Historische Verbindung

In Rozvadov ist Borivoj Vrabec Bürgermeister, in Waidhaus Margit Kirzinger. Beide stehen an der Straße, die die Partnergemeinden direkt miteinander verbindet. Bilder: fjo
Politik
Waidhaus
05.08.2015
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Städtepartnerschaften entstehen aus unterschiedlichsten Beweggründen. Eine gemeinsame Grenze haben jedoch die wenigsten.

Die 1993 mit Rozvadov (Roßhaupt) geschlossene Verbindung ist etwas Besonderes. Schon im 16. und 18. Jahrhundert nahm die Geschichte in beiden Kommunen einen ähnlichen Verlauf. Längst arbeiten beide eng zusammen, um vor allem gemeinsame Probleme zu lösen. Der alte Grenzübergang an der Waidhauser Landstraße verbindet beide Gemeinden noch immer. Er blieb für den regionalen und überregionalen Pkw-Verkehr erhalten. Vor allem Pendler und Ausflügler benutzen diesen Übergang weiterhin gerne, da ab dem Autobahngrenzübergang in Tschechien Vignettenpflicht besteht.

Riesige Unterschiede

Die Unterschiede in beiden Nachbargemeinden sind immer noch riesig. 568 Einwohner hat Roßhaupt auf seinem 5489 Hektar großen Gebiet, in Waidhaus sind es 2200 auf nur 3733 Hektar. Dennoch gibt es in der tschechischen Partnergemeinde drei Supermärkte, zwei Casinos, einen Baustoffhandel und mehrere Vietnamesenmärkte. Auch ein großes Museum ("Iron Curtain") hat Roßhaupt unmittelbar am Grenzübergang. Casinos, Tankstellen, Kolowrat-Forstverwaltung und Duty-Free-Shops bieten die meisten Arbeitsplätze. Auf Waidhauser Seite nehmen hier die Behörden den größten Stellenwert ein.

Beiden Orten ist die historisch gewachsene Struktur mit einer alles entscheidenden Durchgangsstraße noch deutlich anzumerken. Über Jahrhunderte führte die Handelsstraße von Nürnberg nach Prag über Waidhaus und Roßhaupt. Seit über einem Jahr ist Margit Kirzinger Bürgermeisterin in Waidhaus. Für ihren Kollegen Borivoj Vrabec begann bereits die zweite Amtszeit.

Das gastronomische Angebot ist auf beiden Seiten groß. Waidhaus punktet mit der Freizeitanlage "Bäckeröd", die viele Gäste aus Böhmen besuchen. Überhaupt ist Waidhaus in Sachen Tourismus gut aufgestellt. Über 30 Gastgeber nehmen Urlauber auf. Roßhaupt legt darauf weniger Stellenwert. Die Leerstände an Gebäuden halten sich momentan fast die Waage, während Waidhaus hier Probleme hat. Zu 18 Objekten werden in den nächsten Jahren weitere hinzukommen.

Die Bevölkerungsentwicklung verläuft ebenfalls ungünstig. Kaum ein Ort in der Oberpfalz hat einen solchen Strukturwandel erlebt wie Waidhaus durch den Fall des Eisernen Vorhangs mit der Folge eines unerträglichen Verkehrsanstiegs auf der B 14. Die Eröffnung der Autobahn 1997 brachte zwar eine spürbare Erleichterung, es fahren aber immer noch dreimal soviel Autos durch den Ort wie vor der Grenzöffnung.

Der Grenzübergang hat an Bedeutung verloren mit erheblichen Folgen für Gewerbe, Wirtschaft oder Gastronomie, während in Roßhaupt Häuser und Wohnungen vor allem bei Grenzgängern sehr beliebt sind. Mit Hilfe von Fördermitteln bauten die Tschechen vier Gebäude mit 37 Wohneinheiten. Das riesige Gelände des einstigen Autobahn-Grenzübergangs steht seit vielen Jahren ohne Konzept da.

Der Durchgangsverkehr ist in Waidhaus wegen zahlreicher Tank- und Zigarettentouristen viel größer. Daher gibt es in Waidhaus kaum noch Läden entlang der stark frequentierten Straße. Eine Dienststelle der Grenzpolizei konnte sich nur Waidhaus mit der Polizeiinspektion Fahndung sichern.

Natur und landschaftliche Schönheiten lassen sich in beiden Grenzgemeinden entdecken und erkunden. Etwas über 100 Katholiken leben in Roßhaupt, nur 8 sind regelmäßige Kirchgänger. Knapp 1800 werden in Waidhaus gezählt, davon besuchen 300 die Gottesdienste. Schule und Kindertagesstätte sind auf beiden Seiten gut ausgestattet, Probleme bereiten die Schülerzahlen. Beide Gemeinden bemühen sich allerdings, ihren Schulstandort um jeden Preis zu halten. Zusätzlich befindet sich im Roßhaupter Ortsteil Nové Domky im Gebäude der ehemaligen Grenzschutzkompanie eine Erziehungsanstalt und ein Kinderheim mit einer Schule.

Es bleibt spannend

Waidhaus kann hier im Gegenzug mit den Häusern der Dr. Loew soziale Dienstleistungen aufwarten. In den über 20 Jahren der partnerschaftlichen Verbundenheit taten sich längst viele weitere Gemeinsamkeiten auf. Der weitere Werdegang bleibt also spannend - auf beiden Seiten.
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