Nach altem Vorbild erneuert

Vorsitzender Franz Planner, Heiner Hierold, Stefan Mathy und Andreas Federl (von links) Freude freuen sich über die rechtzeitige Rückkehr der restaurierten Fahne. Bild: fjo
Lokales
Waidhaus
10.06.2015
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Um zu vermeiden, dass die Fahne des Veteranen- und Kriegervereins nicht als Kriegsgerät abgeliefert werden musste, hat sie der Zeugwart beim Einmarsch der Amerikaner verbrannt. Eine neue Fahne gab es 1955 bei der Wiedergründung des Krieger- und Soldatenvereins.

Die alte, 14 Jahre nach der Gründung angeschaffte und im August 1899 geweihte erste Fahne begleitete den Verein bis April 1945. In diesen letzten Tage des Zweiten Weltkriegs fand nach dem Einmarsch der Amerikaner die Schreckensherrschaft auch in Waidhaus ihr Ende. Aber: Alles Kriegsgerät musste abgeliefert werden und die Fahne der Feuerwehr war bereits ein Souvenir für die Befreier geworden. Dieses Schicksal wollte der Zeugwart nicht auch dem ihm vertrauten Stück angedeihen lassen und aus diesem Grunde verbrannte er im Stillen die alte Fahne noch schnell.

Wappen und Löwen

Bei der Wiederbelebung des Veteranen- und Kriegervereins 1953 und 1954 beschlossen die Mitglieder, sich schon zum 70. Gründungsjubiläum 1955 eine neue Fahne anzuschaffen. Diese trägt auf der linken Seite (blau) auf Samt das bayerische Staatswappen, getragen von zwei bayerischen Löwen, darunter das Wappen der Gemeinde Waidhaus. Das Ganze ist umrahmt mit dem damaligen Vereinsnamen "Krieger- u. Veteranenverein Waidhaus 1885 - 1955".

An den vier Ecken findet sich jeweils das eiserne Kreuz und darin die Jahreszahlen 1914, 1918, 1939 und 1945 - mit Lorbeer umrahmt. Die rechte Seite (weiß) zeigt einen auf dem Gefechtsfeld sterbenden Kameraden in Brand und Pulverdampf, dahinter das 1926 errichtete Waidhauser Kriegermahnmal zu sehen. Umrahmt von einer der wichtigsten soldatischen Grundsätze im Einsatz, der auch heute noch gilt: "Die Kameradschaft". Das Ganze an den vier Ecken auch hier umrahmt, diesmal mit den Kokarden von Infanterie, Panzertruppe, Luftwaffe und Marine.

Sie wurde am 10. Juli 1955 geweiht. Schirmherr war damals Kronprinz Rupprecht von Bayern. Als Fahnenpatin fungierte Gretl Char aus den USA, geborene Urban aus Waidhaus. All die Jahre und der Zahn der Zeit haben an ihrem "einst schönen ehrwürdigen Kleid genagt", wie Vorsitzender Franz Planner in einer Festausschusssitzung es formulierte. Die weiße Seite wurde zwar bereits 1987 und 1988 renoviert. Zum 125. Vereinsjubiläum 2010 zerfiel links der blaue Samtstoff an einigen Stellen und musste provisorisch durch eine Schneiderin bearbeitet werden.

So fiel im vergangenen Jahr der Entschluss, nach 60 Jahren die traditionswürdige Vereinsfahne gründlich restaurieren zu lassen. Hierzu wurde die bereits 1988 renovierte weiße Seite gereinigt und eine umlaufende Goldborte angebracht. Die blaue Seite wurde mit bayerisch-blauem Samt komplett erneuert. Dabei konnte das bisherige Mittelmotiv wiederverwendet werden. Alle Stickereien blieben erhalten, wurden ausgebessert und verfestigt. Alle feinen filigranen Verzierungen wurden hingegen nach altem Vorbild erneuert.

Segnung am 12. Juli

Die Fahne erhielt neue Goldfransen, dazu eine neue Fahnenstange mit Halterung. Die alte silberne Löwenspitze mit dem weiß-blauen Rautenwappen ist wohl einmalig in Bayern und wurde wiederverwendet. Auch das Trauerband erhielt eine neue Soutache. Insgesamt wurde besonders darauf geachtet, dass es an der Traditionsfahne in Bezug auf Form, Ausführung, Farbe und dergleichen zu keinen Änderungen kam. Darauf legten die Vereinsmitglieder größten Wert. Der Segnung bei der 130-Jahr-Feier am Sonntag, 12. Juli, steht nun nichts mehr im Weg.
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