Quo vadis, Grenzübergang?

Selbst am Wochenende liefen die Fräsarbeiten für den Rückbau der Asphaltflächen am einstigen Grenzübergang nach Tschechien. Bilder: fjo (2)
Politik
Waidhaus
02.11.2016
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Wenigstens ein von Jürgen Metzger (Mitte) liebevoll rekonstruiertes Modell erinnert an die Blüte des Grenzübergangs, wobei der Hobbybastler auf die Unterstützung von Vorsitzendem Andreas Ringholz (links) und Paul Zetzlmann zählen kann.

1946 beginnt der Aufschwung des alten Grenzübergangs an der Waidhauser Landstraße. 70 Jahre später läuft jetzt der Rückbau. Schon bald wird nicht mehr viel an die legendäre Nahtstelle zwischen Ost und West erinnern.

(fjo) Noch bis Mitte der 1960er Jahre hatte die Region das Alleinstellungsmerkmal des einzigen Durchlasses zwischen Bayern und Böhmen. Ein- oder Ausreisen durften trotzdem nur Diplomaten, Angehörige offizieller Dienste, Sportler oder Prominente wie Karel Gott. Dies war für die Waidhauser Geschäftswelt dennoch sehr einträglich, da die Reisenden kurz vor der Grenze gerne übernachteten und sich mit Konsumgütern eindeckten.

Diplomatenstraße


Die damalige B 14 wurde deshalb in jener Zeit und noch lange danach weder als Goldene noch als Verbotene Straße, sondern vielmehr als Diplomatenstraße bezeichnet. Als auch diese Zeit zu Ende ging und im Dezember 1989 endgültig mit dem Zerfall des Ostblocks eine neue politische Epoche startete, änderte sich wieder alles.

Ins Abseits


Spätestens mit der Eröffnung der Autobahn entwickelte sich der alte Grenzübergang mit all seinen Funktionen und Einrichtungen immer mehr zum Abstellgleis. Zur Unterscheidung zwischen der neuen und der alten Route hinüber ins Böhmische bot sich der Name "Waidhauser Landstraße" für die zur Staatsstraße zurückgestuften B 14 förmlich an.

Die Herabsetzung auf dem Papier war die eine Seite. Spätestens seit der Einführung der Autobahnmaut auf tschechischer Seite wichen Tausende Autos und Lastwagen wieder auf den alten Übergang aus.

Trotzdem verfielen die leerstehenden Grenzanlagen zusehends. Sehr zum Leidwesen des Waidhauser Marktrats und des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Gegen das von staatlichen Stellen vorgebrachte Argument der Verkehrssicherheit kamen die Waidhauser jedoch nicht an. Die Überdachungen wurden als Gefahr für den Grenzverkehr eingestuft. Daraufhin baten die Waidhauser, eine geringfügige Verlegung der Straße zu prüfen. Diese lehnten die Behörden als nicht realisierbar ab und ließen alle Grenzeinrichtungen abbauen.

Jetzt, im Zuge der Renaturierung des historischen Areals, erfolgt plötzlich genau diese damals vorgeschlagene Linienänderung. Da die Grenzanlagen verschwunden sind, ist man im Waidhauser Rathaus keineswegs über die neue Straße erfreut. Vielmehr steht die Frage im Zentrum: "Was ist vom Eisernen Vorhang geblieben?" Denn tatsächlich erinnert in der Umgebung von Waidhaus immer weniger an die Zeit des Kalten Krieges und die einstige Undurchlässigkeit dieser besonderen Landesgrenze.

Erdboden gleichgemacht


Von den ehemaligen, bis 1989 besonders gesicherten Übergängen ist heute nicht mehr viel zu sehen. Auch die von 1997 bis 2007 von tschechischen und deutschen Kontrollbeamten gemeinsam genutzten Gebäude am Autobahngrenzübergang Rozvadov/Waidhaus lassen nur noch erahnen, dass sich dort einmal tschechische und deutsche Kontrollstellen befanden. Viele Gebäude wurden bereits abgerissen, umgebaut oder werden anderweitig genutzt - und ein Ende dieses Prozesses ist nicht abzusehen.
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