Daoud Nassar spricht über Konflikt im Westjordanland
Feindschaft endlich beenden

Daoud Nassar und Gunhild Stempel kennen sich aus einer langen gemeinsamen Zeit in Palästina. Bild: fjo
Politik
Waidhaus
16.09.2016
69
0

Mit "persönlich bestens bekannt" stellte Gunhild Stempel einen außergewöhnlichen Gast in der Autobahnkirche vor. Daoud Nassar lebt zwischen Bethlehem und Jerusalem in Palästina.

Fast zwei Stunden lang nahm der Referent aus dem Nahen Osten die vielen Zuhörer am Mittwochabend mit auf Reise in ein weltweit kaum noch beachtetes Krisengebiet. Als Beauftragte der evangelischen Kirche, die selbst lange Zeit in Palästina Seelsorgearbeit leistete, übernahm Stempel im Auftrag des ökumenischen Trägervereins der Autobahn- und Radwegekirche die Einführung.

Im Vortrag berichtete der 46-jährige Palästinenser über seinen langen gewaltfreien Einsatz für Gerechtigkeit und Versöhnung im israelisch besetzten Westjordanland. "Wir weigern uns, Feinde zu sein" lautete der anspruchsvolle Titel, dem der evangelische Christ vollkommen gerecht wurde. Als Gründer und Betreiber des christlich motivierten Friedensprojekts "Tent of Nations" (Zelt der Völker) überraschte der weit gereiste Gast vor allem durch sein hervorragendes Deutsch. "Wir tragen Verantwortung für 10 000 Menschen, nicht nur für uns." Mit welchen Hürden, Schikanen und Übergriffen die Bevölkerung im ausgerufenen Siedlungsland der Israelis zu kämpfen hat, untermauerte der Besitzer eines Olivenhains und von Weinbergen in Beit Jala deutlich mit vielen Fotos. "Vor zwei Jahren wurden meine Olivenbäume und Weinstöcke einfach zerstört. Das tut weh."

Illegale Siedlungen


Die israelitischen Siedlungen bezeichnete Nassar "nach internationalem Recht als illegal". "Ich darf auf dem Land meiner Vorfahren nicht bauen. Und die Welt oder die UN machen nichts dagegen. Von Seiten der Israelis heiße es oft nur lapidar: "Das ist biblisches Land, das gehört uns." Er erklärte: "Platz wäre genug. Man sollte das Leben gemeinsam gestalten." Eine Lösung sah der Palästinenser "bei mehr internationalem Druck". Da genau das Gegenteil der Fall sei, wachsen die Kinder auf beiden Seiten mit Hass auf.

Die Versöhnungsarbeit hielt er auch vor dem Hintergrund von alleine 13 verschiedenen christlichen Konfessionen für möglich. Der friedliche Widerstand gründe in einem Ausbau der Infrastruktur durch ungewöhnliche Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Bauen von Höhlen oder dem Schaffen von Zeltplätzen für Übernachtungsgäste. "Das ist unsere Hilfe zur Selbsthilfe, bei der wir finanzielle Mithilfe benötigen, um nicht abhängig zu werden", bat er die Zuhörer um Unterstützung. Nur auf diesem Wege sei auch der Bau neuer Zisternen und kleinerer Solaranlagen oder der Kauf eines gebrauchten Traktors machbar. Vielen Fragen beantwortete er im zweiten Teil des Abends, wobei Dr. Reinhold Then von der Bibelpastoralen Arbeitsstätte der Diözese Regensburg die Moderation übernahm. Der Eintritt war frei, doch spendeten die Zuhörer am Ende für das vorgestellte Projekt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.