Waidhaus zwischen den Fronten

Der Pfrentschweiher (links oben) und die Ortssilhouette von Waidhaus (obere Bildmitte) bilden gute Orientierungspunkte zum Ausmaß der damaligen Ereignisse auf jenem fast 400 Jahre alten Dokument im Marktarchiv. Repro: fjo
Lokales
Waidhaus
27.02.2015
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Die Vorboten des Dreißigjährigen Kriegs zeichneten sich schon 1615 ab. Waidhaus nahm wegen der Lage an der Grenze zwischen Böhmen und Bayern ein besondere Rolle ein. Die Muskelkraft der Bürger und viel Geld waren gefragt.

Nur der Pfrentschweiher überdauerte friedlich und still jene leidvolle Zeit, die vor knapp 400 Jahren über das ganze Land hereinbrach. Ab 1615 verdichteten sich die Vorboten des Kriegsausbruchs zwischen Protestanten und Katholiken deutlich. Mit den Böhmisch-Pfälzischen Kämpfen begann eine kaum enden wollende Schreckenszeit in ganz Europa: der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648).

Augsburger Religionsfrieden

Die Vorbereitungen an der Grenze zwischen Böhmen und Bayern erreichten ihren ersten Höhepunkt. Bereits seit 1534 war Waidhaus lutherisch, da es zur Herrschaft Burgtreswitz zählte. Daran änderte auch der Augsburger Religionsfrieden des Jahres 1555 nichts. Er hielt nicht lange, denn immer mehr verschärften sich die konfessionellen Gegensätze, was 1608/09 die Fronten beider christlichen Seiten enorm verhärtete.

Die Protestanten vereinigten sich zur Union und die Katholiken Mitteleuropas zur Liga inklusive der Aufstellung entsprechender Heere. Dem Grenzübergang Waidhaus galt ein besonderes Augenmerk. Mindestens seit dem Mittelalter benützten die Völker diesen Pass inmitten der ausgedehnten Wälder und Bergketten zwischen Böhmen und Bayern, wenn sie zwischen Osten und Westen hin und her zogen.

Die Grenzsicherung brachte für Waidhaus über die Jahrhunderte auch immer große Beschwernisse mit sich. Selbst wenn es Soldaten aus den eigenen Lagern waren, so mussten doch Einquartierungen, die Verpflegung und mehr noch die Kampfhandlungen mit hingenommen werden. Im Zusammenhang mit den Vorboten des Dreißigjährigen Kriegs war die erste Reiterkompanie mit 150 Mann kaum der Rede wert, als sie vom 15. März bis 4. April 1610 bei Waidhaus ihr Lager aufschlug.

Im Jahr darauf starteten mit der ersten Schneeschmelze die Arbeiten zum Aufwerfen großer Schanzen als Schutzanlagen. Die Arbeitsdienste von bis zu 200 Männern gleichzeitig, die aus der ganzen Region an die Grenze beordert wurden, sind in den Archiven belegt. Nicht nur um Waidhaus wurden dabei Wälle aufgeworfen und Gräben angelegt, sondern auch bei Eslarn und Bärnau.

Pässe gesperrt

Außerdem ließ der Amberger Landrichter die Pässe hinüber nach Böhmen sperren, was jedoch nur wenige Monate Bestand hatte. Die Grenze war von da an ständig überwacht und es wechselten sich im Dienst die Pleysteiner, Treswitzer und Nabburger Fähnlein ab. Auch diese mussten von den Waidhausern untergebracht und versorgt werden. Die jeweils rund 200 Mann starken Kompanien tauschten im 14-Tages-Rhythmus.

In Eigenleistung verstärkten die Waidhauser den Wall um ihren Friedhof, der damals noch rund um die Pfarrkirche lag. Der Damm des Pfrentschweihers wurde mit viel Geld und technischem Aufwand völlig restauriert.

Prager Fenstersturz

In ganz Europa ging derweil die Zersplitterung der Landstriche und Menschen im großen Tempo weiter. Es sollten jedoch noch drei Jahre dauern, bevor das erste Heer mit 2000 Mann durch Waidhaus nach Pilsen zog, um die Stadt nach zwei Monaten Belagerung einzunehmen. Der Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 gilt historisch als Beginn des Dreißigjährigen Kriegs, und die Schlacht am Weißen Berg bei Prag war darauf folgend im November 1620 die erste große Kampfhandlung.

Beide Heere lagen sich dann im Sommer 1621 erneut bei Waidhaus gegenüber und die Region bildete über Monate hinweg die direkte Front zwischen beiden Parteien. Über die Kriegshandlungen und das Lager Waidhaus wurde noch im selben Jahr eine eigene Zeitung (Flugblatt) gedruckt.

Ein Original jenes Kupferstichs kaufte der Markt 1998 über ein Schweizer Antiquariat, das nun einen großen Schatz im gemeindlichen Heimatarchiv darstellt. Die Mitglieder des Heimatkundlichen Arbeitskreises greifen immer wieder auf das fast 400 Jahre alte Exemplar zu weiteren Forschungsansätzen zurück. Denn die gut erklärte Darstellung zeigt die Szene aus der Anfangszeit des Dreißigjährigen Kriegs, wie sich die Truppen des Ernst von Mansfeld (protestantisch) und die bayerische Armee (katholisch) unter Herzog Maximilian I. und von Tilly im Juni 1621 gegenüberlagen.

Bayerisches Übergewicht

Geschaffen hat den Kupferstich Raphael Sadeler, der als Münchner im Auftrag des bayerischen Herzogs unterwegs war. Von daher ist auch die Sicht von Roßhaupt her und das zeichnerische Übergewicht des bayerischen Heers zu erklären.
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