Fasching ausgeackert
Narren plündern die Kassen

Viele bunte Luftballons und weiteres Zierrat sollten vom maroden Zustand des uralten Bulldogs ablenken, mit dem die "Junker" den Fasching ausgruben. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
06.02.2016
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"Maskierter Überfall im Waidhauser Rathaus: Marktkasse geplündert!" Ganz so dramatisch, wie es zunächst schien, war es am Donnerstagnachmittag nicht. Denn die "Überfallenen" traten beinahe noch kräftiger kostümiert auf.

Am "Naschen Pfinsta" läuteten die Waidhauser Narren traditionell die fünfte Jahreszeit ein. Im "Haus am Eck" trafen sich am frühen Nachmittag immer mehr Anhänger. Als auch genügend Musikanten gekommen waren, machte sich der Zug durch die Hauptstraße auf den Weg in Richtung Rathaus.

Prinz im Leiterwagen


Voran marschierte Fahnenträger Ernst Gilch, und zwei Buben zogen auf einem Leiterwägelchen "Prinz Karneval Erwin I.". Fast bis zur Unkenntlichkeit rußgeschwärzte Gesichter bliesen dahinter in ihre Instrumente. Hermann Mack schlug kräftig im Takt auf die Marschtrommel.

Den Schluss markierte ein uralter Bulldog mit eisernem Pflug an der Ackerschiene, den eine ganz in schwarz gekleidete Person bediente. Das war das wichtigste Utensil, schließlich lautete das Motto: "Aasgrom". Für mehr Aufsehen sorgte dennoch fast ein rosa Stoffhase, der wild hoppelnd beständig im Zick-Zack umher sauste und tüchtig Unordnung in das beabsichtigte Vorgehen zu bringen schien.

"Hoffentlich sind schön voll die Kassen", sagte Mack, der sich als Anführer der verkleideten "Junker"-Schar erwies. Beim Stopp vor dem Haupteingang ließ er dem Rathauspersonal wissen: "Denn das wollen wir in den Wirtshäusern verprassen." Fast drohende Worte richtete er an die Chefin des Hauses, Margit Kirzinger: "Wir haben nur sechs Tage Zeit. Lassen Sie uns nicht länger warten, denn wir müssen jetzt ganz schnell durchstarten."

Ein dreifaches "Heng, heng - leck, leck" setzte die heitere Masse lautstark obendrauf, um Macks Forderungen Nachdruck zu verleihen. "Lieber Hermann, es gibt nichts zu holen, hier im Rathaus", versuchte die ganz in rot gekleidete Bürgermeisterin zu beschwichtigen. Das reizte Mack: "Wir werden uns selbst davon überzeugen." Kirzinger merkte jedoch an: "Bei fast zwei Millionen Euro Kreisumlage, die heuer fällig werden, mussten wir sogar nach alten DM-Münzen und Pfennigen hinter den Büroschränken und in der Kaffeekasse suchen."

So schwenkte der Anführer auf Zuruf eines wortgewandten Mitstreiters schnell um: "Dann werden wir in den Gasthäusern auf Kosten des Rathauses anschreiben lassen." Gerne dürften die Angestellten aber dazu stoßen, dass sei dann "auch schon egal". So überfallartig das Prozedere begonnen hatte, endete es auch schon wieder. Das nächstbeste Wirtshaus im Visier verschwand der Spuk fast spurlos, nur die vielen Bonbons auf dem Pflaster zeugten noch vom Geschehen kurz zuvor.

An Geld kommen


Kaum ein Geschäft, kaum eine Bäckerei und schon gar nicht die beiden Bankfilialen ließen die Wanderer im Laufe des Tages jedoch aus, um an Alkohol oder Geld zu kommen. Sogar das "Seniorenhaus im Naturparkland" wurde nicht verschont. Als letzte Station ging es im Gasthaus "Zur Glashütte" in Frankenreuth hoch her, wo die Hartgesottesten bis nach Mitternacht ausharrten und selbst dann noch nichts vom Nachhausegehen wissen wollten.

Erst am Aschermittwoch wird es zur Auflösung des Spektakels kommen. Um 19 Uhr ist dann wieder Treffen im "Haus am Eck", danach folgen erneut ein Zug zum Rathaus zur Schlüsselrückgabe, ein Trauerzug zum Marktplatz mit dem Verbrennen von "Prinz Karneval" und ein Fischessen im "Haus am Eck".
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