„Die Züchter würden uns fressen“
Bezirksschau der Waidhauser Kleintierzüchter abgesagt

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch ging die Helferschar um Vorsitzenden Alfred Sauer (ganz hinten) am Mittwochabend an den vorzeitigen Abbau der 1300 Käfige. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
18.12.2015
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Der große Ärger um die Absage der Bezirksgeflügelschau verflog spätestens, als den Waidhauser Kleintierzüchtern die mögliche Konsequenz richtig bewusst wurde. "Was da auf uns hätte zukommen können, ist unkalkulierbar", weiß Vorsitzender Alfred Sauer.

"Außer Spesen nichts gewesen", sagt eine uralte Redensart. Diese Erfahrung machten auch die Kleintierzüchter. Seit Monaten liefen die Vorbereitungen für die Oberpfälzer Bezirksschau als richtig großes Ereignis im kaum 300 Einwohner zählenden Ortsteil Pfrentsch.

Dort haben sich die Mitglieder ein stolzes Domizil geschaffen, in dessen Mittelpunkt die Pfreimdtalhalle als eine der größten Ausstellungsflächen der Region zur Verfügung steht. Die umfassenden Investitionen sind noch lange nicht in trockenen Tüchern. Mit Ausstellungen und Kleintiermärkten soll der Schuldendienst getilgt werden.

Auf eigene Verantwortung


Am Sonntag war das Gros der Vorbereitungen durch den Abschluss der Volierenaufstellung geleistet. "Nur um auf Nummer sicher zu gehen", griff der Vorsitzende am Tag darauf zum Hörer und wollte sich das Okay der Veterinärstelle des Landratsamtes holen. Die Antwort hätte ihm aber "beinahe den Boden unter den Füßen weggezogen".

"Ihr könnt die Schau schon halten, aber auf eigene Verantwortung", wäre ihm da gesagt worden. Und eine Kontrolle mittels Blutproben bei den Tieren sei im selben Atemzug gleich mit angekündigt worden. "Das ist ein Wahnsinn. Mehr kannst du dazu nicht sagen", kommentiert der Vorsitzende dieses Vorgehen. Ausstellungsleiter Ewald Zetzl pflichtet ihm bei: "Wenn uns das wenigstens 14 Tage zuvor gesagt worden wäre, hätten wir einen Großteil der Arbeiten nicht gehabt." Am meisten ärgert Sauer der Verlust an Freizeit während des vergangenen Wochenendes für die vielen Helfer, die noch am Samstag und Sonntag die Trinkbecher in jeden einzelnen Käfig gehängt und die Tafeln für die Bewertungen angebracht hatten. Schließlich standen in der Pfreimdtalhalle Einzelvolieren für über 1300 Tiere.

Besonders leid tue ihm der 80-jährige Hans Dierl aus Eslarn, der eine ganze Woche - von morgens 8 Uhr bis spät in die Nacht hinein - den Aufbau für die große Schauanlage erstellt habe. "Am enttäuschendsten ist für mich die Art und Weise, wie diese Absage umgesetzt wird", machte der Vorsitzende bei den Abbauarbeiten am Mittwochabend seinem Ärger Luft. "Ich habe vergangene Woche ein paar Mal angerufen. Da hat es immer geheißen, es gebe keinen Grund für eine Absage."

Stutzig sei er schon am Freitag, 11. Dezember, bei seinem Einsatz als Schiedsrichter auf einer Lokalschau in Parsberg geworden. Der dortige Veterinär habe von einem Schreiben zu einem "angestrebten Schauverbot für die gesamte Oberpfalz" gesprochen. Als er die anstehende Bezirksschau in seinem Heimatverein anmerkte, habe er die Auskunft erhalten: "Der zuständige Veterinär wird auf Sie zukommen." Doch gekommen war bis Donnerstag immer noch nichts.

Das Ende der Zucht


Spätestens jetzt wissen die Waidhauser jedoch, in welche Gefahr sie ihre Kollegen der gesamten Oberpfalz wohl gebracht hätten. "Diese Schau hätten wir nicht machen können. Unsere Verantwortung wäre ins Bodenlose gegangen." Aus langjähriger Erfahrung weiß der Vorsitzende um den Gesundheitszustand vieler Tiere im Winterhalbjahr: "Da können genauso Erkältungen auftreten wie bei uns Menschen." Der Weg zum Keulen sämtlicher 1300 Ausstellungstiere sei also nicht weit gewesen, zumal die Proben auch noch angekündigt waren.

"Die Züchter würden uns fressen", kommentierte Zetzl salopp. Wäre eine Probe positiv ausgefallen, hätte dies eine Vernichtung aller Bestände der beteiligten Aussteller nach sich ziehen können. Züchterfreund Klaus Neumann aus Fiedlbühl, der ebenfalls viele Stunden in den Aufbau investiert hatte, weiß: "Das wäre das Ende der Rassegeflügelzucht in der ganzen Oberpfalz gewesen - und für sämtliche Vereine."

Auf den Kosten der Vorbereitung in Höhe von mehreren Tausend Euro bleiben die Waidhauser nun sitzen. Eines weiß die rührige Gemeinschaft aber bereits. Künftige Schauen werden nun früher terminiert, um der alljährlich "hochgespielten" Grippesaison einfach zuvorzukommen.
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