Light liegt schwer im Magen

Ernährungsexpertin Uli Rauch (Zweite von rechts) überraschte ihr Publikum mit vielen Informationen beim Rundgang durch den Supermarkt. Dabei fehlte auch die richtige App auf dem Smartphone nicht. Bild: fjo
Lokales
Waidhaus
06.06.2015
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Im Supermarkt gibt es Waren in Hülle und Fülle. Aber: Wo greife ich zu? Was nehme ich mit?

Ungläubige Blicke aus den Nachbarhäusern ringsum begleiteten die ungewöhnliche Schlange vor dem Eingang des Netto-Markts am Mittwochabend. "Was wollen die alle noch, jetzt wo doch schon geschlossen ist?", mag es in den Köpfen gespukt haben. Doch die fast 20 Teilnehmer wussten genau, was sie wollen: Künftig cleverer einkaufen.

So lautete das Thema des Abends, zu dem Markträtin Monika Zeitler-Kals die AOK-Ökotrophologin Ulrike Rauch eingeladen hatte. Seit 25 Jahren begleitet die Ernährungsberaterin aus Weiherhammer viele Menschen, unterstützt beim Abnehmen, hält Fachkurse und gibt auch Normalgewichtigen Tipps.

"Clever Einkaufen" als Angebot der AOK laufe normalerweise zweigleisig. An einem Abend gibt es Theoretisches und erst beim zweiten Mal gehe es in den Supermarkt. Die Waidhauser erhielten das Ganze als Gesamtpaket. Zum Einstieg erzählte die Fachfrau von den verschiedenen Einkaufstypen. In Deutschland würden ziel- und planlose Kunden den höchsten Prozentanteil ausmachen. Und schon stand die Schar in der Obst- und Gemüseabteilung. Die Anbieter würden hier bewusst protzen, denn mit frischer Ware ließe sich das Eingangstor jeden Supermarkts "farbenfroh, üppig und lebendig" optimal gestalten.

Der Ernährungsberaterin kam dies gerade recht. Wer gleich hier seinen Einkaufswagen möglichst voll packe, sei bestimmt auf dem richtigen Weg. "Aber wie ist das mit dem Herkunftsland?", wollte Franz Kaas wissen. Rauch riet allgemein, überwiegend auf Regionales zu langen und dabei an die Saisonzeiten zu denken.

Für noch entscheidender hielt sie in Bezug auf Obst und Gemüse: "Wichtig ist, dass ich viel davon esse." Erst an zweiter Stelle sah sie die mögliche Belastung durch Spritzmittel, Gentechnik oder dergleichen. Eltern und Großeltern empfahl sie, Kinder und Enkel sehr früh mit Frischware in Berührung zu bringen und "ruhig beim Zubereiten von Erdbeeren und Bananen mitmanschen zu lassen".

Kennzeichnungspflicht

Beim Übergang zu den verpackten Lebensmitteln erklärte die Expertin die deutsche Kennzeichnungspflicht: Verkehrsbezeichnung, Gewichtsangaben, Nährwertanalyse (ab 2016 generell), Zutatenliste und Mindesthaltbarkeitsdatum dürften nie fehlen.

Öle und Fette nahmen danach einen breiten Raum der Erklärungen ein. Rauch gab heimischen Rapsöl den Vorzug gegenüber südländischem Olivenöl. Beides gehöre aber unbedingt in dunkle Flaschen, um die Inhaltsstoffe zu bewahren. Vor dem Regal mit der fast unüberschaubaren Fülle an Fertigprodukten kommentierte sie: "Wir haben die Supermärkte in dieser Form, weil wir nicht mehr die Zeit haben, uns selbst etwas zu machen."

Während die Expertin generell keine Lebensmittel aus dem Angebot verurteilte, so lag ihr dennoch der zu häufige und üppige Genuss von Süßgetränken sehr am Herzen. "Bei der kontrollierten Umstellung von Limotrinkern auf Light-Versionen machte ich immer wieder die Erfahrung, dass keinerlei Gewichtsabnahme meiner Betreuten stattfand, obwohl es von der Kalorienzahl her eigentlich hätte sein müssen."

Noch deutlicher wurde Laura Kals: "Die Light-Schiene ist also eher ein Veralbern des Verbrauchers." Zurück führte Rauch dieses Phänomen auf die in Light-Artikeln notwendigen Zusatzstoffe. Nach der zweistündigen Veranstaltung fasste sie ihre Erklärungen in drei wesentlichen Aussagen zusammen: "Ein bisschen die Zutatenliste studieren, auf den Zuckergehalt achten und nicht von der Werbung verführen lassen."
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