Täglich werden an der Grenze Flüchtlinge aufgegriffen, darunter viele Kinder - Seit Juli über ...
"Fangerles" im Hof der Bundespolizei

Franz Völkl. Bild: ca
Lokales
Waidhaus
10.09.2015
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(ca) Ein Anruf bei Franz Völkl, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Waidhaus. Dienstagnachmittag. Der ganze normale Wahnsinn. Hier kommen täglich Flüchtlinge an. Nicht so viele wie in München. Aber seit 10. Juli sind es auch schon über 700 Menschen. Waidhaus gilt als Seitenarm der Balkanroute.

Wie ist die Lage?

Franz Völkl: Es kommen viele. Auch heute. Heute sind bei uns auf der Inspektion 46 Flüchtlinge aufgelaufen. Das ist zum Alltag geworden.

Welcher Nationalität?

Völkl: Heute sind es Pakistani, Iraker, Syrer, Afghanen. Sie waren zu Fuß bei Vohenstrauß und Lohma unterwegs. Seit dem Vormittag fährt alle paar Momente ein Polizeiauto vor und bringt Flüchtlinge. Auch die Kollegen der Inspektionen der Landespolizei Vohenstrauß und PIF Fahndung Waidhaus sind beteiligt.

Sind auch Kinder dabei?

Völkl: Na klar, jede Menge. Etwa acht. Die spielen Fangerles im Hof. Kleine Teddys haben wir ihnen auch schon gebracht. Unsere Streuartikel: "Toni, der Bär", Präventionsfigur der Bundespolizei.

Was ist die Aufgabe der Bundespolizei nach dem Aufgriff?

Völkl: Wir registrieren alle. Die Ermittler stellen ihre Fragen - dann schicken wir die Neuankömmlinge in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Regensburg weiter. Heute war es etwas mühsam, weil kaum jemand Englisch gesprochen hat. Bei den Afghanen und Pakistani geht alles nur über Farsi-Dolmetscher. Syrer können in der Regel ganz gut Englisch.

Wie kommen Ihre Kollegen mit der Arbeitsbelastung zurecht?

Völkl: Es ist eine extreme Belastung, weil das mittlerweile jeden Tag so geht. Wir haben seit 10. Juli von der Grenze 726 Flüchtlinge registriert. Dazu haben wir 2000 illegal Eingereiste aus Freyung zur Sachbearbeitung übernommen. Aus dem "Alex" haben die Kollegen in Weiden seit Januar 624 Personen geholt, aus Fernbussen 122.

Jetzt soll die Bundespolizei Verstärkung bekommen. 3000 neue Beamte sind angekündigt.

Völkl: Zunächst geben wir ab Mittwoch 15 Kollegen nach München an den Hauptbahnhof ab. Sie bleiben dort bis 13. September. Unser Chef Uwe Landgrebe ist ebenfalls in München, er gehört dem Krisenstab der Bundespolizei an.

Sie brauchen hier doch auch Beamte.

Völkl: Ich sag' mal: Da unten brennt's eben noch besser als bei uns. Man sieht ja, was momentan in München läuft.

Bisher nutzen Sie Ihre große Garage als "Auffanglager". Wir haben September. Wie lange geht das noch?

Völkl: Jetzt wird's schon frisch. Die Toiletten sind auch ein Problem. 50 Leute und eine Toilette, das können Sie sich ja mal vorstellen. Wir haben schon WC-Container beantragt.

Na dann: Halten Sie die Ohren steif!

Völkl: Natürlich. Und unsere Gegenüber hier, die haben da schon viel Schlimmeres erlebt.

Anm. der Red.: Noch ehe das Interview zum Abdruck freigegeben war, ergab sich ein weiterer Großeinsatz für die Bundespolizei: In Wernberg wurden 51 Iraker festgestellt, die in einem 7,5-Tonner eingeschleust worden waren. Sie waren in Serbien zugestiegen und 18 Stunden im Lkw unterwegs. Der Schleuser konnte festgenommen werden.
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