Geschichte des Biers in Pfrentsch
Brauer stirbt im Brauhaus

Selbst in Pfrentsch wissen nur noch wenige Bürger, dass der über 200 Jahre alte Kachelofen aus dem einstigen Brauhaus im Hofmarkschloss noch bestens erhalten existiert. Heimatforscher Karl Ochantel aus Vohenstrauß erklärt bei Führungen im Heimatmuseum Vohenstrauß gerne nähere Details. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
08.07.2016
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In Waidhaus halten die alten Bierkeller, eine Straßenbezeichnung und vor allem jenes Gemälde vom Marktplatz mit dem alten Brauhaus aus der Zeit um 1900 die Erinnerung an das Brauwesen wach. Der Ortsteil Pfrentsch kann allerdings auf eine wesentlich längere Bier-Tradition zurückblicken.

Pfrentsch. "Im Brauhause werden Strümpfe und Socken auf dem Ofen geschlagen, was ebenso feuergefährlich, als für eine Wirtschaft unrühmlich ist." So steht es im Bericht der Gemeindevisitation des Jahres 1893. Ob es sich dabei um jenen Kachelofen handelt, der im Heimatmuseum Vohenstrauß die Zeiten überdauert, ist noch nicht erforscht.

Die Chancen stehen aber nicht schlecht, da es sich bei dem aus glasierter Irdenware um 1800 gefertigten Exemplar nachweislich um ein Relikt aus dem ehemaligen Brauhaus Pfrentsch handelt. Viele unterschiedliche Bildmotive auf den Kacheln geben Heimatforschern bis heute Rätsel auf. Die Geschichte der Braustätte in Pfrentsch endete 1950, als das einstige Hofmarkschloss für den Neubau einer Schule abgerissen wurde. In diesem Schloss war auch das Brauhaus untergebracht.

Klare Regeln


Wie wichtig und wertvoll gerade der Gemeinde Pfrentsch das Brauen von Bier im eigenen Ort war, bestätigt eine richtige "Bieraufschlagsordnung", die der Gemeinderat 1908 beschloss. Gleich in Paragraf eins heißt es da: "Von allem Bier, das in den Gemeindebezirk Pfrentsch eingeführt wird, ist ein örtlicher Aufschlag von 60 Pfennig für das Hektoliter oder 3 Pfennig für je fünf Liter des eingeführten Bieres zu entrichten."

Zusätzlich gab es eine Rückvergütung für die "Ausfuhr" von in Pfrentsch gebrautem Bier, welche beim braunen Bier 35 Pfennig je Hektoliter ausmachte und beim weißen 20 Pfennig. Außerdem war festgelegt, auf welchen Straßen der Biertransport stattzufinden hatte. Die Benutzung von Feld- und Waldwegen oder Fußpfaden war dabei völlig verboten.

Um bei Verstößen gegen die "Bierordnung" auch Strafen verhängen zu können, erließ der damalige Gemeinderat gleich noch eine ortspolizeiliche Vorschrift dazu. Alle Biertransporte mussten zudem aufgezeichnet, werden, was andererseits heute noch ermöglicht, verschiedene Zuordnungen vorzunehmen.

So bezog um 1900 die Gastwirtschaft von Michael Kleber pro Jahr rund 60 Hektoliter aus der Lehner'schen Brauerei in Pleystein. Bierwirt Johann Lang bevorzugte das Bier der Rap'schen Brauerei in Vohenstrauß in einer Menge von rund 150 Hektoliter jährlich. Und mit der Krieger'schen Brauerei in Böhmischbruck hatte das Gasthaus von Joseph Krapf einen Liefervertrag über 170 Hektoliter jährlich.

Die letzten Braumeister von Pfrentsch sind bekannt. Etwa von 1880 bis 1900 war Ignatz Peller ("der alte Peller") der Brauer. Auf ihn folgte H. Bayer bis 1908, dessen Vorname zwar nicht in den Akten steht, jedoch dafür sein Spitzname: "Kümmeltürk". Der "Walperer-Adl" Adam Voit war dann von 1908 bis 1914 der letzte in einer langen Reihe. Er starb direkt im Brauhaus als letzter ständiger Bewohner im Alter von 87 Jahren am 19. April 1939. Das Ende der Pfrentscher Kommunbrautradition war eng mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verbunden.

Denn 1914 wurde die große Braupfanne aus dem Brauhaus herausgerissen, vermutlich um aus dem Metall Munition herzustellen. Danach konnten natürlich keine größeren Mengen mehr gebraut werden.

Von allem Bier, das in den Gemeindebezirk Pfrentsch eingeführt wird, ist ein örtlicher Aufschlag von 60 Pfennig für das Hektoliter oder 3 Pfennig für je fünf Liter des eingeführten Bieres zu entrichten.Paragraf eins der Pfrentscher Bieraufschlagsordnung
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