Mit dem Fahrrad zum Auftritt

"Marabu" hieß die legendäre Nachkriegskapelle. Mitglieder waren (von links) Josef Bradatsch (Geige), Roman Rumpik (Geige), Franz Peyerl (Akkordeon und Gesang), Richard Hüttl (Gitarre und Gesang), Josef Pilfusek (Schlagzeug), Franz Stich (Kontrabass), Karl Ebnet (Trompete) und Franz Wagner (Trompete). Repro: fjo
Lokales
Waidhaus
13.02.2015
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Pünktlich zur Faschingszeit erwachen in Waidhaus die Erinnerungen an die legendäre Tanzkapelle "Marabu" besonders. Es gab noch kein Jahr und keinen Ball, wo die Klassiker des einst weitum bekannten Nachkriegsensembles fehlten.

Nicht nur bei den Gruppierungen des Musikvereins zählen beliebte Titel, wie der "Bradatsch-Walzer" oder "Der weise Marabu" zum festen Repertoire. Und wenn diese Melodien erklingen, kennt ganz Waidhaus den Text dazu und stimmt mindestens summend gerne mit ein.

Einige Eigenkreationen

"Warum hast du so traurige Augen, weil die Männer nichts taugen", lautet die erste Zeile des "weisen Marabus". Zwar entstammt der Refrain "So sprach der weise Marabu" einem gleichnamigen Schlager aus dem Jahr 1929, jedoch der Versteil dazwischen (Text und Musik) ist eine Eigenkreation der Marabu-Mitglieder. Auch das Lied "Erinnerung an Marabu" stammt beispielsweise von Josef Pilfusek.

Nun hat sich Ludwig Peyerl aus Pfrentsch intensiv mit diesem Phänomen beschäftigt. Der ehemalige Kämmerer des Marktes Waidhaus schuf in Erinnerung an die legendären Musiker eine DVD und CD. In beeindruckender Weise stellte er altes Bild- und Tonmaterial zusammen. Interviews mit Josef Lindner - als das letzte noch lebende Mitglied - und Zeitzeuge Willibald Ebnet sowie eigene Einspielungen von Titeln ergänzen das Werk.

"Legendär, unsterblich und unvergessen" ist für Peyerl die von 1946 bis 1962 existierende "Musikkapelle mit Kultstatus". Auch wenn der exakte Gründungstag im Dunkel liegt, so war es doch die Zeit des Kriegsendes, und Deutschland lag in Trümmern. In diesen schweren Jahren voller Hunger und Not gründete Musiklehrer Josef Bradatsch in Waidhaus die Tanzkapelle. Damals ahnte er noch nicht, welcher Erfolg diesem Ensemble beschieden sein sollte. Bald war das Orchester weit und breit bekannt und machte sich mit seiner hervorragenden wie einzigartiger Musik einen Namen, dem bis heute ein legendärer Ruf anhaftet.

Ebnet kommt in Peyerls Streifen als Zeitzeuge zu Wort: "Die wenn gesungen haben. Das war ja herrlich." Er ist der jüngere Bruder von Karl Ebnet, der Trompeter bei den "Marabus" war. Oft wurde er deshalb mit zu den Auftritten genommen. "Die richtige Kapelle ist angegangen, wie der Franz mitgespielt hat. Als sie eine Trommel brauchten, wofür das Fell eines schwarz geschlachteten Schafes gebraucht wurde", erinnert sich Ebnet.

Marabu das erste Lied

Neben so mancher Anekdote weißt Ebnet noch auf eine Besonderheit hin: "Hier hast du 'piano' und 'forte' auseinander gekannt, obwohl die 'Marabu' immer ohne technische Hilfsmittel, also ohne Verstärker, spielten." Mit den Fahrrädern strampelten sie zu den Terminen, auch im Winter bei Schnee und Kälte. Dabei hatten die Musiker die Instrumenten auf dem Rücken. Zur Frage nach dem Namen "Marabu" erklärt Ebnet: "Da haben's immer getüftelt, weil sie es nicht genau wussten. Marabu war der Name eines damals sehr bekannten Schlagers aus den 20er Jahren. Das nahmen sie immer als erstes Lied."

Interviewt hat Peyerl auch Bäckermeister Josef Lindner senior, der letzte noch lebende Musiker, der von 1953 bis 1962 das Akkordeon spielte. Handschriftliche Aufzeichnungen seines Vaters Franz Peyerl digitalisierte der Filmemacher ebenso mitten hinein, wie handgeschriebenes Notenmaterial. Neben den Violinisten Bradatsch und Roman Rumpik gehörten Franz Peyerl (Akkordeon und Gesang), Karl Ebnet (Trompete, Klarinette, Saxofon) und Josef Lindner (Akkordeon) zu der Truppe. Zudem waren Richard Hüttl (Gitarre und Gesang), Josef Pilfusek (Schlagzeug) Franz Wagner (Trompete), Ludwig Nahrhaft (Trompete), Franz Planek (Gitarre) und Franz Stich (Kontrabass) dabei.

Von Max Lieder, der von 1946 bis 1948 das Akkordeon spielte, konnte Peyerl bislang kein Foto und keine weiteren Unterlagen ausfindig machen. Als "kleines Zuckerl" steht am Ende des Films eine Anekdote um das Pinterkreuz auf Höhe der Freizeitanlage "Bäckeröd", die Lindner Peyerl exklusiv erzählte.
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