Lärmende Attraktion

Am Brunnen vor der Kirche klapperte auch an den Kartagen kein Mühlenrad - es war das Ratschen der Jugendlichen. Bild: fjo
Lokales
Waidhaus
07.04.2015
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Vor 19 Jahren zogen sie noch unkoordiniert durch die Pfarrgemeinde. Seitdem sind sie gut organisiert. Heuer waren es in Waidhaus wieder zwei Gruppen. Die Rede ist von den "ratschenden" Jugendlichen, die während der Kartage - wie in vielen anderen Orten des Altlandkreises Vohenstrauß - Außerordentliches leisten.

Im vergangenen Jahrhundert wanderten zwei unterschiedliche Scharen durch die Straßen und Weiler der Pfarrei Waidhaus: Die Gruppe der Ministranten einerseits - und ein paar ältere Jugendliche (die "Wilden") ohne direkten Auftrag des Pfarrers. Da sei es dann schon vereinzelt zu Streitereien um das Vorrecht gekommen. Aber das ist lange her. Spaß und ein Hauch von Abenteuer sind hingegen geblieben. Vereint sorgt der Nachwuchs mittlerweile für das besondere Szenario zwischen Gründonnerstagabend und dem Beginn der Osternachtfeier.

Foto in Aktion

Eier und Süßigkeiten spenden manche Bewohner den Ratschern bis heute - ab und zu auch Geld. An bestimmten Häusern wissen die Jugendlichen zudem, dass sie mit Freuden erwartet werden. Etwa bei Andrea Olbrich, die den morgendlichen Weckruf um 5 Uhr alljährlich herbeisehnt. Selbst Durchreisende hielten heuer an und bestärkten die Frühaufsteher: "Ihr seid ja eine richtige Touristenattraktion." Manche hätten sogar darum gebeten, die Gruppe in Aktion fotografieren zu dürfen.

Das frühe Aufstehen zähle zu den grundlegenden Erfordernissen, welche die Interessenten mitbringen müssen, erklärt Lisa Fink. An ihr lag heuer erstmals die Organisation, nachdem Daniel Mathy diese Aufgabe nach vielen Jahren abgegeben hatte. Am Karfreitag und Karsamstag ertönt das gemeinsame "Klipp - klapp" bereits um 4 Uhr das erste Mal. Start und Treff ist das Kriegermahnmal im Ortskern. Nach dem ersten Einsatz vor dem Südportal der Pfarrkirche folgen die Straßen und Ortsteile in der überlieferten Abfolge.

Nicht nur um pünktlich zu sein, übernachtete die Schar gemeinsam im Kolpingheim und blieb - bis auf wenige Ausnahmen - während des gesamten Zeitraums zusammen. Für die Haltepunkte gibt es übrigens ein besonderes Maß: Station wird immer bei jedem zweiten Kanaldeckel gemacht: "Das wissen die Anwohner schon."

Fleißig unterwegs

So zogen Markus Helgert, Anna Nahrhaft, Markus Mathy, Miriam Kaas, Moritz Staudinger, Felix Uschold, Ann Kathrin Kraus, Lukas Koller, Laura Kraus und Marie Meindl am langen Wochenende nicht nur um 4 Uhr, sondern auch um 6 und um 12 Uhr durch ihren Heimatort. Zusätzlich galt es, die Aufgabe der abgestellten Kirchenglocken rund um die Gottesdienste zu übernehmen. Unterstützung bekamen die junge Leute von Mesnerin Margit Reichenberger, Christl Kaas und Jutta Fink, die eine warme Mahlzeit beisteuerten. Für die Verpflegung darüber hinaus stand ein gemeinsamer Großeinkauf am Gründonnerstag an. Den bis obenhin mit Getränken und Essen beladenen Einkaufswagen chauffierte die Schar gleich vom Supermarkt direkt bis vor die Tür des Kolpingheims.

Nach der Osternachtfeier war noch lang noch nicht Schluss: Erst ein gemeinsames Pizzaessen beendete zu nächtlicher Stunde in der Pizzeria "Fünferl" die "tolle und lustige Zeit".
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