Strapazen nicht überlebt

Das Sterbebild des Unteroffiziers Andreas Reger aus Burkhardsrieth: "Er folgte seinem Vater, der im Weltkrieg 1914/18 in Russland, und seinen Brüdern Michael und Ludwig, welche im 2. Weltkrieg 1939/45 fürs Vaterland starben, im Heldentod nach." Repro: fjo
Lokales
Waidhaus
14.11.2014
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Bei den Gedenkfeiern am Wochenende erinnern sich die Menschen unter anderem auch an die vielen Toten von Stalingrad vor 70 Jahren. Damals war auch die Trauer in der Region groß.

Heimatforscher Karl Ochantel aus Vohenstrauß hat sich mit dem Elend der Kriegsgefangenen nach Stalingrad beschäftigt. Er suchte nicht nur in Archiven und Zeitungsberichten nach Zeugnissen, sondern bereiste auch die Schauplätze dieses dunklen Kapitels europäischer Geschichte.

Todesmärsche in Lager

Ende Januar 1943 meldete Moskau 16 800 Gefangene aus der Schlacht um Stalingrad. Nach der Kapitulation der 6. Armee unter Generalfeldmarschall Paulus am 2. Februar kamen nochmals etwa 91 000 hinzu. Dann begannen die Todesmärsche in die Lager um Stalingrad. Nach einem Monat lebten nur noch 35 000. Von den 75 000 Toten kennt man nur 25 000 mit Namen und Sterbedatum. Nur 6000 Häftlinge kamen zurück in die Heimat.

80 Jahre nach dem Ende des erbitterten Kampfs um Stalingrad, heute Wolgograd, haben Tausende Familien in Deutschland noch immer keinen Hinweis über den Verbleib ihrer Angehörigen. Um ihnen dennoch einen Ort des Gedenkens zu schaffen, hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Personalien der Vermissten von Stalingrad auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Rossoschka dokumentiert.

Im Lager von Frolowo starben bis 1945 etwa 4500 deutsche Soldaten, darunter der 21-jährige Josef Glaser aus Reichenau, im April 1943 der Kanonier Josef Glaser aus Hagendorf, am 17. Oktober 1944 der Obergefreite Georg Magerl aus Wusleben und am 13. Dezember 1944 der Gefreite Karl Nickl aus Tännesberg. Alle vier wurden zunächst in Frolowo bestattet und in den 60er Jahren nach Rossoschka westlich Stalingrad umgebettet. Auch Nickl erhielt dort ein Grab.

Der Eslarner Johann Kindermann galt seit Januar 1943 als vermisst. In Rossoschka fand auch der Obergefreite Joseph Weig aus Lohma seine Ruhe. Er war am 1. Oktober 1945 in einem Lager "im Raum Stalingrad" gestorben. Wie auch Obergefreiter Adam Tischler aus Burgtreswitz am 23. April 1945. Im Ural starb am 21. Januar 1945 der Gefreite Andreas Hanauer aus Isgier. Major Max Seibert aus Burkhardsrieth kam am 15. März 1943 auf dem Marsch nach Jelabuga um.

Weitere 2000 Gefangene

Donatus Zwicknagl aus Tröbes kam als Leutnant in Gefangenschaft. Am 2. Juli 1945 endete sein Leben im Lager bei Jelabuga. Im Friedhof von Uljanowsk an der Wolga liegen weitere 2000 deutsche Kriegsgefangene, darunter auch der Obergefreite Ulrich Sier aus Heumaden. Der Gefreite Jakob Meier aus Eslarn hat sein Grab in Orsk im Ural.

Albert Woppmann aus Altenstadt überlebte das Kriegsgefangenenlager Stalinsk im Osten von Nowosibirsk in Sibirien. Unter dem Titel "Mein Leben" hat er seine Erinnerungen über vier Jahre Kriegsgefangenschaft in Sibirien im Heft 35 der "Streifzüge" des Heimatkundlichen Arbeitskreises Vohenstrauß aufgezeichnet. Sein Bruder Hans schrieb seinen letzten Brief Anfang Januar 1943 aus Stalingrad. Sein Name steht in Rossoschka auf dem Würfel 104, Platte 9.

Viele Soldaten fanden ihr Grab 1944 auch in den Kriegsgefangenenlagern in der Ukraine. Darunter Johann Wendl aus Eslarn, Karl Kick aus Eslarn sowie Johann Scheinkönig, Franz Bauer und Reinhold Angermann aus Roßhaupt. Bei Donbas liegen die Gräber des Stabsgefreiten Johann Paul aus Peugenhammer und des Grenadiers Wilhelm Busch aus Tröbes, bei Taganrog das Grab des Unteroffiziers Andreas Reger aus Burkhardsrieth. 1945 starben die Eslarner Wilhelm Klug und Konrad Landgraf sowie Josef Bauriedl aus Pleystein, Franz Schweigl aus Moosbach im September 1949.

Bei Lugansk liegen die Gräber von Georg Baier aus Obertresenfeld und Josef Meiler aus Eslarn. Georg Schwab aus Waldkirch galt seit dem April 1945 in der Ukraine als vermisst. Sein Grab befindet sich heute jedoch, wie das von Hans Voit aus Pleystein, bei Lemberg in der Südukraine. Auch Alois Müller aus Waldkirch galt bis heute als vermisst, seine Ruhestätte befindet sich jedoch in Astrachan im Kaukasus.

Tod auf der Heimreise

Am Weihnachtstag 1945 starb Johann Sailer aus Waidhaus im Lazarett Tiflis. Erst im April 1968 teilte das Rote Kreuz mit, dass der Geschützführer Hans Rewitzer aus Pleystein im Juli 1945 in russischer Gefangenschaft umgekommen war. Sein Grab ist bei Karaganda in Kasachstan. Der Obergefreite Josef Plößner aus Waidhaus starb am 17. Oktober 1945 auf der Heimreise aus der russischen Kriegsgefangenschaft in Nowosibirsk.
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