Dreißigjähriger Krieg
Heerscharen überrollen Region

Erwin Urban aus Grafenau ist im Besitz zweier Kanonenkugeln, die Experten in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges datieren. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
21.04.2017
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Die Reformation 1517 ist nicht die einzige Konfessionsspaltung. 100 Jahre später herrscht an der Grenze zwischen der Oberpfalz und Böhmen die Angst ums nackte Überleben.

(fjo) Entsetzt kehrte Christoph zu Dohna vor 400 Jahren aus Böhmen zurück: Eine kriegerische Auflösung des Habsburger Reiches scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Zu Dohna war 1617 am Vorabend des Dreißigjährigen Kriegs nicht ohne Grund nach Böhmen gesandt worden. Er sollte die Stimmung gegenüber dem deutschen Kaiser Mathias und dessen Neffen Ferdinand, der König von Böhmen war, erkunden.

Sein Ergebnis fiel bereits ein gutes Jahr vor dem Prager Fenstersturz verheerend aus. Und er sollte Recht behalten. Mit großflächig angelegten Erdwällen und Gräben versuchten die Menschen, sich und ihr Land zu schützen. Dann kamen sie, die Heerscharen, und überrollten die Region immer wieder zu Tausenden. Der Dreißigjährige Krieg wollte einfach kein Ende mehr nehmen.

Schreckenszeit vergessen


Nun sind es wieder Heerscharen geworden, die den Landstrich überrollen, seit die Grenzen zwischen Ost und West fielen. Aber nun bleiben diese Zeitzeugen vergangener Geschichte zumeist achtlos links und rechts liegen. Längst vergessen ist diese Schreckenszeit aus den Erzählungen und mündlichen Überlieferungen der Bevölkerung.

Was jedoch immer noch daran erinnert, sind die Überreste jener Schanzen und ihre Namen, die Jahrhunderte überdauerten. Und es tauchen auf den Feldern und Fluren rund um Waidhaus immer wieder einmal Funde auf. Der Prager Fenstersturz lässt sich noch heute gut als Auslöser des Dreißigjährigen Kriegs darstellen. Das entscheidende Ereignis gab es jedoch in der damaligen schwäbischen Reichsstadt Donauwörth, sind sich führende Historiker heute einig.

Fass übergelaufen


Dort, wo Evangelische und Katholiken wegen des Augsburger Religionsfriedens gleichberechtigt sein sollten, drang die protestantische Mehrheit nach und nach auf die Posten im Stadtrat und drängte die altkirchlichen Mitbürger mit allen Mitteln vor die Tore der Stadt hinaus. Das Fass zum Überlaufen brachte eine katholische Bittprozession, die protestantische Bürger auflauerten und die Teilnehmer auseinander trieben. So fügte sich eins zum anderen.

Gut erforscht


Die in den Folgejahren aus dem Boden geformten Feldbefestigungen bei Waidhaus, die als Ergebnis dieses zunehmenden Unfriedens vor 400 Jahre entstanden, sind gut erforscht. 1621 lieferten sich hier die Heere von Tilly und Mansfeld einen mehrmonatigen Stellungskampf. Tillys Truppen lagerten um Rozvadov und Mansfeld ließ bei Waidhaus ein Feldlager einrichten. Heimatkundler Werner Kaschel aus Pfrentsch hatte einst mit der Meldung an das Denkmalamt die neuen Forschungen ausgelöst. Seinem Sohn Ralf war mit Hilfe dessen Freunds Christian Blöderl die Wiederentdeckung jener Schanze geglückt, die sich auf dem Gipfel des Waidhauser Sulzbergs befindet.

Auf die Suche nach den Resten weiterer Befestigungen um Waidhaus begaben sich die Mitglieder des Heimatkundlichen Arbeitskreises in den Folgejahren nicht nur vor Ort, sondern auch in die klimatisierten Magazinräume des Staatsarchivs in Amberg. Dass in Waidhaus richtig gekämpft wurde, bewies eine Karte der Schanzanlagen. Sehr zur Freude von Vorsitzendem Andreas Ringholz, der sich schon lange intensiv mit den Bastionen, Redouten und Schanzen des Grafen von Mansfeld auf dem Sulzberg und entlang des Grenzbachs befasst.
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