Bertha Eschenbecher feiert 101.Geburtstag
Jüngste Meisterin der Welt

Neffe Hans-Jürgen Wessel kümmert sich seit Jahrzehnten um seine Tante Bertha Eschenbecher, zu deren 101. Geburtstag stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger auch als Waidhauser Bürgermeisterin gratulierte. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
19.05.2016
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Allein das Geburtsdatum von Bertha Eschenbecher klingt historisch: 18. Mai 1915. Eine derart abwechslungsreiche Epoche erlebt zu haben, macht diesem Geburtstagskind so schnell niemand mehr nach. In ihrem Langzeitgedächtnis ist vieles davon verankert.

Der Kinderzeit in den goldenen 20er Jahren folgte eine Jugend in der aufkommenden NS-Diktatur, die in den Zweiten Weltkrieg mündete. Die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre prägten ihre Zeit als junge Frau. Darauf folgte ein bis heute andauernder Friede mit einem Aufstieg Deutschlands zu den reichsten Nationen weltweit. Von der rasanten Entwicklung technischer Errungenschaften ganz zu schweigen. Dazu kam die besondere Geschichte an der Nahtstelle zwischen Ost und West, zumal Bertha Eschenbecher fast unmittelbar an der Hauptstraße lebte.

Landrätin gratuliert


Ohne jegliche Sehhilfe liest die 101-Jährige noch heute, da machten die Glückwunschkarten keine Ausnahme. Bürgermeisterin Margit Kirzinger übermittelte ihrer "lieben Bekannten" am Mittwoch auch als Stellvertreterin von Landrat Andreas Meier die Glückwünsche von Landkreis und Marktgemeinde. Außerdem überreichte sie im Auftrag des bayerischen Ministerpräsidenten eine vergoldete Silbermedaille mit dem Bild der Patrona Bavaria.

Erst seit knapp fünf Jahren zählt sie zu den Bewohnern des "Seniorenhauses im Naturparkland". Zuvor war die Bahnhofstraße ihr Zuhause. Geheiratet hat Eschenbecher nie und auch keine eigenen Kinder bekommen. Neffe Hans-Jürgen Wessel aus Eslarn kümmert sich seit Jahrzehnten mit großer Hingabe um sie. Ehemalige Nachbarn, Freundinnen, viele Bekannte und Verwandte besuchen sie obendrein. Ihren Vater hatte sie nicht mehr kennengelernt, er fiel im Ersten Weltkrieg in Frankreich.

Meister-Urkunde


Als richtige Grenzgängerin erlernte sie das Schneiderhandwerk im böhmischen Nachbarort Roßhaupt. Die Meisterprüfung folgte im 1949 in der Oberpfalz. Die dazugehörige Urkunde hütet sie wie einen Schatz, ist doch darauf in großen Ziffern ihr Geburtsjahr fälschlicherweise mit 1949 angegeben worden: "Damit bin und bleibe ich die jüngste Meisterin der Welt", scherzt sie noch immer, erklärt ihr Neffe.

Eine Frohnatur, die gerne bei Späßen mitmacht, ist sie sowieso geblieben. Bei der einstigen Firma Drabsch in Berglerschleif arbeitete sie, und dann in der Stoffabteilung als Verkäuferin bei Hertie in Weiden bis in die 70er Jahre hinein. Ihre hervorragende Alt-Stimme stellte das Geburtstagskind bis in hohe Alter hinein dem Waidhauser Gesangsverein 1910 zur Verfügung.

Die Feier im Seniorenhaus begleitete Helmut Moll musikalisch. Heimleiterin Martina Kindl, Heike Eidam von der Pflegedienstleitung und Ergotherapeutin Theresa Pulsfort mischten sich unter die Gratulationsschar. In ihrem langen Leben war das Geburtstagskind auch noch nie richtig krank und kaum im Krankenhaus. Fit, gesund und lustig zu sein, bewahrte sie sich vielmehr als bis heute prägende Eigenschaften. Nur das Gedächtnis ist nicht mehr so gut.

Ein kaum zu übersehendes Denkmal setzte sich die einst fleißige Gottesdienstbesucherin selbst. Viele Jahre blieb sie als Stifterin der großen Uhr an der Autobahnkirche anonym. Das wollte sie so.
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