76 Menschen im Lastwagen
Ungarischen Schleusern wird der Prozess gemacht

Dieses Bild bot sich tschechischen und bayerischen Polizisten am 31. Juli bei einer Kontrolle an der E 5 kurz vor Waidhaus. 76 Pakistani und Syrer befanden sich auf der Ladefläche dieses Lastwagen, darunter auch 15 bist 20 Kinder, die weiter hinten am Boden saßen. Bild: Bundespolizei Waidhaus
Vermischtes
Waidhaus
04.02.2016
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Ein Bundespolizist hat die gespenstische Szene fotografiert, als die blaue Plane des Lasters angehoben wurde. 76 Menschen - Männer, Frauen und Kinder - standen auf der Ladefläche. Am Freitag, 31. Juli, hatte die tschechische Polizei den 7,5-Tonner um 7.45 Uhr auf der E 5 bei Bor gestoppt, etwa 25 Kilometer vor dem Grenzübergang Waidhaus.

In der Fahrerkanzel saßen zwei Ungarn, genannt "der Dicke und der Dünne", 39 und 51 Jahre alt. Sie standen schon vor der Festnahme im Visier der deutschen und tschechischen Ermittler. Drei Wochen lang hatte sich im Juli 2015 der immer gleiche Spuk wiederholt. Immer am Wochenende, an Freitagen oder Samstagen, liefen plötzlich scharenweise Flüchtlinge umher. Ausgesetzt bei Waidhaus und Vohenstrauß. Einmal fast in Sichtweite der Bundespolizei, bei der Silbergrube.

Am 10., 17. und 25. Juli ging das so. Jeweils rund 60 Passagiere konnten eingesammelt werden, wurden vom Roten Kreuz gut versorgt, von der Bundespolizei registriert und befragt und schließlich nach Regensburg in die Erstaufnahmeeinrichtung gebracht. Etliche der Zeugen beschrieben einen blauen Iveco-Laster mit weißer Aufschrift. Sie schilderten die Fahrt ab Budapest, 18 Stunden eingepfercht auf der Ladefläche, ohne Zwischenstopp.

Am Freitag, 31. Juli, war die Bundespolizei und die tschechischen Kollegen bereit. Noch einmal sollte der "Coup" nicht gelingen. Am Morgen war es soweit: An der E 5 in Richtung Deutschland wurde der verdächtige blaue Lkw kontrolliert. Ein Volltreffer. Im Lastwagen stießen die Beamten auf 76 Menschen. Die Erwachsenen standen aufrecht, am Boden kauerten Kinder.

Die Einnahmen müssen enorm gewesen sein. Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer spricht von 300 bis 1000 Euro, die pro Person geflossen sein sollen. Das ergibt bei insgesamt 180 Geschleusten ein Salär von 54 000 bis 180 000 Euro. Jetzt wird den ungarischen Schleusern in Tschechien der Prozess gemacht. (Seite 23)

Einer der beiden ungarischen Schleuser wird auch für eine Fahrt von Budapest nach Sachsen verantwortlich gemacht. 23 Menschen sollten im Klein-Lkw geschleust werden. Als der Transporter in Ungarn eine Panne hatte, holten die Schleuser einen Abschleppwagen. Nicht, um den defekten Kleinlaster zurückzubringen. Nein, sie zogen den kaputten Lkw auf die Ladefläche und fuhren einfach den Rest der Strecke Huckepack bis Deutschland - mit 23 Afghanen im Laderaum.

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