu Reger bekanntlich nicht weit. Oder sollte man besser sagen: von Reger zu Bach? Wie auch immer, Reger durfte an diesem Abend natürlich nicht fehlen, und so fanden sich im Programm auch zwei Beispiele aus den beiden Zyklen von Regers Solowerken für Violine wieder.

Viel spannender aber waren die Werke jenseits von Bach und Reger. Susanne Hofmann hatte mit der "Sonate Nr. 1 für Violine solo in g-moll" des Reger-Schülers Nils Otto Raastad", aus der sie zwei Sätze spielte, und einem von drei Stücken für Solovioline von Max Butting Kostbarkeiten ausgegraben, die vielleicht nicht unbedingt kompositorische Meisterwerke sind, aber im Vortrag Hofmanns unbedingt bezaubern konnten.

Spätestens hier konnte einem der Gedanke kommen, dass sich dieser Abend in der Autobahnkirche auch wunderbar als Serenadenabend verstehen ließ. Der Abschluss mit den beiden Cobian-Tangos "Mi Refugio" und "La casita de mis viejos" unterstrich diese sommerliche Abendstimmung erst recht.

Kalte Finger

Dumm nur, dass die Temperaturen in und außerhalb der Kirch so ganz und gar nicht dazu passen wollten. Ein Heizstrahler im Altarraum sorgte zumindest bei der Solistin für etwas Wärme. Vor kalten Fingern wird er jedoch kaum geschützt haben. Und die Zuhörer hatten erst recht nichts davon. Andererseits: Wer braucht schon Sommerwetter, wenn einem bei Hofmanns wohligem Ton und gepflegtem Tango derart warm ums Herz werden kann.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.maxregertage.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.