Barrierefreiheit im Rathaus
Oma muss noch unten bleiben

An der freien Wandfläche vor dem Aufgang wird der ideale Platz zur Installation eines Podestlifts gesehen. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
20.11.2016
47
0

Bücherei, Trauzimmer, Sitzungssaal und Ausstellungen sind im Rathaus für Rollstuhlfahrer und Rollatorenbenutzer unerreichbar. Das muss sich unbedingt ändern, meint die SPD-Marktratsfraktion.

Um mit diesem Antrag im Marktrat mangels Finanzierbarkeit eine sofortige Abfuhr zu umgehen, bauten die SPD-Räte mit Lösungsvorschlägen vor. Freilich brächte ein Aufzug den größtmöglichen Komfort, und die Marktgemeinde könne mit 20 Prozent Fördergeldern rechnen, sagte Bürgermeisterin Kirzinger. Doch die Kosten hierfür würden sich im sechsstelligen Bereich bewegen.

Ein barrierefreier Zugang zu allen Räumlichkeiten im Rathaus sollte jedoch Standard sein und die Kommune hier "mit gutem Beispiel vorangehen". Eine konkrete Besichtigung durch Vertreter des VdK hätte zwar im gesamten Ort ein Augenmerk auf die Thematik bestätigt, aber als "einziges Manko" den ersten Stock im Rathaus deutlich herausgestellt. Ein robuster Treppenlift, der an der Seite entlang fährt, soll die kostengünstige Alternative gegenüber einer vollwertigen Aufzuganlage sein. Als Favorit unter den verschiedenen Angeboten präsentierte die Bürgermeisterin eine Variante mit Podest, ausgeführt als Plattformlift. Erste Anfragen bei Anbietern und Recherchen im Internet hätten einen Kostenrahmen zwischen 20 000 und 25 000 Euro ergeben.

Bedenken von Harrer


CSU-Sprecher Stefan Harrer war von der Podestlösung nicht überzeugt, da hierfür eine "wesentliche Treppenbreite in Anspruch genommen" werde und die Kostenmehrung gegenüber Sitzausführungen zu hoch ausfalle. Aus ihrer täglichen Berufspraxis zeichnete Markträtin Monika Zeitler-Kals daraufhin ein umfangreiches Bild, welche Probleme ein bloßer Treppenlift in einem öffentlichen Gebäude mit sich brächte. Viele Behinderte seien auf ihr Fahrzeug angewiesen und andere auf Unterstützung beim Umsetzen. Außerdem bräuchten diese Ausführungen immer jemand, der die unten verbleibenden Rollstühle oder Rollatoren dann nach oben schaffen müsste, damit für die Nutzer nicht am Treppenende Schluss sei mit der Bewegungsalternative. Einen weiteren Aspekt sprach die Bürgermeisterin an. Ihre Auflistung von Problemen, welche es bei Trauungen schon gegeben habe, ließ das Gremium aufhorchen: "Da gibt es immer wieder Omas und Opas der Brautpaare, die lieber unten bleiben, weil sie das Treppensteigen nicht mehr bewältigen können. Das tut mir schon weh."

Die daraufhin einstimmige Verabschiedung des Antrags in die Haushaltsberatungen des nächsten Jahres erfreute Kirzinger, wofür sie dem Marktrat für die "allgemeine wohlwollende Unterstützung" besonderen Dank aussprach.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.