Bilanz der vergangenen 25 Jahre
620 Goldringe kuriosester Fund

Der Marktrat vor 25 Jahren. In der ersten Reihe saßen Bürgermeister Gustl Reichenberger (Mitte) sowie seine Nachfolger Anton Schwarzmeier und Margit Kirzinger (von rechts). Archivbild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
27.05.2016
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Das Erbe für die erste weibliche Geschäftsleiterin im Waidhauser Rathaus ist groß. 25 Jahre war Josef Forster im Amt. Was in dieser Zeit alles passierte, hat Nachfolgerin Kerstin Wilka-Dierl recherchiert.

, 401 Marktratssitzungen mit 7663 Beschlüssen und eine Summe von 157,15 Millionen Euro zeugen von der Lebendigkeit einer doch etwas besonderen Grenzlandkommune in den zweieinhalb Jahrzehnten. Waidhaus war 1991 in Aufbruchstimmung. Hochrangige Politiker und Wirtschaftsfunktionäre gingen im Rathaus ein und aus. Die Grenzen waren gefallen, die ersten Kontakte zu den tschechischen Nachbarn geknüpft, und die deutsche Wirtschaft wollte den Ostmarkt erschließen.

Großes Verkehrschaos


Die Öffnung brachte aber auch sofort ein unbeschreibliches Verkehrschaos mit sich. Gustl Reichenberger war seit Oktober 1986 Bürgermeister, der seinen Heimatort weg von der Grenze in den Mittelpunkt rücken und das Alleinstellungsmerkmal Grenzübergang nutzen wollte. Die Wirtschaft sollte angekurbelt, Einwohner dazugewonnen und der Ort attraktiver werden. Ein Gewerbegebiet musste her, Nachfrage war genug, und wer in Waidhaus arbeitete, sollte auch hier wohnen. Also schnell noch ein neues Baugebiet, und zwar "Am Gänsbühl".

Der alte Ortskern rief nach einer Sanierung, zumal das Rathaus bereits umgebaut und aufwendig renoviert worden war. Das Umfeld war weniger schön, also begannen die Planungen zur Umgestaltung von Schulstraße, Kirchplatz und südlichem Marktplatz. Die neuen Bürger und Gewerbebetriebe brauchten Wasser. Also wurden drei neue Tiefbrunnen hinter der Ruhrgas gebohrt und ein Hochbehälter mit Aufbereitungsgebäude in den Stockwiesen gebaut. Pfrentsch, Hagendorf, Reinhardsrieth und Reichenau waren noch ohne Kanalisation. Die ersten Planungen zu den jeweiligen Abwasserkonzepten begannen. Viele Straßen waren marode und sollten saniert werden.

Die Freizeitanlage "Bäckeröd" stand im Bau und bescherte reichlich Diskussionsstoff. Der erste Fremdenverkehrsprospekt mit Unterkunftsverzeichnis entstand fast nebenbei. 1992 beschloss der Marktrat ein Patengeschenk für Neugeborene in Höhe von 200 D-Mark. Die von den Bürgern geforderte Einrichtung eines Kinderhorts erlitt jedoch eine Abstimmungsniederlage.

Zur Erinnerung an den 23. Dezember 1989 wurde im tschechischen Novy Domky 1993 ein Gedenkstein aufgestellt und eingeweiht. Im gleichen Jahr schlossen die Waidhauser auch einen Vertrag mit Rozvadov zur Vertiefung der nachbarschaftlichen Beziehungen, weshalb die Pilsener Straße in Roßhaupter Straße umbenannt werden sollte. Die Markträte lehnten dies jedoch ebenfalls ab.

Viele illegale Grenzübergänger ließen in und um Waidhaus herum so manches liegen. Neben Geldbörsen und Rucksäcken waren sogar einmal 620 Goldringe dabei, die als Fundsache im Rathaus landeten. Die vergessenen oder abgelaufenen Pässe stellten die Bediensteten der Marktgemeinde darüber hinaus vor neue Aufgaben, weniger die erstmals eingeführte gleitende Arbeitszeit.

Eine innovative Nahwärmeversorgung versorgte ab 1994 das Ortszentrum vom Schulgebäude aus. Im Dezember 1995 begannen die Bauarbeiten für die Autobahn und die Autobahngrenzbrücke. Die Bundesregierung ließ einen provisorischen Ausfuhr-Terminal für Lkw (kurz PAUL) am Schanzberg errichten, was eine schnellere Abwicklung der Einreise für Lkws nach Tschechien mit sich brachte. Die Deutsche Bahn verkaufte im selben Jahr die ehemalige Bockl-Trasse an die anliegenden Gemeinden. Drei Waidhauser Bürger hatten die Idee, eine "Seniorenresidenz" zu errichten.

Neuer Bürgermeister


Die Landsknechte entstanden als Nebenprodukt des Heimatfests 1998, ebenso der Kostümfundus. Die Kommunalwahl 2002 brachte mit Anton Schwarzmeier einen neuen Bürgermeister. Noch im selben Jahr brachen die Gewerbesteuereinnahmen für längere Zeit massiv ein.

Im Kindergarten waren so viele Kinder wie noch nie. Waidhaus erwarb den PAUL als Schnäppchen. Erst vor zehn Jahren entstand der "Lustweg", und die erste Fundsachenversteigerung zog viele Schaulustige an.
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