Erinnerungen an das Waidhauser Kommunbrauhaus
Schwips für junge Burschen

Wirt Heiner Biehler (rechts) und sein Onkel Josef Biehler wissen noch von der einst über Jahrhunderte währenden Waidhauser Brautradition zu berichten. Bilder: fjo (2)
Vermischtes
Waidhaus
08.04.2016
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Viele Stufen führen unter einem sauber ausgeführten Ziegelgewölbe hinab zu den Lagerstätten in den uralten Felsenkellern unter dem Hotel Biehler.

Wer sich noch an die Zeit des einstigen Brauhauses in Waidhaus erinnert - und das sind nicht mehr so viele - weiß zumindest noch eins: "Das war oft ein greislicher Plempl."

"Den hat nicht jeder getrunken", fällt Sonja Vogl noch ein, als beim Stammtisch im Hotel Biehler die alte Brautradition zum Diskurs wird. Untrennbar ist die letzte Epoche des in Waidhaus gebrauten Biers mit der Traditionsgaststätte an der Vohenstraußer Straße verbunden.

Beidseitig lagerten die Braurechtler hier in den einst vielen Felsenkellern ihr "Kommune". Nur wenig ist davon mehr zu sehen, seit die Durchgangsstraße verbreitert und der Höhe nach angeglichen wurde. Früher führte von Bereich der jetzigen Autobahnkirche in die Ortsmitte ein Hohlweg, beschattet von hohen und alten Bäumen auf beiden Seiten. Ein idealer Platz für eine kühle Lagerung bei gleichmäßigen Temperaturen in Zeiten, als es noch keine Kühlschränke in den Häusern gab.

Um die 20, tief ins Erdreich eingegrabene Felsenkeller dürften es früher gewesen sein, von denen heute nur mehr 8 existieren. Und es gibt tatsächlich noch einen, in dem echtes "Kommune" in einer größeren Menge lagert. Wirt Heiner Biehler ist Besitzer der sehr gepflegten Lagerstätte und hat das Domizil weiterverpachtet. In seiner Gaststätte kommen andere Biere zum Ausschank, darunter auch das Waidhauser Landbier.

Vom Braugeschehen in früheren Zeiten weiß er von seinem Onkel Josef Biehler, der sich noch gut an die Ausstattung im letzten Waidhauser Kommunbrauhaus erinnern kann. Damit die über viele Jahrhunderte zum Alltag des Grenzmarkts gehörende Biertradition nicht ganz verblasst, gibt es wenigstens eine Brauhausgasse. Dort stand das 1913 erbaute Gebäude, bis es 1978 abgebrochen wurde.

Während viele Anwesen ihr verbrieftes Braurecht in den 1950er Jahren noch rege in Anspruch nahmen, ließ das Interesse bereits im darauf folgenden Jahrzehnt gehörig nach. Bierwirt Georg Voit aus Eslarn war der letzte angestellte Fachmann, der im Brauhaus sein Handwerk auf Bestellung der Rechtler ausübte.

Die im oberen Stockwerk platzierte Kühlpfanne wurde immer weniger genutzt, ebenso die anderen Utensilien. An die Lieferungen der Bierfuhren vom Brauhaus zu den Felsenkellern, die in offenen Bottichen erfolgte, kann sich Josef Biehler noch gut erinnern. Mehr noch ans Abziehen, also an das Umfüllen in die Flaschen. Durch meterlange Schläuche lief der halbfertige Gerstensaft von den vor den Eingängen stehenden Behältern hinunter in die Keller. "Stoppte der Nachfluss, musste wieder angesaugt werden. Da war ein Schwips für uns junge Burschen oft nicht weit weg."

Ob des Gestanks, wegen oder weil sich wirklich gefährliche Dämpfe und Gase in den Gewölben dabei ansammelten, wachelten andere Helfer mit großen Tüchern oder Sackleinen kräftig, um einen Luftaustausch zu erzielen.

Auch daran erinnert sich der 79-Jährige noch genau. Obwohl in Waidhaus wie auch in anderen Orten sicher nicht weniger Bier getrunken wurde, gab es hier zu keiner Zeit eine Brauerei. Der im Kommunverbund gebraute Gerstensaft stand zudem einzig im damaligen Wirtshaus "Scharfes Eck" der Familie Gerber im öffentlichen Ausschank.

Interessant ist im weiteren die Aussage Biehlers, dass Bier nur im Sommer in den Felsenkellern lagerte. Im Winter blieb der Platz stets für Futterrüben und andere Nahrungsmittel reserviert: "Es wurde nur im Sommer gebraut, auch wegen der geringen Lagerfähigkeit."
Es wurde nur im Sommer gebraut, auch wegen der geringen Lagerfähigkeit.Josef Biehler
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